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Mi, 2. Mai 2007, 00:00

Daten sicher löschen

Die Hauptaufgabe eines Systemadministrators sind Schutz und Verfügbarmachung von Daten. Doch Daten müssen teilweise wieder sicher vernichtet werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn alte Rechner oder Datenträger ausgesondert werden oder gesetzliche Aufbewahrungsfristen überschritten werden. In diesem Artikel wird gezeigt, welche Methoden zur sicheren Datenlöschung existieren, was bei den verschiedenen Datenträgern zu beachten ist und wie man die Datenvernichtung bereits im Vorfeld plant.

Magnetische Datenträger

Wie in Kapitel »Wie Daten gespeichert werden« beschrieben, speichern magnetische Datenträger ihre Daten, indem sie kleine magnetische Bereiche magnetisieren. Verliert der Datenträger nun seinen Magnetismus, sind schlagartig alle Daten unwiderruflich vernichtet.

Für jeden Magneten existiert als spezifische Eigenschaft die Curie-Temperatur. Bei der Curie-Temperatur verliert jeder Magnet schlagartig alle magnetischen Eigenschaften. Die Daten sind also definitiv und unwiederbringlich vernichtet. Einziger Nachteil ist die Höhe der Curie-Temperatur. Bei handelsüblichen Festplatten liegt sie bei ca. 1100 Kelvin bzw. 800°C, ist also mit dem heimischen Backofen schwer zu erreichen. Hat man jedoch direkten Zugang zu einem Hochofen, Walzwerk oder Müllverbrennungsanlagen, kann man diesen Weg der Datenvernichtung wählen.

Degaußer DG02 von ibas

Stefan Schumacher

Degaußer DG02 von ibas

Eine zweite Möglichkeit der physikalischen Datenvernichtung ist der sogenannte Degaußer. In ihm wird ein starkes Magnetfeld mit einer Flussdichte von mindestens 1 Tesla aufgebaut.

Dieses starke Magnetfeld wird um den Datenträger herum aufgebaut und durchläuft die Hystereseschleife (rotiert also mindestens einmal rundherum) und richtet somit alle Weißschen Bezirke neu aus. Damit ist jegliche Form von Daten in den Magnet-Partikeln vernichtet. Es gibt auch keine Daten in irgendwelchen Nebenspuren oder Remanenz bereits gelöschter Dateien. Dieses System ist definitiv sicher, zerstört aber die Festplatte. Denn das starke Magnetfeld vernichtet auch die Steuerelektronik und Servospuren der Festplatten.

Problematisch ist bei beiden Verfahren, dass jeder Datensektor des Mediums erreicht werden muss. Das Magnetfeld muss jede Datenscheibe komplett durchfluten bzw. die Curie-Temperatur mehrere Minuten an jedem Punkt jeder Datenplatte anliegen. Da die Fesplattengehäuse schirmen, öffnen Sie die Gehäuse und bearbeiten Sie nur die Datenplatten im Degaußer bzw. im Hochofen.

Einen derartigen Degaußer kann man von speziellen Firmen mieten. Selbstbaulösungen mit etwas gewickeltem Kupferdraht sind zwar möglich, der Konsum aller MacGyver-Folgen qualifiziert aber noch nicht zur Elektro-Fachkraft. Lassen Sie also unbedingt die Finger von derartigen Experimenten!

Nachteile beider Verfahren sind die Zerstörung der Datenträger und ihre nicht-triviale Beschaffung. Zumindest ein Degaußer lässt sich jedoch gegen Entgelt mieten. Vorteil ist die hohe Sicherheit der Verfahren. Außerdem funktionieren sie auch mit defekten Platten, beispielsweise nach einem Head-Crash oder mit defekter Elektronik.

Optische Datenträger

Optische Datenträger speichern ihre Daten in einer Trägerschicht, die von einem Laser abgetastet wird. Wird diese Trägerschicht physisch vernichtet, sind auch die Daten weg. Die verbreitetsten optischen Datenträger, (wieder-) beschreibbare CDs und DVDs, bestehen prinzipiell aus drei Schichten: der unteren, durchsichtigen aber stabilen, Schutzschicht, der mittleren Trägerschicht und der oberen Deckschicht.

