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Do, 16. Oktober 2008, 00:00

Mobiles Linux

Abschlussvortrag von Dirk Hohndel auf dem Linux-Kongress 2008

Dirk Hohndel bei der Endnote

Hans-Joachim Baader (hjb)

Dirk Hohndel bei der Endnote

Dirk Hohndel ist seit sieben Jahren Technologiechef für Linux und Open Source von Intel und reist in dieser Position zu Vorträgen rund um den Globus. Zum Linux-Kongress, den er selbst mitgegründet hatte, kam er nach eigenen Angaben wieder sehr gern und bedauerte es, dass er aufgrund anderer Verpflichtungen nur zum zweiten Tag anreisen konnte.

Seit Hohndel bei Intel arbeitet, ist der Hersteller zu einer der Firmen geworden, die die größten Beiträge zu Linux und freier Software leisten. Man sieht es an diversen Statistiken, wie groß der Anteil von Intel-Entwicklern am Linux-Quellcode oder genauer gesagt an den Änderungen zwischen den Versionen ist. Überwiegend dürfte es sich um Treiber für Intels eigene Hardware handeln, was dazu führte, dass Intel-Hardware meist optimal unter Linux läuft. Aber auch andere Verbesserungen am System, beispielsweise der Energieverbrauch, sind zum Teil Intel zu verdanken.

Hohndel unternahm in seiner Endnote, die den Abschluss des Linux-Kongresses bildete, zunächst eine Definition, was »mobiles Linux« eigentlich ist. Für ihn ist es nicht einfach ein Desktop-Linux auf Mobilgeräten. Einem normalen Desktop-Linux fehlen einfach die Anpassungen an die speziellen Gegebenheiten der kleinen Geräte. Selbst wenn alle Komponenten laufen, heißt das noch nicht, dass die Bedienung zufriedenstellend wäre. Aber zum Thema Benutzerfreundlichkeit kam er später noch ausführlicher.

Der nagelneue Asus Eee PC, den er mitgebracht hatte, ist für Hohndel schon am oberen Ende der Größe von mobilen Linux-Geräten. Geräte wie das iPhone oder kleiner definieren für ihn den Markt, um den es geht.

Auch ein eingebettetes Linux hat für ihn nichts mit mobilem Linux zu tun. Das Betriebssystem in eingebetteten Systemen ist für den Benutzer oft nicht zu sehen, und die Spannweite der Systeme ist extrem groß. Bei mobilem Linux dagegen ist die Benutzeroberfläche immer mitentscheidend.

Hohndel fuhr fort mit einer Kritik am derzeitigen Stand von Desktop-Linux. Auch wenn er seine Kritikpunkte besonders im Zusammenhang mit mobilem Linux aufführte, so können sie auch im Hinblick auf normale Rechner und Laptops gesehen werden. Je nach Standpunkt kann man seine Kritik als übertrieben ansehen oder bestätigen; ganz von der Hand zu weisen ist sie nicht. Aber den unabhängigen Entwicklern in der freien Softwaregemeinschaft kann man nun einmal nicht vorschreiben, woran sie zu arbeiten haben.

Was ist also laut Hohndel falsch an Desktop-Linux? Es ist der Ansatz, Windows 95 zu klonen (hier unterschlägt Hohndel um der Provokation willen, dass erstens Windows selbst ein Klon von Motif und früheren Systemen war, und dass Desktop-Linux bereits zahllose Innovationen gebracht hat - lediglich von Fenstern und Mauszeigern wollte man sich noch nicht lossagen).

Eines der Probleme des Desktops ist, so Hohndel, dass die Entwickler nicht die Zielgruppe von Desktop Linux sind. Selbstverständlich wissen sie gute Desktop-Software zu schätzen, aber sie machen sich wenig Vorstellungen davon, wie andere Benutzer mit der Software klarkommen. Für eventuelle Probleme kennen sie einen Workaround oder können notfalls mit einem Kommando in einer Shell alles wieder einrenken. Für weniger versierte Benutzer ist das nicht akzeptabel. Daher werden erfahrene UI-Designer benötigt.

Ein Weiteres Problem ist, dass es für fast jede Aufgabe eine Vielzahl von Projekten gibt, aber keines davon auch nur annähernd als perfekt gelten kann. Meist bleiben die Projekte bei 80% Fertigstellung stehen und für Endbenutzer genügt dies einfach nicht. Auch in der Gestaltung der Oberflächenelemente gibt es keine Konsistenz. Das bedeutet, dass selbst Programme, die die gleiche Bibliothek für die Oberfläche einsetzen, in der Bedienung zu stark voneinander abweichen.

Neben der polierten Oberfläche, für die Intel im Rahmen des Moblin-Projektes Spezialisten einsetzen will, gibt es auch andere Anforderungen an mobiles Linux. Die Energieverwaltung für möglichst lange Akku-Laufzeit ist natürlich wichtig, hier wird sicher noch nicht für jede Hardware-Komponente das volle Einsparpotential genutzt. Die Größe des Kernels und des Gesamtsystems ist ein Punkt, der ebenfalls Aufmerksamkeit erfordert. Beide Punkte dürften aufgrund der fortgesetzten Arbeit im Kernel vorübergehend sein.

Die Benutzeroberfläche muss nicht nur einfach und intuitiv (ohne Handbuch) zu bedienen sein, sondern auch eine angepasste optimierte Eingabemethode anbieten. Einfachstes Beispiel hierfür dürfte die Touchscreen sein. Anders ausgedrückt soll die Software so einfach zu benutzen sein wie ein Notizbuch.

In fünf Sekunden hochgefahren: Eee PC mit Moblin

Hans-Joachim Baader (hjb)

In fünf Sekunden hochgefahren: Eee PC mit Moblin

Die Bootzeit muss deutlich gesenkt werden. Dass dies möglich ist, hatte ein Team von Intel unter Leitung von Arjan van de Ven vor kurzem gezeigt. Dirk Hohndel demonstrierte das Erreichte mit Moblin auf einem nagelneuen Asus Eee PC. Die Zeit vom Bootloader bis zum Bereitstehen der Moblin-Oberfläche (die kein Login erfordert) beträgt knapp fünf Sekunden. Zum Herunterfahren und Ausschalten werden höchstens vier Sekunden benötigt.

Zum Abschluss forderte Hohndel die Gemeinschaft auf, an der weiteren Entwicklung im Projekt Moblin mitzuwirken. Intel engagiere sich stark in diesem Projekt, könne aber nicht allein alles entwickeln. Dass dabei für Intel die eigenen Atom-Prozessoren im Mittelpunkt stehen, wurde in seiner Antwort auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum deutlich. Diplomatisch gab er zu verstehen, dass Intel lediglich zur x86-Architektur beitragen werde. Intel wolle das Moblin-Projekt aber nicht kontrollieren und nicht zensieren. Beiträge, um Moblin auf andere Architekturen zu portieren, seien willkommen.

Eine Video-Aufzeichnung der Endnote steht mittlerweile beim Linux-Magazin zur Verfügung.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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