Ubuntu 8.04 LTS
Ubuntu für drei Jahre
Eine Übersicht über Ubuntu 8.04 LTS. Wo liegen die Unterschiede zum Vorgänger?
Paketverwaltung und Updates
Wenig Änderungen gab es in der Paketverwaltung, sieht man von der gestiegenen Anzahl von Paketen ab. Die offiziellen Repositorien von Ubuntu 8.04 sind weiterhin main, universe, multiverse und restricted. Letzteres ist das Archiv, in dem sich unterstützte, aber unfreie Pakete befinden. Darunter befinden sich die Grafikkarten-Treiber von NVidia und anderen, Firmware-Pakete und Treiber, die nicht unter vollständig freien Lizenzen stehen. Sie können von Ubuntu grundsätzlich nicht so wie die anderen Pakete unterstützt werden, da der Quellcode teilweise nicht zugänglich ist.
Im Gegensatz zu main wird Software, die im Repositorium universe zu finden ist, nicht offiziell unterstützt. Die Softwarepakete in universe sind frei, während jene in multiverse unfrei sind. Das Repositorium commercial oder partners, das Software von Partnerunternehmen beherbergen soll, wurde in partner umbenannt. Wie schon vor einem halben Jahr findet sich darin derzeit nur ein Eintrag, der Webbrowser Opera.
Nach Hinzufügen aller Repositorien stehen für Ubuntu 8.04 über 32.000 Pakete zur Verfügung. Dazu kommen weit über 1000 virtuelle Pakete.
Darreichungsformen
Als vollständig freie Distribution stehen Ubuntu und alle seine Varianten zum Download auf den Servern des Herstellers und zahlreichen Mirror-Servern bereit. Zur Installation genügt eine einzelne CD (700 MB). DVDs (3,6 GB) gibt es nur auf wenigen Servern und auch diese bieten meist nur einen BitTorrent-Download. Eine Übersicht findet man auf der Download-Seite des Projekts auf ubuntu.com. Die DVDs findet man im Verzeichnis releases des Servers cdimage.ubuntu.com. Wer die Images nicht herunterladen kann, sondern CDs oder DVDs benötigt, findet weltweit Anbieter, die gebrannte oder auch aufwendiger produzierte Medien liefern können. Bei größeren Stückzahlen hilft Ubuntu selbst mit dem weiterhin kostenlosen ShipIt-Dienst.
Images von virtuellen Maschinen werden immer beliebter. Man muss sie nur herunterladen und sie sind sofort in der gewählten VM lauffähig. Wie bei einer Live-CD entfällt die Installation, anders als bei einem Live-System kann man aber auch dauerhafte Änderungen machen. Für VMWare findet man im Virtual Appliance Marketplace in der Kategorie Betriebssysteme erste Images. Diese sollten von Qemu und VirtualBox ebenfalls verwendbar sein.
Fazit
Ubuntu 8.04 LTS ist eine runde Sache, die durch die Feinabstimmung und Vollständigkeit besticht. Installation und Update sind solide und für die meisten Anwender problemlos. Damit hat sich das System auch als langfristig betreibbar erwiesen. Man kann Anwendern Ubuntu 8.04 unbesorgt empfehlen. Kleinere Probleme nach der Installation oder dem Update sind normal und stellen kein Drama dar, solange sie behebbar sind.
Kleine Kritikpunkte, die aber angesichts des Gesamtwerks nicht sehr ins Gewicht fallen, sind die Patzer bei der Zeiteinstellung und dem AVM-Treiber bei der Installation, die fehlende LVM-Option in der Partitionierung, Absturz des grafischen Update-Programms, der Einsatz der Betaversion von Firefox und die nicht vorhandenen Sicherheitseinstellungen im Browser. Der größte Kritikpunkt ist jedoch, dass Kubuntu nicht als LTS-Version herausgegeben wurde. Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar, denn andere Distributionen werden KDE 3.5 auch noch jahrelang unterstützen. Selbst wenn es keine weitere offizielle Version von KDE 3.5 geben sollte, verschwindet das System nicht einfach von der Bildfläche, sondern bleibt im Versionsverwaltungssystem von KDE für Änderungen zugänglich. Die Distributoren könnten KDE 3.5 gemeinsam weiter pflegen, so wie sie das auch für Firefox tun.
Gegenüber Version 7.10 sind die Änderungen zwar zahlreich, aber für die Anwender nicht sehr augenfällig. Es wurde jedoch viel Feinschliff betrieben, um die Distribution stabil und leicht bedienbar zu machen, meiner Meinung nach erfolgreich. Andere Distributionen müssen nicht notwendig schlechter sein, sie haben technisch vielleicht sogar noch mehr zu bieten. Zwar kann ich nicht zu jeder anderen Distribution einen Vergleich ziehen, aber Ubuntu macht die Installation und Einrichtung offenbar doch ein klein wenig einfacher, und das bringt eine Menge. Dennoch würde man sich in manchen Bereichen wünschen, dass Ubuntu nicht einfach nur die Neuerungen aus der freien Softwarewelt nimmt und integriert, sondern selbst aktiver wird und mehr beiträgt. Wenn es beispielsweise OpenJDK-Pakete für Ubuntu gibt, wo sind dann diejenigen für Debian?
Beeindruckend an Ubuntu 8.04 ist auch der Umgang mit Multimedia. Fehlende Codecs werden so einfach nachinstalliert und sind so leistungsfähig wie nie zuvor. Proprietäre Systeme kommen mit genausowenig Multimedia-Unterstützung, die viel aufwendiger als bei Ubuntu nachinstalliert werden muss. Hier sollten wir einmal kurz innehalten und all das würdigen, das »wir« in der freien Softwarewelt mittlerweile erreicht haben. Denn nach der langjährigen Benutzung von freier Software erscheint so vieles schon selbstverständlich und überhaupt nicht mehr aufregend. Vielleicht war es nicht wirklich schwer, besser zu sein als die schlechte Spielzeugsammlung Windows. Doch für die normalen Anwender war das bisher nicht so recht ersichtlich, zumal es eine riesige Industrie gibt, die das wacklige Microsoft-Konstrukt mit Bandagen zusammenzuhalten versucht. Mit Ubuntu 8.04 - aber auch mit den aktuellsten Versionen der anderen Distributionen - sollte man die Anwender wirklich vom ungeheuren Mehrwert von freier Software überzeugen können.
Referenzen
Lizenz
Dieser Text unterliegt wahlweise der Creative Commons ShareAlike License und der GNU Free Documentation License (FDL) ohne invariante Abschnitte. Freie Verbreitung in modifizierter oder unmodifizierter Form ist erlaubt; Modifikationen müssen unmissverständlich gekennzeichnet sein und unter der gleichen Lizenz (CC, FDL oder beide) vertrieben werden.


