SUSE LINUX 9.0
Die Highlights
Außer den bereits vorgestellten YaST-Erweiterungen bringt die neue SUSE LINUX 9.0 nur wenig Neues. So wartet das neue Release neben der obligatorischen »Erfrischung« der Applikationen erstmals auch mit Kernel 2.6 auf, der allerdings ausdrücklich als experimentell gekennzeichnet ist. Eine schöne Erweiterung des Lieferumfangs stellt das neue Programm »Duden - Richtiges und gutes Deutsch« dar, das mittels der bereits erschienenen Windows-Versionen ( »Deutsche Rechtschreibung« oder »Das Fremdwörterbuch«) um zusätzliche Bücher erweitert werden kann. Wie bereits bei SuSE 8.2 liegt auch diesmal dem Paket eine eingeschränkte Version von MoneyPlex sowie zum ersten Mal auch MainActor in der Version 5 Preview1 Beta bei.
Ebenfalls zum ersten Mal findet die Nachfolgeversion von Gimp 1.2, Gimp2, Platz auf dem Silberling. Die in der Version 1.3.20 vorliegende Applikation bietet gegenüber dem stabilen Release eine Vielzahl von neuen Funktionen und agiert trotz ihren Entwicklungsstatus erstaunlich stabil. Ein kurzer Hinweis bei der Installation, dass es bei Gimp2 um eine Entwicklerversion handelt, würde allerdings nicht schaden.
Die in SuSE integrierten Applikationen entsprechen weitgehend dem Standard und stellen den neuesten Stand der Technik dar. So kommt SUSE LINUX 9.0 mit glibc 2.3.2, kernel 2.4.21 mit massiven Verbesserungen/Änderungen, KDE 3.1.4 und OpenOffice 1.1. Lediglich die unserem Paket beiliegende GNOME-Version entsprach nicht dem aktuellen Release, sondern stellte einen Mix aus GNOME 2.2, 2.3 und 2.4 dar.
Der Lieferumfang
Zweifelsohne bekommt man bei SUSE LINUX 9.0 viel Software für sein Geld geboten. So kommt auch die neueste Veröffentlichung mit fünf CDs und einer doppelseitigen DVD-ROM (beide Seiten der DVD enthalten Daten) daher. Um rund 140 Seiten erweitert präsentiert sich auch die mittlerweile 1100-seitige gedruckte Dokumentation. Das »Benutzerhandbuch« erläutert ausführlich viele KDE-Programme und die Verschlüsselung von E-Mails mit »GNU Privacy Guard«. Neu sind Kapitel zum GNOME-Desktop, zum Browser »Mozilla« und zur Datensynchronisation mit PDAs von Palm. Das »Administrationshandbuch« überzeugt mit neuen Kapiteln zum Verzeichnisdienst LDAP und zum Webserver Apache, wie auch mit einer aktualisierten Passage zu Samba.
Fazit
Die vielen kleinen Bugs der Vorversionen hat SuSE konsequent eliminiert, so dass man jetzt wesentlich flüssiger arbeiten kann. Von einer Revolution bei SUSE LINUX 9.0 zu sprechen, ist allerdings übertrieben. Die Nürnberger liefern mit ihrem Produkt eine solide Distribution mit wenig Macken, was auch die SuSE-Mailingliste bescheinigt. Während unserer fast zweiwöchigen Testperiode haben wir keine nennenswerten Probleme gesehen, obgleich wir zwei der Test-Rechner als Server-System einsetzen und einen zusätzlich als Arbeitsstation für Entwicklungen nutzen. Wer sich allerdings von der neuen SUSE LINUX 9.0 einen Quantensprung erhoffte, wie es die Nummer 9.0 zu suggerieren versucht, der wird enttäuscht sein. Neue Funktionen, wie sie schon immer bei einer Einführung von neuen Major-Nummern bei SuSE üblich waren, sind im direkten Vergleich mit älteren Distributionen nur spärlich vorhanden. Statt dessen behob das Unternehmen viele kleinere und größere Probleme der alten Version und unterzog viele Applikationen einem Facelifting. Kleine Verbesserungen an bestehenden YaST2-Modulen fügen zwar der Schaltzentrale des Systems keine große Funktionalität hinzu, machen aber die Arbeit mit dem Tool angenehmer und intuitiver. So dürfen alle Nutzer der neuen SuSE eine Dankeshymne an die Marketingabteilung des Unternehmens senden, der wohl die Major-Version zu verdanken ist. Wer kauft schon SUSE LINUX 8.3, wenn es bereits Linux 9.1 und schon bald 9.2 gibt?



