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Mo, 21. Februar 2005, 00:00

Ubuntu 4.10

World Domination aus Südafrika

Ubuntu Linux, gefördert von dem südafrikanischen Multimillionär Mark Shuttleworth, schickt sich an, den Desktop zu erobern. Hier muß die erste Version zeigen, was sie in der Praxis kann.

Vorwort

Als im September 2004 die erste Betaversion von Ubuntu angekündigt wurde, war das eine große Überraschung, denn kaum jemand dürfte gewußt haben, daß der südafrikanische Multimillionär Mark Shuttleworth rund dreißig Entwickler von Debian und anderen Projekten eingestellt hatte, um sie in der Firma Canonical an einer neuen Distribution arbeiten zu lassen. Die erste offizielle Version von Ubuntu, die wie einige andere Distributionen auf Debian Unstable beruht, erschien dann auch bereits im Oktober 2004, was sich in der Versionsnummer 4.10 widerspiegelt.

Lieferumfang

Ubuntu Linux kommt auf einer einzelnen CD, die man sich herunterladen oder kostenlos nach Hause schicken (!) lassen kann. Dieses Paket besteht aus einer Installations- und einer Live-CD. Die Live-CD gibt es aber nicht für die AMD64- und PPC-Architektur. Wegen der Lieferzeit von 4-6 Wochen haben wir diese Variante nicht in Anspruch genommen und uns auf die heruntergeladene Installations-CD beschränkt. Diese wird für die Architekturen x86, AMD64 und PowerPC angeboten. Das CD-Image ist nur rund 500 MB groß. Mangels anderer Möglichkeiten beschränke ich mich auf die x86-Variante.

Gedruckte Dokumentation gibt es ebenso wenig wie offiziellen Installations-Support. Wie man noch sehen wird, ist beides eher nicht nötig - man legt die CD ein, bootet, macht ein paar einfache Eingaben, die überwiegend aus dem Drücken der ENTER-Taste bestehen, und das war es.

Wer trotzdem Hilfe braucht, hat vier Optionen:

  1. Mailinglisten, IRC, Jabber und Wiki als kostenloser Support
  2. Mailing-Listen, Foren, IRC und/oder Wiki-Seiten in der jeweiligen Landessprache
  3. Kommerzieller Support von Canonical mit Preisen ab 30 US-Dollar pro Anfrage. Hier ist auch Telefonsupport möglich.
  4. Kommerzieller Support von anderen Firmen weltweit

Oder man sieht sich einfach die Dokumentation online an. Der vermeintlich nicht vorhandene Support entpuppt sich somit als das wohl umfangreichste Angebot, das eine Distribution wohl haben kann.

Der Bootscreen

Hans-Joachim Baader (hjb)

Der Bootscreen

Installation

Bei diesem Test wurde Ubuntu auf einer virtuellen Maschine und auf einem Centrino-Laptop mit Pentium M-Prozessor installiert. In beiden Fällen wurde die Hardware perfekt erkannt und eingerichtet. Die Installation beruht auf dem in Debian Sarge kommenden Debian-Installer. Sie läuft im Textmodus ab, kommt ohne Schnickschnack daher und ist zugleich einfach und extrem leistungsfähig. Die Entwickler, die diesen Installer geschrieben haben, haben eine wahrlich monströse Arbeit vollbracht und zeigen den anderen Distributoren so nebenbei, daß eine grafische Installation, die erst X11 starten muß, und das möglicherweise noch in einem augenschädlichen 60 Hz-Modus, reine Ressourcenverschwendung ist.

Die CD bootet bis zu einem Prompt, an dem man den zu bootenden Kernel und eventuelle Parameter eingeben kann. Durch Eingabe von F1 erhält man einen Hilfebildschirm, den man als Knoppix-Fan wohl als Cheatcode bezeichnen würde. Es stehen ein Normalmodus und ein Custom-Modus zur Verfügung. Der Custom-Modus stellt im Wesentlichen eine Minimalinstallation dar, die man am besten wählt, wenn man einen Server ohne GUI installieren will. Beide Modi verfügen noch über eine Experten-Option. Diese bewirkt, daß man die einzelnen Aktionen der Installation einzeln anwählen muß und in beliebiger Reihenfolge vorgehen kann. Sehr viel bequemer ist aber der Normalmodus, in dem die festgelegte Reihenfolge der Aktionen automatisch abläuft.

