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So, 1. Mai 2005, 00:00

SUSE Linux Professional 9.3

Sechs Monate sind es her, dass SUSE mit [a 1.343]SUSE Linux Professional 9.2[/a] eine neue Version der Distribution ankündigte. Nun liefert der Nürnberger Distributor ein neues Release seines Produktes aus. Nach Aussagen des Herstellers bietet die neue SUSE Linux Professional 9.3 alles, was zeitgemäße Linux-Benutzer für zuhause und unterwegs benötigen. Das System umfasst demnach »ein stabiles und zuverlässiges Linux-Betriebssystem sowie eine umfassende Auswahl an Desktopanwendungen wie eine Office-Suite, Webbrowser, Instant Messaging Clients, Multimedia-Betrachter und Grafiksoftware«. Pro-Linux schaute sich die Distribution eine Zeitlang an und testete sie in einer produktiven Umgebung.

Wie bereits in den Vorgängerversion, liefert SUSE auch dieses Mal die komplette Distribution ohne CSS- und MP3-Unterstützung aus. Während CSS, das zuständig für die Entschlüsselung von DVDs ist, wohl nicht so schnell den offiziellen Weg in die Distribution finden wird, entschlossen sich die Verantwortlichen, MP3-Unterstützung online anzubieten. Dazu muss ähnlich Treibern für diverse WLAN- und Grafikarten (unter anderem NVidia) ein Update-Paket heruntergeladen werden. Alle Interessenten, die in den Genuss von MP3 unter SUSE Linux 9.3 kommen wollen, müssen mittels der Online Update-Funktion die Pakete »Multimedia Option Pack« herunterladen. Leider steht auch in der Beschreibung der Pakete nur »Multimedia Option Pack«, was vor allem Anfänger vollends verwirren wird.

Als Defaultbrowser dient SUSE Mozilla Firefox in der Version 1.0.1. Die Konfiguration scheint dabei von einem amerikanischen Team durchgeführt worden zu sein. Alle Bookmarks zeigen auch in der deutschen Version auf US-amerikanische Seiten. Auch die Beschreibung fast aller neuen Pakete kommt nur noch in der englischen Sprache. Viele der alten Pakete, die eine Überarbeitung erfahren haben, sind ebenfalls nur noch auf Englisch erklärt.

Die vollmundige Ankündigung seitens Novell, wonach Vorabversionen neuer Technologien wie die Desktopsuche Beagle und die Virtualisierungssoftware Xen problemlos installiert werden können, darf der Welt der Sagen zugerechnet werden. Keine der neuen Technologien ist bei der Installation per Default eingeschaltet und einsatzbereit. Beide Erweiterungen müssen separat von der mitgelieferten DVD installiert und aktiviert werden. Während die Aktivierung von Beagle unter GNOME ziemlich trivial ausfällt (touch $HOME/.runbeagle), stellt sich die Konfiguration von Xen weniger einfach dar. Hierzu sollten die Hilfedateien unter /usr/doc/packages/xen zu Rate gezogen werden. Von einer »Verpackung öffnen, die Software installieren und von da ab nur noch mit Linux arbeiten« kann allerdings keine Rede sein.

OpenOffice.org 2.0 mit KDE- (oben) und GNOME-spezifischen Anpassungen

Mirko Lindner (demon)

OpenOffice.org 2.0 mit KDE- (oben) und GNOME-spezifischen Anpassungen

Der Einsatz einer Vorabversion von OpenOffice.org 2.0 kann mit gemischten Gefühlen betrachtet werden. Bei unserer knapp zweiwöchigen Arbeit verhielt sich die Applikation relativ stabil, stürzte aber einmal ab. Leider ist ein Ausweichen auf eine von OpenOffice.org freigegebene (stabile) Version der Textverarbeitung nicht möglich. Im Lieferumfang der Distribution ist nur eine Testversion des Paketes zu finden. Nutzer, die eine stabile Version einsetzen wollen, müssen sich das entsprechende Paket direkt aus dem Netz besorgen.

