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Mi, 10. Mai 2000, 00:00

Einfache Texteditoren unter X11

Niemand kann mehr zählen, wieviele Texteditoren unter Linux zur Verfügung stehen. Hier werden ein paar einfache Editoren für alltägliche Aufgaben betrachtet.

Intro

Niemand kann mehr zählen, wieviele Texteditoren unter Linux zur Verfügung stehen. Mit Sicherheit ist da für jeden etwas dabei. Prinzipiell haben wir es mit drei Klassen von Editoren zu tun: den vi-ähnlichen, den EMACS-ähnlichen, und den anderen.

So mächtig und effektiv vi und EMACS auch sind, sind sie mit ihrer gewöhnungsbedürftigen Tastenbelegung doch nicht nach jedermanns Geschmack. Um sie optimal zu nutzen, ist außerdem etwas Konfigurationsarbeit nötig. Das lohnt sich aber nicht, wenn man nur schnell einmal eine kleine Datei editieren will.

Daher habe ich mir einmal ein paar einfache Editoren angesehen. Da immer mehr User unter der graphischen X-Oberfläche arbeiten, habe ich meine Auswahl auf kleine, unter X laufende Editoren beschränkt. Weiter eingeengt wurde die Auswahl auf diejenigen Programme, die sich ohne viel Zeitaufwand installieren ließen. Im Rennen blieben:

  • KEdit 1.2.2
  • MEdit 1.7
  • tcltextedit 0.9
  • xenon 0.6.1
  • xredit (rxedit) 2.0

Kriterien

Im Tauglichkeitstest achtete ich besonders auf folgende Punkte:

  • Zuverlässigkeit: Ein dicker Fehler oder Absturz hätte zur Disqualifikation geführt, jedoch leistete sich keiner der Kandidaten Derartiges.
  • Kommandozeile: Der Editor muß die Namen der zu editierenden Datei(en) als Argumente akzeptieren. Editoren, die das nicht können, wären erst gar nicht in den Test gelangt, ich fand jedoch keinen solchen (außer unter Windows). Vorzugsweise sollte der Editor natürlich beliebig viele Dateien gleichzeitig öffnen können.
  • Menü: Ist ein Menü vorhanden, erspart es einem natürlich das Auswendiglernen von Tastenkombinationen. Ist es nicht vorhanden, hat man mehr Platz auf dem Bildschirm. Auf jeden Fall sollte ein Menü Hotkeys besitzen, so daß man die Finger nicht von der Tastatur zur Maus bewegen muß.
  • Toolbar: Das ist eine ziemlich unnütze Spielerei. Ist sie vorhanden, sollte sie abschaltbar sein.
  • Statusbar: Das ist zweifellos ein nützliches Feature, das die aktuelle Cursorposition und weitere Informationen anzeigen kann.
  • Scrollbars: Idealerweise sind sie abschaltbar, damit man mehr Platz auf dem Bildschirm hat. Das beste, was die hier getesteten Programme fertigbrachten, war das automatische Ausblenden der Scrollbars, wenn die editierte Datei entsprechend klein ist.
  • Online-Hilfe und Drucken: Beides ist nicht unbedingt nötig, da es ja Manpages und den lpr-Befehl gibt. Es kann natürlich sein, daß der Editor einen besseren Ausdruck erzeugt als lpr, aber das wurde nicht getestet.
  • Markieren, Kopieren, Ausschneiden, Einfügen: Das sollte möglichst einfach gehen, mit der Maus wie auch mit der Tastatur.
  • Größe: Je kleiner ein Programm und je weniger DLLs zu laden sind, desto kleiner die Ladezeit. Ob man den Unterschied bemerkt, hängt von der Geschwindigkeit von CPU und Dateisystem, noch mehr aber vom verfügbaren Hauptspeicher ab.

Der Test

KEdit

KEdit ist der Editor des KDE-Projekts. Damit hat man automatisch nette Features wie Eingabe einer URL als Dateiname, einfache Konfiguration (was aber momentan fast nicht genutzt wird) und anderes. So ist KEdit klar das Programm mit den meisten Features im Test. Das schlägt sich aber auch auf die Größe nieder: 200 K und etliche verwendete DLLs.

kedit

hjb

kedit

KEdit akzeptiert beliebig viele Dateinamen in der Kommandozeile, was sich in einer großen Zahl von offenen Fenstern auswirken kann. Zum Glück kann man alle auf einen Schlag wieder loswerden. Menü, Statusbar und Toolbar sind vorhanden, wobei die letzteren beiden ausgeblendet werden können. Online-Hilfe (etwas knapp) und Druckfunktion fehlen nicht. Markieren von Text erfolgt mit Shift+Cursor oder natürlich mit der Maus. Copy, Cut und Paste sind mit den Standard-Tasten STRG-C, STRG-X und STRG-V realisiert.

KEdit legt von jeder Datei eine Backup-Kopie an, was sich glücklicherweise abschalten läßt. Die Tasten STRG-LEFT und STRG-RIGHT springen nicht ein Wort nach links oder rechts, sondern an Anfang bzw. Ende der Zeile. Das ist lästig. Ein weiterer Fehler ist, daß beim Beenden des Programms die Abfrage erscheint, ob geänderte Dateien gespeichert werden sollen, obwohl keine Datei geändert wurde. Im Gegensatz zu einigen anderen Editoren gibt es auch kein Undo. Erfreulich ist dagegen die Einbindung des Spellcheckers ispell, obwohl die entsprechende Dialogbox mehr als mißraten ist.

MEdit

MEdit benötigt Motif, funktioniert aber auch mit Lesstif. Für die wenigen Funktionen, die er besitzt, ist er mit 144 K noch relativ groß. Er wird konfiguriert über eine Datei MGui, die an verschiedenen Stellen gesucht wird, unter anderem in /usr/local/lib/mguisys. Diese Datei hat dasselbe Format wie die X Ressourcen.

medit

hjb

medit

MEdit akzeptiert nur einen Dateinamen in der Kommandozeile, was für die vorgesehene Aufgabe ausreicht. Weitere Fenster können übers Menü geöffnet werden. Menü und Statusbar sind vorhanden. Auf die Online-Hilfe wurde verzichtet, eine Druckfunktion ist jedoch vorhanden. Wie sie funktioniert, war jedoch mangels Manpage nicht herauszufinden. Markieren von Text erfolgt mit Shift+Cursor oder natürlich mit der Maus. Copy, Cut und Paste sind mit den Standard-Tasten STRG-C, STRG-X und STRG-V realisiert.

Etwas lästig ist es, daß beim Schließen des letzten Fensters eine Abfrage erscheint, daß es sich um das letzte Fenster handelt, und ob dieses geschlossen werden soll. Abgesehen davon waren aber keine Mängel auszumachen.

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