Die Sprachauswahl

Hans-Joachim Baader (hjb)

Die Sprachauswahl

Die Installation beginnt mit der Auswahl der Sprache. Vorgegeben ist Englisch, zur Verfügung stehen aber noch genau 40 weitere. Ich wählte Deutsch aus. Die nächsten beiden Dialoge fragen nach der zu verwendenden Tastatur und dem Land, in dem man sich befindet, wobei sinnvolle Vorgaben anhand der ausgewählten Sprache gemacht werden. Diese Angaben werden verwendet, um die Internationalisierung richtig einzurichten und später sinnvolle Vorgaben zu weiteren Punkten wie der Zeitzone zu machen.

Als nächstes werden die angeschlossenen Geräte gesucht und normalerweise auch richtig erkannt. Nun kann man zwischen automatischer und manueller Partitionierung der Festplatte wählen. Wählt man den Automatismus, wird die gesamte Festplatte für Ubuntu formatiert: Eine Swap-Partition als logische Partition und der ganze Rest als große Rootpartition. Bei manueller Partitionierung dagegen hat man sämtliche Linux-Features zur Auswahl, auch RAID und LVM (offenbar auf Basis von EVMS, das noch nicht im Standard-Kernel enthalten ist). Die manuelle Partitionierung ist extrem flexibel. Sie erkennt bereits vorhandene Partitionen und ermöglicht es, sie weiter zu benutzen oder zu ändern. Sogar das Kopieren von Daten einer anderen Partition ist möglich. Der installierte Kernel (2.6.8.1) unterstützt natürlich Hotplug.

Ist die Partitionierung beendet, wird ein Basissystem installiert. Danach wird GRUB als Bootloader eingerichtet. Systeme, die auf anderen Partitionen installiert sind, werden erkannt und es wird angeboten, sie ins Bootmenü einzubinden. Eine Option ist es auch, auf die Installation von GRUB zu verzichten. So wird die Installation neben anderen vorhandenen Systemen zum Kinderspiel. Nun folgt ein Reboot, nach dem der Hauptteil der Installation läuft. Eine Netzwerkkarte, sofern vorhanden, wird konfiguriert. Ist man in einen Netz mit DHCP-Server, geht das automatisch.

Einen kleinen Fauxpas leisteten sich die Entwickler bei der APT-Konfiguration. Diese erscheint nämlich auf Englisch statt auf Deutsch. Konfiguriert man APT für Internet-Zugriff, so werden sogleich eine aktuelle Paketliste und alle verfügbaren Sicherheitsupdates heruntergeladen. Leider muß man warten, bis dies abgeschlossen ist, und das dauert mittlerweile, je nach Geschwindigkeit des Internet-Zugangs, eine Weile. Wer es eilig hat, sollte also die Frage »APT für Internet-Zugang konfigurieren?« verneinen. Anpassen kann man die Datei /etc/apt/sources.list später immer noch.

Die weiteren Eingaben zum Abschluß der Installation sind die gewünschten Bildschirmauflösungen von X.org und die Eingabe eines Benutzernamens und eines Paßworts. Es wird bemerkenswerterweise kein Root-Passwort gesetzt. Daher ist kein Login als root und kein su root möglich. Zugang zum Root-Account ist dennoch möglich, zum einen über das Root-Terminal im GNOME-Menu, zum anderen über das sudo-Kommando. Mit letzterem kann man jeden beliebigen Befehl ausführen, nachdem man sein eigenes Paßwort eingegeben hat. Insbesondere kann man auch sudo bash ausführen.

Die ganze Installation dauerte auf dem Laptop (1500 MHz) weniger als fünfzig Minuten. Die wichtigsten unter den rund 800 installierten Paketen, die knapp 1,6 GB belegen, sind Kernel 2.6.8.1, XFree86 4.3.0, GNOME 2.8.0, Evolution 2.0, GIMP 2.0.2, GStreamer 0.8.5, OpenOffice.org 1.1.2 und Mozilla Firefox 0.9.3. Zudem sind Perl 5.8.4, Python 2.3.4 und viele Python-Module installiert. Bei den Versionsnummern ist zu beachten, daß Ubuntu 4.10 bereits im Oktober 2004 erschienen ist.

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