Ubuntu 4.10
World Domination aus Südafrika
Ubuntu Linux, gefördert von dem südafrikanischen Multimillionär Mark Shuttleworth, schickt sich an, den Desktop zu erobern. Hier muß die erste Version zeigen, was sie in der Praxis kann.
Einen kleinen Fauxpas leisteten sich die Entwickler bei der APT-Konfiguration. Diese erscheint nämlich auf Englisch statt auf Deutsch. Konfiguriert man APT für Internet-Zugriff, so werden sogleich eine aktuelle Paketliste und alle verfügbaren Sicherheitsupdates heruntergeladen. Leider muß man warten, bis dies abgeschlossen ist, und das dauert mittlerweile, je nach Geschwindigkeit des Internet-Zugangs, eine Weile. Wer es eilig hat, sollte also die Frage »APT für Internet-Zugang konfigurieren?« verneinen. Anpassen kann man die Datei /etc/apt/sources.list später immer noch.
Die weiteren Eingaben zum Abschluß der Installation sind die gewünschten Bildschirmauflösungen von X.org und die Eingabe eines Benutzernamens und eines Paßworts. Es wird bemerkenswerterweise kein Root-Passwort gesetzt. Daher ist kein Login als root und kein su root möglich. Zugang zum Root-Account ist dennoch möglich, zum einen über das Root-Terminal im GNOME-Menu, zum anderen über das sudo-Kommando. Mit letzterem kann man jeden beliebigen Befehl ausführen, nachdem man sein eigenes Paßwort eingegeben hat. Insbesondere kann man auch sudo bash ausführen.
Die ganze Installation dauerte auf dem Laptop (1500 MHz) weniger als fünfzig Minuten. Die wichtigsten unter den rund 800 installierten Paketen, die knapp 1,6 GB belegen, sind Kernel 2.6.8.1, XFree86 4.3.0, GNOME 2.8.0, Evolution 2.0, GIMP 2.0.2, GStreamer 0.8.5, OpenOffice.org 1.1.2 und Mozilla Firefox 0.9.3. Zudem sind Perl 5.8.4, Python 2.3.4 und viele Python-Module installiert. Bei den Versionsnummern ist zu beachten, daß Ubuntu 4.10 bereits im Oktober 2004 erschienen ist.
Der erste Augenschein
Ubuntu startet gleich mit einem grafischen Login-Bildschirm (auf Basis von gdm). Der Desktop ist mit GNOME realisiert. KDE wird auf der CD nicht mitgeliefert, da es den verfügbaren Platz auf der CD gesprengt hätte. Man kann es aber übers Netz nachinstallieren (s. weiter unten).
Das Design ist in Brauntönen gehalten, was mir durchaus zu gefallen weiß, aber für Freaks wohl nicht das Richtige ist. Egal, denn Themes für GNOME stehen genug zur Verfügung, mit denen man das alles beliebig anpassen kann.
Nach der Installation sind zwei Ports offen: TCP 33369 und UDP 800. Der SSH-Daemon ist nicht installiert, daher ist eines der ersten Kommandos, die ich (in einer Root-Shell) absetze: apt-get update openssh-server. Per Default sind auch kein Compiler und fast keine Entwicklungstools installiert. Dafür erhält man ein richtig nettes Desktop-System, in dem alles mögliche ohne weitere Konfiguration funktionieren soll.
Das Look&Feel
Klickt man auf , so wird ein Firefox-Browser geöffnet. Das kann auf langsamen Rechnern oder solchen mit wenig RAM sehr lange dauern, so daß man sich zunächst wundert, daß nichts passiert, und sich später wundert, wenn unvermittelt der Browser auf dem Bildschirm erscheint. Firefox zeigt beim ersten Start die Seite www.ubuntulinux.org an. Ist kein Netzwerk konfiguriert, so wird anscheinend eine lokal gespeicherte Infoseite über Ubuntu angezeigt.
Als Musikplayer ist Rhythmbox dabei, den man beim ersten Aufruf einrichten kann. Ich versuchte es mit einem Internetradio, woran sich Rhythmbox prompt aufhängte. Dies war unabhängig vom verwendeten Radiosender. Die Wiedergabe von Audio (nur Ogg-Dateien getestet) war hingegen OK, die Bedienung von Rhythmbox entspricht jedoch insgesamt der Versionsnummer (0.85) und macht es aus meiner Sicht unverständlich, daß dieses Programm Teil der Distribution ist. Einige andere Programme wären eine bessere Wahl gewesen.
Legt man eine CD oder DVD ein, so öffnet Nautilus ein Dateimanager-Fenster, um es darzustellen. Auch ein Icon erscheint auf dem Desktop. Das ist aber normales GNOME-Verhalten (wie auch in KDE). Ein USB-Stick wird gleichermaßen erkannt. Daß als Titel des Fensters allerdings »sda«, also der Name des entsprechenden SCSI-Devices, erscheint, ist weniger schön, doch vielleicht weiß ja jemand, wie man das ändern kann.
Das Brennen von CDs und DVDs wird ebenfalls unterstützt, wenn es auch nicht auf den ersten Blick offensichtlich wird. Zu diesem Zweck wird das entsprechende Feature des Dateimanagers Nautilus benutzt, das über den Menüpunkt erreichbar ist. Ein separates Brennprogramm wird nicht mitgeliefert.
apt-Repositorys
Nach der Installation ist /etc/apt/sources.list so konfiguriert, daß es nach neuen Paketen auf der CD sucht. Hat man einen Internetanschluß, so kann man durch Entfernen der Kommentarzeichen vor den bereits vorhandenen Einträgen den Zugriff auf das Ubuntu-Repository und - wichtig - auch für die Sicherheitsupdates freigeben. Damit stehen aber praktisch genausoviele Pakete zur Verfügung wie auf der CD - etwa 1800.
Das ändert sich massiv, wenn man das universe-Repository von Ubuntu hinzufügt. Dieses wird zwar nicht offiziell unterstützt, doch erweitert sich die Paketauswahl damit auf knapp das zehnfache. Das ist kaum weniger als auf meinem Debian Unstable-System. Selbst wenn man bedenkt, daß 18000 Pakete keine 18000 Programme sind, da ein Programm oft in zwei oder mehr Pakete aufgeteilt wird, ist das beachtlich. Das Universe-Repository enthält auch KDE, damit ist es nun möglich, KDE zu installieren:



