Meine Welt mit Fluxbox
Jenseits der beiden großen Arbeitsumgebungen GNOME und KDE liegt der Fenstermanager Fluxbox. Fluxbox ist eine sehr linuxtypische Anwendung: klein, smart und hoch konfigurierbar entsprechend persönlicher Vorlieben. Welche interessanten Features Fluxbox mitbringt, soll der Artikel schlaglichtartig zeigen.
Ordnungsliebe mit Tabs
Ein anderes wichtiges Feature kommt mit der Funktion der Tabs. Ihr Prinzip ist bekannt und schnell erklärt: Durch Tabs lassen sich mehrere Fenster einer Anwendung oder aber Fenster verschiedener Anwendungen in einem Fenster abbilden. Der Vorteil: Alle Fenster gruppieren sich in einem Fenster mit den gleichen Ausmaßen und den gleichen x/y-Koordinaten. Empfehlenswert für alle Internet-Explorer-Traumatisierten, aber das nur am Rande. Tabs lassen sich nun über zwei Wege erstellen.
Die entspannte Variante »sloppy Windowgrouping« ist mittlerweile mit dem Eintrag session.tabsAttachArea: Window in der Datei ~/.fluxbox/apps aktiviert. So lässt sich jedes Fenster mit der dritten Maustaste an eine beliebige Stelle auf ein Zielfenster ziehen und schon gruppieren sich die Fenster zu einem einzigen.
Vielleicht erwartet man aber mehr von der Tab-Funktionalität, vielleicht möchte man nur bestimmte Anwendungen gruppieren und das auch nur auf einer bestimmten Arbeitsfläche (Autogrouping). Kein Problem. Hierzu bearbeitet man die Datei ~/.fluxbox/apps. Mit dem group- und dem end-Element werden die zu gruppierenden Anwendungen umschlossen. Die weiteren Einträge beschreiben, welche Anwendungen (app) auf welcher Arbeitsfläche (Workspace) mit welcher Fenstergröße (Dimensions) und an welcher Stelle (Position) erscheinen sollen. Mehr zu den einzelnen Elementen und deren Attributen erfährt man wieder in der Dokumentation.
Als nächstes wird OpenOffice.org gebändigt:
[group] (name=VCLSalFrame) (class= OpenOffice.org 2.3) 2 1022 744 (WINCENTER) 9 -3 [end]
[app] durch (name=) und (class=) sollte man sich nicht auf seine Intuition verlassen, da die Bezeichnungen intern abweichen, wie am Beispiel zu sehen ist. Folgende Vorgehensweise empfiehlt sich: Als Erstes öffnet man die in Frage kommende Anwendung, dann setzt man folgenden Befehl in einem Terminal ab:xprop WM_CLASS - cut -d \= -f 2
name und class:"VCLSalFrame", "OpenOffice.org"
Fluxbox per Tastatur steuern
Fluxbox bringt hier von Haus aus sehr weitreichende Optionen mit. Alle Einstellungen dazu liegen in der Datei ~/.fluxbox/keys. An dieser Stelle soll nur kurz skizziert werden, was möglich ist. Nicht vergessen: Weit mehr ist möglich. Einen Überblick liefert das Fluxbox-Wiki.
Der allgemeine Aufbau der Elemente in ~/.fluxbox/keys sieht folgendermaßen aus:
<modifier> <key> :<command> <operation>
<modifier>-Element erwartet immer eine Steuertaste der Tastatur, also Strg, Alt etc. (Achtung: Sie werden fluxboxintern anders benannt.) Das <key>-Element verlangt bei Tastenkombinationen die zusätzlichen Tasten. Mit dem <command>-Element werden die fluxboxeigenen Aktionen beschrieben (siehe unten). Über das <operation>-Element wird das <command>-Element spezifiziert. Alle Elemente werden durch ein Leerzeichen getrennt.Konkret sieht eine Zeile dann folgendermaßen aus:
Mod1 2 :Workspace 2
<command>-Elemente, sodass sich ein näherer Blick allemal lohnt - dabei sind einige Befehle, die einem die Arbeit erleichtern, und andere, die einfach nur Spaß machen.Natürliche Speicherressourcen schonen
Das bis hierhin Gezeigte ist wie gesagt nur ein minimaler Ausschnitt der Möglichkeiten. Unschwer zu erkennen, dass man - je nach dem, wie extensiv man die Tastatursteuerung benutzt - ziemlich schnell auf eine hohe Anzahl von Tastaturkombinationen kommt. Aber Fluxbox wäre nicht Fluxbox, wenn es nicht eine gute Abkürzung gäbe. Hier helfen sogenannte Keymodes. Dies ist nichts anderes als Zusammenfassungen einer Reihe von Befehlen zu einer Gruppe, mit dem Zweck, die Menge an Tastaturkombinationen etwas geringer zu halten. Prinzipiell lässt sich der Vorgang wie folgt beschreiben: Über Tastendruck aktiviert man die Befehlsgruppe. Solange sie aktiv ist, kann man nur die Tasten der Befehlsgruppe ausführen und zwar solange, bis man mit Esc (als Standard) aus der Befehlsgruppe aussteigt. Solche Keymodes sind sinnvoll bei sich häufig wiederholenden Abläufen.
Zwei Beispiele:
## TubeMode Mod1 d :KeyMode TubeMode TubeMode: None Up :ExecCommand mplayer /tmp/Flash* TubeMode: None Down :ExecCommand mplayer -vc null -vo null -ao pcm: fast /tmp/Flash* TubeMode: None Left :ExecCommand urxvt -e /home/BENUTZERNAME/.scripte /converter.sh
## MoveMode Mod1 s :KeyMode MoveMode MoveMode: None Up :MoveUp 20 MoveMode: None Down :MoveDown 20 MoveMode: None Left :MoveLeft 20 MoveMode: None Right :MoveRight 2
ExecCommand stehenden Befehle aus. Und das, wie gesagt, solange, bis man mit Esc die Befehlsgruppe deaktiviert. Mehr zu den KeyModes findet man wieder im Fluxbox-Wiki.Tipps
- Um die Konfigurationsdateien auch auf jedem Rechner verwenden zu können, empfiehlt es sich, die Icons im Verzeichnis ~/.fluxbox/icons abzuspeichern.
- Es kann passieren, dass sich das Menü nicht schließen lässt. In diesem Fall kann man durch Drücken der rechten Maustaste auf den Menüknopf das Menü schließen.
- Durch die Option
-hwerden alle Schalter des Skriptsfluxbox-generate_menuausgegeben. - Es gibt einige grafische Werkzeuge, mit denen man Fluxbox konfigurieren kann, die aber alle veraltet sind.
Fazit
Fluxbox ist ein kleiner, funktionsreicher Fenstermanager, der einen bei der Arbeit nicht behindert. Mit einer Prise Linuxwissen, Spaß am Ausprobieren und Neugier ausgestattet, sollte man auch ohne Konfigurationswerkzeuge seine Box in kurzer Zeit eingerichtet haben. Und sollte es wider Erwarten länger dauern - sei's drum, die Arbeit wird belohnt mit einem schnellen Fenstermanager, der nur das macht, was er soll: Fenster verwalten. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich schon einmal auf das Interview mit Fluxbox-Begründer Henrik Kinnunen in der Juni-Ausgabe von freiesMagazinfreuen.