Eine CD lässt sich am einfachsten vernichten, wenn man die obere Deckschicht, also das, was normalerweise bedruckt ist oder beschrieben werden kann, zerstört. Die darunter liegende Trägerschicht oxidiert in der Regel sofort bzw. wird durch die mechanische Einwirkung ebenfalls vernichtet. Die Trägerschicht sieht aus wie hauchdünne Alu-Folie und zerfällt sehr schnell in sehr kleine Teile. Diese verteilen sich gerne in der Gegend und bevorzugt in Teppiche. Dort kann man ihnen nur sehr schwer mit dem Staubsauger zu Leibe rücken. Zerstören Sie also eine CD in einer Umgebung, in der dies nicht stört, oder benutzen Sie einen großen Müllbeutel oder eine Abfalltonne als Hülle. Tragen Sie dabei Arbeitshandschuhe und schützen Sie ihre Augen! Sie können den CDs oder DVDs mit einem stabilen Schraubenzieher, robusten Messer oder auch einem Akkuschrauber bzw. einer Bohrmaschine mit Metallbohrer zu Leibe rücken. Entfernen Sie die Trägerschicht gründlich und zerbrechen Sie die CD danach.

In einem Handwerksbetrieb haben wir ein einfaches System entwickelt, um massenhaft CDs zu zerstören. Wir haben eine simple Spindel aus einem Holzbrett und einer 15mm-Gewindestange gebaut. Auf die Spindel wurden die CDs aufgestapelt und von oben mit einer großen Unterlegscheibe und einer Flügelmutter befestigt. Die gesamte Spindel wurde unter einer Standbohrmaschine sicher eingespannt und mehrfach mit einem 12mm-Metallbohrer durchbohrt.

Weitere Möglichkeiten sind Häcksler bzw. Aktenvernichter, die auch CDs zerhacken können. Normales Zerbrechen der CD in größere Teile reicht nicht aus, um Spezialfirmen davon abzuhalten, Teile der CD wieder auszulesen.

Physische Vernichtung lässt sich auch durch Ätzen der CD erreichen. Hierzu muss die CD in eine Säure oder Ähnliches getaucht werden. Der Umgang mit Säuren und dergleichen ist aber nicht ungefährlich und daher hier nicht weiter von Bedeutung.

Ebenfalls nicht wirksam ist ein Zerkratzen der Unterseite der CD, da derartige Kratzer mit Füllmasse korrigiert werden können. Es muss die Trägerschicht des Mediums vernichtet werden. Dies lässt sich am besten über die Oberseite erreichen.

Wirksam, aber nicht empfehlenswert, ist die Mikrowelle. Durch die Mikrowellenstrahlung wird innerhalb von Millisekunden die Trägerschicht effizient und nicht-rekonstruierbar vernichtet. Dabei entstehen aber giftige und umweltschädliche Dämpfe sowie eine erhöhte Brandgefahr.

Magneto-optische Datenträger

MO-Medien sind aufgrund der verwendete Speicherverfahren und technischen Umsetzungen vergleichsweise robust. Magneto-optische Datenträger schreiben Daten magnetisch, lesen diese dann aber wieder optisch über Laser aus. Soll ein Datum auf den Datenträger geschrieben werden, wird die Oberfläche von Laser über die Curie-Temperatur erhitzt. Damit verschwindet die Magnetisierung der Oberfläche und nach Herunterkühlen unter die Curie-Temperatur wird mit dem Magnetkopf das Datum geschrieben. Weitere Informationen zu MO-Laufwerken finden sich in [4].

Da das Erhitzen der magnetischen Schicht über die Curie-Temperatur hinaus jeglichen Magnetismus entfernt, reicht ein einmaliges Überschreiben der gesamten Platte aus.

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