Fedora 10
Die zehnte Fedora-Ausgabe vorgestellt
Fedora 10 ist Ende November 2008 erschienen und wartet mit einer Vielzahl von neuen Funktionen auf. Dieser Artikel versucht einen Eindruck von der Distribution mit Schwerpunkt auf den Neuerungen zu geben.
Die meisten gängigen Webcams werden nun dank der Aufnahme der GSPCA-Treiber in Linux 2.6.27 und der Bibliothek libv4l unterstützt. Auch die Handhabung von Infrarot-Fernsteuerungen sowie die Tools zum Verwalten von Druckern wurden stark verbessert. Rundum erneuert wurde die Bluetooth-Unterstützung mit BlueZ 4.
Fedora 10 bringt NetworkManager in Version 0.7, der unter anderem das gemeinsame Nutzen von Netzwerkverbindungen ermöglicht, indem geeignete Routen angelegt werden. Durch die Wireless-Verbindungsfreigabe können Ad-hoc-Netze gebildet werden. Erstmals funktioniert der NetworkManager nun zuverlässig.
Das First Aid Kit soll vollautomatische Reparatur von Problemen ermöglichen. Das Dateisystem eCryptfs wurde verbessert, ext4 ist erstmals als stabile Version dabei und XFS wird nun im Installationsprogramm unterstützt. Der auf Linux 2.6.27 beruhende Kernel nutzt paravirt_ops, so dass keine unterschiedlichen Kernel-Varianten für die Virtualisierung mehr nötig sind. libvirt 0.4.6, virt-manager 0.6.0 und andere Tools unterstützen die Virtualisierung. Xen (nur DomU) wurde auf Version 3.3.0 aktualisiert.
Die Pfade /usr/local/sbin, /usr/sbin und /sbin wurden zur PATH-Variablen der normalen Benutzer hinzugefügt, um das Ausführen von Programmen auf der Kommandozeile zu vereinfachen. Der Online-Kontendienst soll die Verwaltung von Zugangsdaten vereinfachen.
Neu ist auch X-Server 1.5 (mit X.org 7.3), der schneller starten und den Großteil der Hardware automatisch erkennen soll. Normalerweise wird keine Konfigurationsdatei mehr angelegt, wenn man aber an der Konfiguration etwas ändern will, muss man selbst eine anlegen.
Der Paketumfang der Distribution liegt inzwischen bei 10.000 Paketen (rund 12.000 mit RPMFusion).
Probleme
Ein merkwürdiges Problem äußerte sich zunächst darin, dass verschiedene Webseiten, darunter fedoraproject.org, nicht erreichbar waren, weder mit Firefox noch mit Konqueror. Auch beim Paketupdate gab es Aussetzer, die aber meist nur zu nichtssagenden Meldungen der grafischen Programme führten. Es stellte sich schließlich heraus, dass es ein DNS-Problem ist, das bereits bekannt, aber noch nicht gelöst ist. Offenbar kommt der Resolver in der neuen glibc 2.9 bei Anfragen für IPv4 und IPv6 durcheinander. Diagnosetools wie nslookup und dig verwenden andere Methoden und zeigen daher das Problem nicht. Es ist unklar, ob viele Nutzer betroffen sind, bei mir trat das Problem aber auf und zog möglicherweise weit größere Probleme nach sich.
Nach einem »großen« Update, das über 100 Pakete umfasste, darunter GNOME, RPM und Perl, war sowohl unter GNOME als auch unter KDE meine Tastatureinstellung verändert. Statt des deutschen Layouts war nur noch das US-Layout verfügbar. Dies lässt nicht gerade Vertrauen in die Update-Prozeduren bei Fedora aufkommen.
Das im Hintergrund laufende Programm Kerneloops benötigt ständig etwas CPU-Zeit, was sich auch negativ auf den Energieverbrauch auswirken dürfte.
Fazit
Fedora hat nach eigenen Angaben das Ziel, die neuesten Entwicklungen aus der Open-Source-Welt schnell zu den Anwendern zu bringen. Das Ziel wurde erreicht, aber mit Fedora 10 möglicherweise übererfüllt. Während selbst Debian Sid in aller Regel nur stabile Softwareversionen enthält, liefert Fedora 10 zahlreiche Programme in ungeprüften oder Betaversionen mit und handelt sich damit unnötig viele Fehler ein. Im Grunde folgt es damit der Philosophie freier Software, dass die Software von den Nutzern unterstützt und getestet wird. Damit dürften aber einige Anwender überfordert sein.
In Fedora 10 sind die Fehler aus meiner Sicht besonders schwerwiegend. Von dem nicht funktionierenden DNS sind möglicherweise nicht so viele Anwender betroffen, doch hätte die Distribution mit diesem Fehler trotzdem nicht ausgeliefert werden dürfen. Dazu kommen die massiven Probleme in der Paketverwaltung, die anscheinend vor ihrem breiten Einsatz noch nie einem Stresstest ausgesetzt war. Es scheint selbst in kritischen Bereichen bei Fedora keine brauchbare Qualitätskontrolle zu geben.
Für Heimanwender, die ihre Rechner weitgehend selbst pflegen, ist Fedora nicht zu empfehlen. Entwickler, die mit den täglich zu erwartenden (oder zu befürchtenden) Überraschungen umgehen können, könnten von der Aktualität und den zahlreichen Innovationen angetan sein. Auch als Desktopsystem ist Fedora 10 durchaus geeignet, allerdings nur, wenn die Wartung von erfahrenen Administratoren übernommen wird.

