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So, 30. Dezember 2007, 00:00

Das Open-Source-Jahr 2007

Ein kleiner Rückblick

Viel ist passiert im letzten Jahr, Gutes wie Schlechtes. Hunderte von Themen schafften es in die Schlagzeilen von Pro-Linux. Doch wer erinnert sich noch an alles? Wir wollen einmal Rückblick halten und versuchen, die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2007 aus dem Open-Source-Blickwinkel zusammenzustellen.

Zwangsläufig mussten wir auf Themen verzichten, die zwar dieses Jahr in der IT allgemein hohe Wellen schlugen, jedoch mit Linux und freier Software nicht primär zu tun haben. Pro-Linux ist keine Seite, die allzu tief in die Politik eintauchen will, daher fanden Themen wie Klimadebatte, Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung und andere nur am Rande Eingang in die News.

Die Highlights

Aus unserer Sicht dominierten 2007 folgende Themen die Open-Source-Welt.

Novell und die Folgen

Das vermeintlich exklusive Abkommen mit Microsoft entpuppte sich für Novell als Illusion, als immer mehr Distributoren (Xandros, Linspire und TurboLinux) ähnliche Abkommen schlossen. Die Patentkomponente dieser Abkommen war jedesmal heftig umstritten und wird weiterhin von vielen als unakzeptabel angesehen. Wirtschaftlich kam Novell nicht vom Fleck. Trotz gestiegener Einnahmen im Linux-Sektor blieben die Bilanzen mau, genau wie der Aktienkurs.

Der Skandal um die OOXML-Standardisierung

Es ist nicht in Worten auszudrücken, wie Microsoft die ISO-Standardisierungsgremien weltweit manipulierte, um sein, in technischer und formaler Hinsicht wegen zahlreicher Mängel gerügtes, OOXML-Format durchzudrücken. Dieses Vorgehen muss erstens zu harten Konsequenzen gegen Microsoft führen. Zweitens müssen auch einschneidende Reformen in der ISO stattfinden. Beispielsweise könnte man regeln, dass nur noch Mitglieder zur Abstimmung zugelassen sind, die aktiv mitgearbeitet haben. Dadurch würde der Mißbrauch der Gremien zumindest erschwert.

GPLv3

XO-Laptop

laptop.org

XO-Laptop

Die GPLv3 wurde endlich veröffentlicht und damit festgeschrieben. Im Verlauf der bald zweijährigen Diskussion rückten die FSF und Richard Stallman nur wenig von ihrer harten Haltung ab, neu entstandene Bedrohungen für die freie Weitergabe und Änderung von Software durch entsprechende Lizenzbedingungen wirkungslos zu machen. Dennoch ist das Endergebnis ein für viele akzeptabler Kompromiss. Zwar gibt es eine Reihe von Projekte, die bei GPLv2 bleiben und die GPLv3 explizit ausschließen, und ebenso gibt es Projekte, die unmissverständlich die GPLv3 verwenden oder zu dieser gewechselt sind. Doch die meisten GPL-Projekte sind bei der Standard-Lizenzierung geblieben, die den Anwendern die Wahl zwischen GPLv2 und GPLv3 lässt.

Wie sich die GPLv3 in der Praxis schlagen wird, ist nach einem halben Jahr allerdings noch in keinster Weise abzusehen.

Dauerbrenner OLPC

Der XO-Laptop, auch 100-Dollar-Laptop der Initiative »One Laptop per Child (OLPC)«, machte viele Schlagzeilen. Hard- und Software des Gerätes wurden fertiggestellt. Doch es fiel dem Projekt schwer, genug Aufträge für die Produktion zu bekommen. Teils dürfte dies an dem gestiegenen Preis (knapp 200 US-Dollar) gelegen haben, was wiederum zu höheren Produktionskosten durch die niedrigeren Stückzahlen führt - ein Teufelskreis. Vielleicht sind auch einige potentielle Abnehmer noch nicht so überzeugt, dass dieses Projekt - das in erster Linie ein Bildungsprojekt ist - den richtigen Ansatz darstellt.

Asus Eee-PC und Billig-PCs

Eee-PC

Asus

Eee-PC

Ein ganz heißes Thema waren Mini- und Billig-PCs mit Linux. Der Eee-PC von Asus, der Classmate-PC und Nokia N810 machten Furore. Revolutionäres zeichnet sich mit OpenMoko und der Google-Initiative Android ab. Linux auf Handys, Smartphones, Ultra-mobilen PCS und ähnlichen Geräten führten denn auch zu Ankündigungen wie der GNOME-Initiative für eingebettete und mobile Geräte und der Ubuntu Mobile and Embedded Edition.

Auch vorinstallierte Linux-Systeme wurden häufiger gesichtet. Neben Anbietern hochwertigerer Rechner traten auch immer wieder Billig-Angebote von Discountern in Erscheinung. Die Ausstattung der Billig-Rechner ist für einen Poweruser schwach, doch gibt es wohl einen großen Kundenkreis für die Systeme, die einen Kompromiss aus Preis und Leistung eingehen. So ist auch im nächsten Jahr wieder mit solchen Angeboten zu rechnen. Und wenn der Eee-PC im Januar 2008 in den Handel kommt, werden viele Geeks wohl schnell zuschlagen, um sich ein neues Spielzeug zu sichern.

Vorinstalliertes Linux von Dell

Eine gute Idee von Dell war es sicher, im Rahmen der Seite IdeaStorm seine Kunden nach ihren Wünschen zu befragen. Dabei landete der Wunsch nach weniger gebündelter proprietärer und mehr freier Software ganz weit vorne. Nach einigem Zögern nahm sich der Versandhändler die Wünsche zu Herzen und brachte zunächst in den USA Rechner mit vorinstalliertem Ubuntu heraus. Der Versuch verlief so erfolgreich, dass das Angebot erweitert und auch auf andere Länder einschließlich Deutschland ausgedehnt wurde.

Damit könnte Dell zum Durchbruch von Linux im Desktop-Markt beitragen. Näheres kann man der Chronologie weiter unten entnehmen.

Freie Treiber

Die kaum für möglich gehaltene Freigabe der Chip-Spezifikationen von AMD muss als einer der Höhepunkte des Jahres gelten. Es erforderte zwar einige Arbeit, daraus einen konkurrenzfähigen Treiber zu formen, doch wird diese Arbeit 2008 Früchte tragen. Auch der freie Nvidia-Treiber »Nouveau«, der unter den erschwerten Bedingungen entstand, keine Dokumentation zu besitzen, machte Fortschritte und wird 2008 reif sein.

Die Freigabe der AMD-Spezifikationen hatte bis jetzt zwar keine spürbare Signalwirkung, doch konnten auch in anderen Bereichen, beispielsweise bei den WLAN-Treibern, Fortschritte erzielt werden.

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