SUSE Linux 10.1
Fazit
Wer angesichts der kleinen Versionsnummern-Erhöhung auf 10.1 mit wenig Neuheiten gerechnet hat, wird bei SUSE Linux 10.1 positiv überrascht sein. Das Produkt kommt mit verhältnismäßig vielen Verbesserungen und überrascht. Vor allem die Xgl-Erweiterung überzeugt in jeder Hinsicht. Sie ist einfach nett anzuschauen und macht eine Menge Spass. Hier hat der Distributor einen Standard gesetzt, an dem sich andere Hersteller messen lassen müssen, auch wenn Xgl noch nicht als offizieller Bestandteil von SUSE Linux 10.1 angesehen wird. Das Potential der Erweiterung ist enorm und es bleibt abzuwarten, wie sich die Desktop-Programmierer der Möglichkeiten von Xgl bedienen werden.
Mit SUSE Linux 10.1 hat Novell seine Vision des Desktops auf spektakuläre Art und Weise der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei aller Euphorie darf allerdings nicht vergessen werden, dass SUSE Linux 10.1 das Basismodul der Corporate-Linie von Novell liefern wird. Gerade diese Serie wird vor allem den Server-Markt fokussieren. Hier hat der Hersteller allerdings noch Nachholbedarf. Die als Erleichterung für den Nutzer eingeführte Paketmanagementänderung entpuppt sich als unzuverlässig und noch nicht zu Ende implementiert. Sieht man von der fast komplett fehlenden Internationalisierung ab, stören vor allem die teilweise träge Geschwindigkeit und die recht häufigen Abstürze. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Distributor auch diese Unzulänglichkeiten durch ein Update beheben wird.
Novells Schritt, proprietäre Treiber aus der Distribution zu entfernen, ist nicht nachvollziehbar und Ärgernis. Viele Nutzer werden sich wundern, warum ihre bis Dato unterstützte Hardware nicht mehr erkannt wird. Ärgerlich ist dies vor allem, weil der Hersteller auf einer Extra-CD ausgewählte proprietäre Treiber durchaus ausliefert und auf proprietäre Technologien wie Flash bei der Grundinstallation zurückgreift. Warum nur manche der Treiber aus der Box entfernt wurden, ist in diesem Zusammenhang nicht ersichtlich.
Was sich bereits bei der Version 10 von SUSE ankündigte, wird bei der aktuellen Version noch sichtbarer: Der Schwenk weg vom deutschen Markt. Viele der Neuentwicklungen sind nur noch in englischer Sprache erhältlich. Die ehemals vorbildlich eingedeutschte Linux-Version wird immer schlampiger angepasst.
Bei aller Kritik ist und bleibt SUSE eine sehr gute Distribution nicht nur für Einsteiger. Die Installation ist vorbildlich, genauso wie die Konfiguration. Hinzu kommen noch fortschrittliche Technologien und die dazugehörenden Module im Yast. Die freie Verfügbarkeit der Distribution ermöglicht zudem einen problemlosen Test. Wer auf eine gedruckte Dokumentation Wert legt und auf kommerzielle Beigaben nicht verzichten möchte, kann getrost zu der Box greifen. Allen anderen sei auf jeden Fall ein Test der freien Variante empfohlen. Schon alleine wegen Xgl.
Referenzen
Fakten
Hersteller: Novell
Verfügbarkeit (Download): Anfang Mai 2006
Verfügbarkeit (Box): Anfang Juni 2006
Lieferumfang: 1 DVD, 6 CDs, 1 Handbuch
Preis: 59,95 Euro


