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Mi, 15. September 1999, 00:00

Tagebuch eines Linuxreisenden

Der 6. Internationale Linux-Kongreß in Augsburg

Vom 8. bis 10. September 1999 fand in Augsburg der 6. Internationale Linux-Kongreß statt.

Vorwort

Vom 8. bis 10. September 1999 fand in Augsburg der 6. Internationale Linux-Kongreß statt. Es folgt ein Bericht zu der Veranstaltung. Da dieser notwendigerweise subjektiv und unvollständig bleiben muß, habe ich ihn in Form eines Tagebuchs geschrieben. Viel Vergnügen!

Mittwoch, 8.9.1999

Anreise

Um genügend Zeitreserven zu haben, starte ich meine Reise um 6.55 Uhr im Karlsruher Hauptbahnhof. Wenn alles gut geht, werde ich noch vor 10 Uhr in Augsburg sein, früh genug vor Beginn des Tutoriums um 12 Uhr.

Am Fahrkartenschalter will man meine Kundennummer wissen, die ich jedoch nicht dabeihabe :-( glücklicherweise geht es auch ohne.

Im Zug finde ich meinen Platz nicht. Die Reservierung scheint nicht mit der Realität übereinzustimmen, bis ich merke, daß ich auf die falsche Reservierung geschaut habe. Soviel zum Zugfahren am frühen Morgen ;-)

Der IC wird von Basel bis Stuttgart geschoben (!), ist also eigentlich kein Zug, sondern ein Schub :-). Erst im Stuttgarter Sackbahnhof ändert sich die Fahrtrichtung, der IC wird von hier bis München gezogen.

Am Stuttgarter Bahnhof fahren die Züge bzw. Schübe teilweise in 3 "Stockwerken" übereinander - staun...

Ich muß feststellen, daß mein Laptop nicht mehr zuverlässig funktioniert. Bei jeder größeren Erschütterung schaltet es sich ab - da muß wohl bald ein Ersatz her... zurück zur Handschrift!

Das Hotel in Augsburg ist schnell gefunden, und ich kann sogar trotz der frühen Zeit schon das Zimmer beziehen. Das Hotel hat leider nur 2 Sterne, ist aber bis auf das etwas enge Bad OK. Aber wieso ist im Bad kein Fön? Soll man etwa das Teil auf Reisen immer mitschleppen?

Mit minimalem Gepäck begebe ich mich zur Straba-Haltestelle, die Fahrt zur Uni ist kein Problem. Der Fahrschein kostet allerdings 3,40 DM - unverschämt! Das Hörsaalgebäude, wo der Kongreß stattfindet, liegt nicht etwa, wie erwartet, einen strammen Fußmarsch, sondern gerade mal 100 Meter von der Haltestelle entfernt.

Das Tutorium und danach

Bei der Registrierung bekommt man eine Stofftasche mit Prospektmaterial, einer Gratisausgabe der FreeX und der iX, einer SuSE 6.2 Demo-CD und zwei Anstecknadeln (Igel, O'Reilly) ausgehändigt. Leider gilt das Namensschild, das jeder erhält, nicht als Fahrausweis für die öffentlichen Verkehrsmittel, was meiner Ansicht nach ein unnötiges Ärgernis darstellt.

Nach der Registrierung beginnt der übliche Plausch mit "alten" Bekannten und das Schließen neuer Bekanntschaften :-).

Um 12 Uhr geht es dann mit dem Tutorium los. Mein Tutorium, automatische Installation, entpuppt sich als sehr interessant, aber auch locker. Trotz zweier Kaffeepausen ist es um 17 Uhr beendet. Danach hängt man zusammen noch ein bißchen ab, stellt fest, daß die Anzahl der Teilnehmer nicht allzu hoch ist, beobachtet den Aufbau der Ausstellung, die ebenfalls kleiner als im Vorjahr ist (es fehlen KDE, Caldera und etliche andere).

Abends treffen sich diverse Gruppen und Grüppchen in der Innenstadt, um zu essen, erzählen oder feiern :-)

Donnerstag, 9.9.1999

Der erste Kongreß-Tag

Dies ist der Tag des Hochzeits-Wahns ;-). Dennoch haben 300-400 Teilnehmer den Weg nach Augsburg gefunden.

Die Keynote "Filesystems 2000" ist durch das Genuschel des Referenten Dan Koren etwas schwer verständlich. Interessant ist die These, daß für Dateisysteme in Zukunft 64-Bit-Adressen nicht mehr ausreichen werden und daher 128 Bit benötigt werden. Im Vergleich mit anderen Keynotes, die ich schon gehört habe, ist diese jedoch nicht besonders unterhaltsam.

Danach finden die Vorträge in zwei parallelen Tracks statt. Teilweise werden gleichzeitig auch noch BOF-Sessions veranstaltet, die ich jedoch allesamt verpasse (BOF [Birds of a Feather] Sessions sind informelle Gesprächsrunden, die oft kurzfristig angesetzt werden, um ein bestimmtes Thema zu erörtern).

Geert Uytterhoevens Vortrag "Frame Buffer with XFree86" ist interessant, bringt jedoch leider keine Benchmarks oder Demos.

Phil Schwans Vortrag über InterMezzo ist das erste Highlight für mich. Er stellt ein neues Netzwerk-Dateisystem vor, das durch Caching der Daten effizienter ist und es ermöglicht, offline zu arbeiten. Zugleich ist es sehr klein und einfach. Es kombiniert also die Vorteile von NFS und Coda. Ein funktionierender Prototyp, der teilweise in Perl geschrieben ist, kann von inter-mezzo.org bezogen werden.

Jaroslav Kyselas Vortrag über den ALSA-Soundtreiber ist von den offensichtlichen Schwierigkeiten des Referenten mit der englischen Sprache geprägt. Er wirkt wie eine Schlaftablette. Zudem ist alles beinahe wörtlich bereits in der abgedruckten Zusammenfassung zu lesen. Dabei ist das Fachliche aber durchaus nicht schlecht dargestellt.

Hans Reiser referiert über das reiserfs (was sonst :-)), ein Dateisystem, das in vielen Anwendungsfällen schneller als ext2 sein und diverse Weiterentwicklungen erfahren soll. Auch zum jetzigen Zeitpunkt ist noch jede Menge Spielraum für Optimierungen vorhanden.

Geselliger Abend

Der "Social Event" findet in einem Brauhaus etwas außerhalb der Innenstadt statt. Zufällig komme ich neben Ruud, Robert, Rudi und Wilco von der holländischen Consulting-Firma Snow zu sitzen, die, wie sich herausstellt, sehr gut Deutsch sprechen. Als aber auch noch ein Däne und ein in Dänemark arbeitender Ire dazustoßen, gehen wir zum Englisch über, und es ergibt sich ein lustiges Palaver, das sich noch etwas länger hinzieht als das relativ langsame Servieren des Essens. Als wir gegen 1.20 Uhr das Lokal verlassen, sind wir nicht nur die letzten, sondern auch die, die keine Straba mehr bekommen, da diese ihre Fahrt bereits eingestellt hat. Ich entscheide mich kurzerhand dafür, Augsburg zu Fuß zu erkunden und erreiche auch schneller als erwartet, nach etwa 20 Minuten, mein Hotel.

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