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So, 3. November 2002, 00:00

LinuxWorld Conference & Expo 2002

IDG World Expo, Veranstalter der diesjährigen LinuxWorld Conference & Expo, rief und die Großen der Branche kamen. AMD, HP, IBM, Sony und Sun sind nur einige derer, die dem Ruf folgten - wäre da nur nicht die Community, die der Veranstaltung fern geblieben zu sein scheint.

Wenig Linux-Prominenz: Jon »maddog« Hall

Mirko Lindner (demon)

Wenig Linux-Prominenz: Jon »maddog« Hall

Allgemeines

Die Stimmung der diesjährigen LinuxWorld Conference & Expo in Frankfurt war trotz stagnierender Aufträge und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der IT-Branche als sehr gut einzuschätzen. Es herrschte allgemein ein positiver Tenor sowohl unter den Ausstellern wie auch unter den Besuchern. Trotz einer gesunkenen Ausstellerzahl mit rund 80 teilnehmenden Firmen im Vergleich zum Vorjahr (90) ist die Gesamtfläche der Ausstellung um fünf Prozent gewachsen. Fast alle wichtigen Hersteller der Computerindustrie gaben sich die Ehre und waren vertreten. Der nur dem Anschein nach ins Stocken gekommene Linux-Markt im geschäftlichen Umfeld erlebt, nicht zuletzt dank der Microsoft-Lizenzänderungen, einen erfreulichen Zuwachs.

Linux auf dem Desktop der Behörden...

Mehr als je zuvor erhitzte das Thema rund um einen Einsatz von Linux auf Desktop-Systemen die Gemüter. Während Server-Systeme unter Linux zum Standard gezählt werden dürfen, diskutierte die Fachwelt über einen Einsatz von Linux auf dem unternehmerischen Desktop. SuSE kündigte bereits am ersten Tag der Messe ein neues Produkt an, welches an unerfahrene Heim-Benutzer und kleine und mittelständische Unternehmen gerichtet sein wird und sich vor allem durch eine einfache Bedienung von anderen Anbietern abheben will. Das für Anfang 2003 angekündigte »SuSE Office Linux« soll laut dem Hersteller neben den Vorzügen eines Linux-Systems dank »CrossOver Office«, einen Plugin auf Basis der Windows API Nachbildung WINE, allen Nutzern die Möglichkeit geben, MS Office unter Linux zu nutzen. Ferner stellten Gonicus und Natural Computing ihre Produkte für Thin-Clients vor, die sowohl an kleine, wie aber auch mittlere Unternehmen adressiert sind. Sun stellte neben Server-Lösungen auch die plattformunabhängige Office-Suite »StarOffice« in der Version 6.0 vor.

Exot unter den Distributionen: Sony stellte Linux auf der Playstation2 vor

Mirko Lindner (demon)

Exot unter den Distributionen: Sony stellte Linux auf der Playstation2 vor

Das zweite beherrschende Thema der Messe stellte die Diskussion um einen Einsatz von Linux in der Öffentlichen Verwaltung dar. Viele Aussteller konnten einen Bericht über erfolgreich durchgeführte Migrationsprojekte in der Öffentlichen Verwaltung vorlegen und werden sicherlich schon bald diese der Öffentlichkeit vorstellen. Es war klar zu erkennen, dass vor allem dieser Bereich zunehmend Interesse an Linux zeigt. Das zweite »Forum Linux in der Verwaltung« informierte Angehörige des öffentlichen Dienstes mit Anwenderberichten, Vorträgen und Podiumsdiskussionen über die neuesten Entwicklungen von Linux im Amt. Das Forum wurde am 31. Oktober speziell für diese Zielgruppe abgehalten und war für alle Behördenvertreter kostenfrei. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Themen wie der Kosten und Effizienzfaktor, Sicherheits- und Schulungsaspekte beim Einsatz von Linux in der Verwaltung.

