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So, 16. Oktober 2005, 00:00

Jabber für freies Instant-Messaging

Wer mit dem Schlagwort »Instant Messaging« nicht sofort etwas anfangen kann, der weiß spätestens, worum es geht, wenn Namen wie ICQ oder AIM fallen. Dieser Artikel beschreibt das alternative open-source Chat-Protokoll »Jabber« und erläutert im Kurzen, was Anwender beim Umstieg wissen sollten.

jabber.org

Vorwort

Jabber ist inzwischen zu einem reifen Messaging-Protokoll erwachsen. Dass es bislang hauptsächlich unter Geeks eingesetzt wird, liegt vor allem an der Marktdominanz von proprietären Systemen, die einschlägig bekannt sind, wie ICQ von Mirabillis, AIM von AOL, MSN von Microsoft, ...

So wie Linux im Betriebssystem-Bereich den Symbol-Status der Freien-Software-Philosophie inne hat, ist das Jabber-Protokoll die freie Alternative in seinem Genre. Im Gegensatz zu den proprietären Betriebssystemen sind proprietäre Message-Clients und deren Nutzung meist kostenfrei. Das mag ein weiterer Grund dafür sein, warum Jabber bislang nicht die Aufmerksamkeit erfahren hat, die ihm eigentlich zusteht.

Wie wird man Jabber-User?

Der Jabber-Client PSI

Philipp Poll

Der Jabber-Client PSI

Jabber ist ein ausgereiftes Messaging-System, das alle Features bekannter proprietärer Systeme unterstützt. Dazu gehören Messaging, Datei-Transfer, Chat-Option, Authentifizierungsverfahren, Invisibility-/Unavailibility-Modes, und weitere. Darüberhinaus bietet es auch besondere Services, wie z.B. verschlüsselte Verbindungen. Für Umsteiger besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Gateway-Funktionalität:

Über verschiedene Plugins gestattet das Jabber-Protokoll Zugriff auf nahezu alle weit verbreiteten Protokolle. So ist es z.B. möglich, neben Jabber-Usern auch ICQ-, AIM-, und MSN-Benutzer in seine Liste aufzunehmen und ihnen Messages zu schicken. Bei eigentypischen Services der proprietären Systeme kann es aber unter Jabber zu Nutzungseinschränkungen kommen. Datei-Transfer zu ICQ, beispielsweise, ist mit den aktuellen Plugins nicht möglich; an der Option, über ICQ SMS zu versenden, wird noch gearbeitet.

Ein Jabber-User entscheidet sich bei seiner Anmeldung für einen ihm bekannten und nahen Server (eine Liste öffentlicher Server ist erreichbar unter http://www.jabberview.com/). Dort kann er sich mit seinem Client anmelden (zu Clients weiter unten). Dazu ist nur die Eingabe von Name (der noch nicht belegt sein darf, versteht sich) und Passwort nötig. Jeder Server verwaltet seine User in einer lokalen Liste und speichert dort auch weitere Einstellungen des Benutzers, wie z.B. dessen Userliste.

Nach seiner Anmeldung ist ein Jabber-User unter einem einer E-Mail-Adresse gleichenden Namen zu erreichen, zum Beispiel Name@jabber-server.org. Versendet ein Jabber-Benutzer nun eine Message an einen weiteren Benutzer, der auf einem anderen Server registriert ist, so leitet der eigene Server diese Nachricht an den entsprechenden Server weiter. Dieser stellt dann die Message an den lokalen Empfänger zu. Das beschriebene Verfahren gleicht ziemlich genau dem eines E-Mail-Versands. Seine Dezentralität ist Jabbers große Stärke. Zum einen kann jeder Interessierte einen eigenen Server laufen lassen, womit kein gigantischer Server-Rechner von Nöten ist, der wie bei Mirabillis, AOL und Co. groß finanziert werden müsste. Zum anderen legt der Ausfall eines Servers nicht das gesamte Jabber-Netz lahm.

Besonder- und Eigenheiten des Jabber-Protokolls

Wie bereits erwähnt, stellt Jabber eine von den proprietären Systemen abweichende Netz-Architektur bereit. Umsteigern könnte ein weiterer Umstand unter Jabber ungewohnt vorkommen: Jabber besitzt als reine Protokoll-Implementierung (die übrigens auf XML aufbaut) keine eigene Client-Applikation. Wie bei den anderen freien Internet-Protokollen http, ftp, pop/smtp, irc etc. bleibt es dem Benutzer selbst überlassen, welchen Client er benutzen möchte. Es gibt bereits eine ganze Reihe unterschiedlicher Jabber-Klienten, darunter sowohl freie (unter der GPL lizensierte), als auch proprietäre (die unter Mac und Win bekannte Freeware und Shareware). Darunter sind Clients für nahezu alle gängigen Betriebssysteme.

Clients

Für Unix-Benutzer möchte ich kurz auf zwei verschiedene Clients eingehen: Gabber ist die GNOME-Version eines unter der GPL lizensierten Jabber-Clients. Er ist in seiner Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten und unterstützt nahezu alle Features. Die Homepage des Projektes ist gabber.sourceforge.net.

Mein persönlicher Favorit ist PSI. Das kleine Tool basiert auf der QT-Bibliothek, die inzwischen leicht Portierungen auf Mac und Windows erlaubt. So stellt der Autor auch Binärpakete für diese beiden Systeme zur Verfügung. PSI ist ein GPL-Projekt und in fortgeschrittenem Stadium. An Stabilität und Performance ist nichts zu beanstanden. Lediglich die fehlende Implementierung für Datei-Transfer lässt noch Kritik zu. Ansprechend gestaltet sind die Icons und Informations-Klänge, die verspielt und trotzdem ruhig und ausgeglichen erscheinen. PSI ist als tar-Archiv, als RPM, als statisch oder nicht-statisch gelinkte Binär-Version unter psi.affinix.com downloadbar.

Alle, die sich nun für Jabber interessieren, finden weitere Informationen unter www.jabber.org.

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