Im Allgemeinen ist die Arbeit unter SUSE durchaus entspannend. Die Menüstruktur unter GNOME und KDE ist sinnvoll aufgebaut und auch neue Benutzer finden sich relativ schnell zurecht. Unter anderem liegt es daran, dass SUSE die Menüstruktur unter KDE kaum veränderte und die Defaulteinstellungen verwendet.

Dokumentation

Das Administrationshandbuch ist, wie der Name schon sagt, an Systemverwalter gerichtet und beschreibt die Konfiguration und die Installation von SUSE Linux. Dabei beschränkt sich die Literatur nicht nur auf die Standardkomponenten der Distribution, sondern schneidet auch Themen an, die erst in der kommenden Version der Distribution Einzug halten werden. Das Buch erfuhr gegenüber der letzten Version nur wenige signifikante Änderungen und wurde vorwiegend aktualisiert.

Im Gegensatz zum Administrationshandbuch spendierten die Autoren dem Benutzerhandbuch massive Änderungen. Das Werk wurde überarbeitet und vor allem an die Belange der Anfänger und Umsteiger angepasst. Gleich im ersten Kapitel widmen sich die Autoren den grundlegenden Begriffen und der Funktionsweise eines Linux-Systems. In einer verständlichen Art und Weise erklären sie dem Leser das System und stellen gebräuchliche Windows-Applikationen und ihre Linux-Pendants vor. Der Rest des ersten Kapitels widmet sich GNOME und KDE. Ferner beschreibt der erste Kapitel die grundlegenden Funktionen der Umgebungen sowie die Benutzung der Hilfe und der Dokumentation.

Die restlichen Kapitel des Administrationshandbuch erklären die gängigen Applikationen und sind als Orientierungshilfe für die Wahl der Umgebung zu gebrauchen.

Fazit

Die Konsole der Distribution (tty1)

Mirko Lindner (demon)

Die Konsole der Distribution (tty1)

Es ist kein Geheimnis, dass SUSE eine einsteigerfreundliche Distribution ist. Diesem Anspruch wird SUSE Linux Professional 9.3 ebenfalls gerecht. Der Distributor unterzog das Produkt einem Facelifting und verbesserte manch einen Dialog und die Konfiguration des Systems. Vor allem die massive Verbesserung der GNOME-Umgebung wird alle Nutzer des Environments erfreuen. Endlich ist GNOME unter SUSE nicht nur eine Beigabe, sondern eine vollwertige Umgebung.

Überragende neue Module in YaST, wie sie in älteren Versionen des Produktes durchaus zu finden waren, sucht man bei SUSE 9.3 weitgehend vergebens, was allerdings nichts Schlechtes zu bedeuten hat. Die Business-Unit von Novell polierte des Tool und machte YaST2 intuitiver, einfacher und mächtiger. Vor allem die Konfiguration der Firewall stellt ein wirklich ausgereiftes und mächtiges Tool dar. Was den einen Freud, ist des anderen Leid - vor allem Anfänger könnten mit dem überarbeiteten Firewall-Tool Probleme haben und sich überfordert fühlen.

Erfreulich ist ebenfalls die Unterstützung von MP3. SUSE durfte einer der wenigen Distributoren sein, die diese Funktionalität seinen Kunden bis dato nicht angeboten hat. Bei einem Update ist allerdings die Wahl des Servers wichtig. Vor allem amerikanische Server haben die besagten »Multimedia Option Packs« nicht parat.

Die Distribution hat den SUSE-üblichen Umfang, der jeden Wunsch erfüllen wird. Wie immer liefert der Distributor das Produkt mit aktuellen Paketen aus. Der Preis von SUSE Linux Professional 9.3 ist mit 89,95 Euro gleich geblieben. Anwender, die eine frühere Version nutzen, können ein Update zum Preis von 59,95 Euro erwerben. Studenten erhalten SUSE LINUX Professional 9.3 zum Preis des Updates.

Fakten

Titel: SUSE Linux Professional 9.3
Hersteller:Novell
Verfügbarkeit: Mitte April 2005
Lieferumfang: 2 DVDs, 5CD-ROMs, 2 Handbücher
Preis: EUR 89,95 (Update EUR 59,95)

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