... und im Server-Einsatz

Natürlich durften auch dieses Jahr Lösungen nicht fehlen, die sich mit Linux im Server-Bereich beschäftigen. So stellte IBM und Sun ihre Lösungen vor, die Linux als einen Arbeitsknecht in Mainframes zur Schau stellten. Advanced Micro Devices (AMD) rührte auf ihrem Stand die Werbetrommel für den »Opteron«, einen 64-Bit-Prozessor für Server und Workstations, und versammelte neben sich namhafte Linux-Distributoren. SuSE stand Rede und Antwort zu einer Opteron-Version von United Linux und Mandrake stellte ihre erste Alpha-Version von »Mandrake Linux« für die Opteron-Familie vor.

Auf seinem Stand selbst stellte der Nürnberger Distributor SuSE die komplette Palette seiner Server-Lösungen vor und stand in beratender Funktion allen Kunden zu Server-Fragen bereit. Interessant war zu beobachten, dass SuSE der einzige kommerzielle Distributor war, der einen eigenen Stand unterhielt. Alle anderen Hersteller gaben sich mit einer Unterbringung bei Partnern zufrieden.

Zeit für Gespräche und Diskussionen - Geringes Interesse an Open Source?

Mirko Lindner (demon)

Zeit für Gespräche und Diskussionen - Geringes Interesse an Open Source?

Und was ist mit der Community?

Während die Unternehmens-Größen zahlreich vertreten waren, sah es bei den Community- und Open-Source-Vertretern fast schon umgekehrt aus. Manche der noch letztes Jahr auf der Messe anzutreffenden Projekte waren nicht mehr angereist - ungeachtet der Tatsache, dass die Größe des .org Pavilions nach Angaben der Veranstalter gestiegen ist. Die anzutreffenden Projekte waren übersichtlich und in späten Nachmittagsstunden oft leer. Alle jene, die ein Gespräch mit Vertretern eines Projektes wünschten, dürften ihre Freude an dieser Tatsache finden - selten durfte man so lange über projektspezifische Themen mit den Projektvertretern am Stand fachsimpeln.

Das fast vollständige Fehlen von Prominenz aus der Community, wie sie noch im Vorjahr anzutreffen war, verstärkte zudem bei manch einem Besucher den Eindruck, dass die LinuxWorld zunehmend an geschäftliche Kunden gerichtet ist und überwiegend von diesen auch wahrgenommen wird. Diese Tatsache konnte vor allem am ersten und zweiten Tag beobachtet werden, an denen Anzug und Krawatte dominierten. Auch der am zweiten Tag durchgeführte »Wer wird Linux- Millionär«-Event fand nur mäßig Interessenten.

Fazit

Die unmittelbare Nähe zu der parallel stattfindenden European Banking Technology Fair (EBTF) macht die LinuxWorld Expo fast schon prädestiniert zu einer reinen Unternehmensmesse. Die Struktur der Besucher war überwiegend den Geschäftskunden zuzuordnen. Viele der Besucher kamen mit festen Vorstellungen und informierten sich detailliert über Desktop-, Server- und Support-Themen. Der Tenor vieler kommerzieller Aussteller war gleichlautend - die Geschäftswelt dominierte auf der diesjährigen Messe.

Das wohl größte Interesse fand das Thema rund im einen Einsatz von Linux in Desktop-Umgebungen. Während noch ein Jahr zuvor überwiegend Server-Lösungen zu sehen waren, konzentrierten sich dieses Jahr viele Aussteller nur noch oder überwiegend auf den Desktop - auf den kommerziellen Desktop. Das - man muß es wohl so nennen - Desinteresse der Open-Source-Projekte könnte für die Veranstalter durchaus zum Problem werden. Das Fehlen von wichtigen Projekten und wichtigen Vertretern der Community lockte sichtlich weniger private Nutzer an. Einer der Gründe könnte die Internetpräsenz der Messe sein, die von vielen Linux-Nutzern nicht angesehen werden kann.

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