Meine Welt mit Fluxbox
Jenseits der beiden großen Arbeitsumgebungen GNOME und KDE liegt der Fenstermanager Fluxbox. Fluxbox ist eine sehr linuxtypische Anwendung: klein, smart und hoch konfigurierbar entsprechend persönlicher Vorlieben. Welche interessanten Features Fluxbox mitbringt, soll der Artikel schlaglichtartig zeigen.
Einleitung
Da Fluxbox nach gut sechs Jahren Entwicklungszeit mittlerweile in Version 1.0.0 vorliegt, ist es einerseits sehr stabil und andererseits in den Repositories vieler Distributionen vorhanden. Die Installation läuft wie gewöhnlich über das jeweilige Paketmanagement (Paket fluxbox).
Nach der Installation und dem ersten Login begrüßt einen Fluxbox mit dem neuen Standardthema bloe. Keiner sollte überrascht sein, wenn jetzt noch nichts Spektakuläres zu sehen ist: Es gibt nur den Hintergrund, eine Toolbar und möglicherweise ein Menü, das vielleicht noch nicht mal den eigenen Vorstellungen entspricht. Aber Fluxbox ist im Wesentlichen das, was man daraus macht. An die Arbeit!
Menü einrichten
In wenigen Distributionen ist noch kein Menü vorhanden. Das äußert sich dadurch, dass bei einem Druck auf die rechte Maustaste nichts passiert. Die einzige Möglichkeit, Fluxbox dann zu beenden, ist das gewaltsame Beenden des X-Servers durch »Strg + Alt + Backspace«.
Bei Ubuntu ist dies z. B. der Fall. Das Menü lässt sich aber leicht in der Konsole über den folgenden Befehl aufrufen:
fluxbox-generate_menu
update-menus mv ~/.fluxbox/fluxbox-menu ~/.fluxbox/menu
Jetzt hat man auf jeden Fall eine gute Vorlage in ~/.fluxbox/menu, um sich ein Menü nach seinen Vorstellungen zu erstellen. Die Syntax besteht nur aus vier Elementen und ist schnell zu erlernen. Öffnet man die Datei ~/.fluxbox/menu mit einem Editor, dann sieht das in etwa so aus:
[begin] (Fluxbox) <> (Swiftfox) swiftfox <> (Terminals) <> (aterm) aterm <> (urxvt) urxvt <> [end]
Eines vorweg: Alle Veränderungen dieser Datei wirken sich nahezu ausschließlich auf die grafische Anordnung der Elemente und der jeweils auszuführenden Aktionen aus und sind sofort sichtbar. Die Elemente in eckigen Klammern beschreiben die Struktur des Menüs. Die Elemente in runden Klammern beeinflussen den angezeigten Text, die Elemente in geschweiften Klammern die auf Mausklick hin ausgeführten Aktionen. Hier kann sich jeder sein Wunschmenü erstellen. Aber Vorsicht: Immer eine Sicherungsdatei von ~/.fluxbox/menu anlegen! Eine ausführliche Anleitung zum Thema findet man in der Fluxbox-Dokumentation oder auf der Wiki-Seite von ubuntuusers.de. Wer jetzt stirnrunzelnd nach der Funktion der spitzen Klammer fragt, liest bitte weiter.
Icons im Menu
Um sein Menü durch Icons aufzupeppen, geht man wie folgt vor: Als Erstes besorgt man sich die Icons. Dazu lädt man sich die passenden Icon-Themen beispielsweise von KDE-Look.org oder GNOME-Look.org herunter, entpackt die Archive und verschiebt nun die benötigten Bilddateien z. B. nach ~/.fluxbox/icons. Sollte man schon verschiedene Anwendungen installiert haben, lohnt sich auch immer ein Blick in /usr/share/pixmaps oder /usr/share/icons, wo man viele Icons findet. Abschließend editiert man die Einträge in spitzen Klammern in ~/.fluxbox/menu. Hier sollte der Pfad zum jeweiligen Icon stehen:
[exec] (Swiftfox) swiftfox </home/BENUTZERNAME/.fluxbox/icons/ swiftfox.xpm>
Übersichtliche Arbeit mit Workspaces
Das Feature der Workspaces (Arbeitsflächen) bringt den Nutzer in die Lage, seine Arbeit mit verschiedenen Programmen auf mehrere Arbeitsflächen zu verteilen. Als Standard sind vier Arbeitsflächen eingestellt; sie sind über die Tasten »Alt + F1« bis F4 oder aber über die Pfeil-Icons (< und >) auf der Toolbar erreichbar.
Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, bringt Fluxbox ein weiteres Feature mit: das Workspace-Menü. Ein einfacher Klick mit der dritten Maustaste (in der Regel das Mausrad) auf den Desktop reicht, um wieder den Überblick auf alle Arbeitsflächen samt den auf ihnen laufenden Anwendungen zu gewinnen. Aber weit mehr ist hier möglich: Sollte es mal auf den vier Workspaces zu eng werden, kann man über das Workspace-Menü »on the fly« neue Arbeitsflächen hinzufügen - und natürlich auch entfernen.
Wer seine Arbeitsflächen lieber permanent und ohne Extraklick im Blick haben möchte, sollte einen Pager benutzen: fbpager, fluxter oder ipager, um nur einige zu nennen. Diese Pager sind wiederum so stark konfigurierbar, dass sie genug Stoff für einen eigenen Artikel liefern würden.
Slit - just another Toolbar
Slit ist nur ein anderes Wort für Toolbar. Warum sollte man die Slit benutzen wollen, wenn man schon eine Toolbar hat? In der Slit können Programme im withdrawn-Modus (dt. »zurückgezogen«) gestartet werden. Das heißt, dass es Programme gibt, welche verborgen in der Toolbar starten. Das funktioniert leider nicht mit jeder Anwendung. Bekannte Programme mit Slit-Modus sind die Dockapps vom Fenstermanager »Windowmaker« oder der Systemmonitor gkrellm. Letzterer kann über den Befehl gkrellm -w im Slit gestartet werden. Weitere Programme, welche auch die Slit erst nach dem Parameter -w nutzen, sind die Pager fbpager und fluxter. Mehr zu dem Thema Slit gibt es in der offiziellen Dokumentation.



