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Mi, 1. Juli 2009, 00:00

Zehn Jahre Pro-Linux

»Arbeit mit anderen teilen«

Steve McIntyre

Steve McIntyre

Steve McIntyre

Steve McIntyre ist langjähriger Mitarbeiter des Debian-Projekts und aktuell dessen Projektleiter. Ob ihm diese Tätigkeit noch Zeit für Softwareentwicklung, seinen eigentlichen Beruf lässt, ist uns nicht bekannt.

Ich arbeite seit etwa fünfzehn Jahren mit freier Software, und es war großartig, zu beobachten, wie die Zahl der Benutzer und der Entwickler in dieser Zeit wuchs. Die Idee, dass Dinge frei sein können und sollten, ist für viele Leute eine große Umstellung, und es ist wunderbar zu sehen, dass diese Idee sich zu immer mehr Leuten ausbreitet. Immer mehr Software-Entwickler arbeiten mit uns, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Ein aufregender Moment ergab sich für mich auf der DebConf (der jährlichen Debian-Konferenz) letztes Jahr in Argentinien. Es ist allgemein bekannt, dass GNU/Linux und freie Software im Bildungssystem in Spanien sehr gebräuchlich werden. Einer unserer Entwickler sprach mich auf der Konferenz an und wollte darüber reden, wie die Dinge dort verlaufen, und einige wirklich exzellente Neuigkeiten mitteilen: Lehrer, die die Ideen von freier Software und freier Kultur durch die Benutzung ihrer GNU/Linux-Systeme kennengelernt haben, begannen die Frage zu stellen:

»Wie kann ich meine Arbeit auf die gleiche Art mit anderen teilen?«

Die nächste Frage war, wie wir ihnen helfen könnten, ihre Unterrichtspläne, Poster, Videos, Bilder usw. anderen zur Verfügung zu stellen. Das ist die nächste Herausforderung. :-)

»Für offene Standards«

Hartmut Pilch ist Sprachlogiker, Simultandolmetscher und Übersetzer. 1998-2005 war er Vorsitzender des FFII e.V., der bei der Verhinderung der Legalisierung von Softwarepatenten in Europa eine führende Rolle spielte. In dieser Rolle dürfte er auch den Lesern von Pro-Linux am meisten ein Begriff sein. Er besitzt außerdem auch Berufserfahrung in der Programmierung unter GNU und Linux, schon seit den frühesten Anfängen.

Unternehmen und Behörden, die mit Linux arbeiten, sind auf einmal ganz von selbst für offene Standards und gegen Softwarepatente. Freie Software zu schreiben und einzusetzen, ist gerade deshalb eine politische Tat, weil dabei nur um die Software um ihrer selbst willen geht. Pro-Linux spiegelt diese Mischung aus Freude an der Software selbst und den daraus natürlicherweise hervorgehenden politischen Interessen gut wieder. Deshalb haben Organisationen wie der FFII in Pro-Linux auch immer eine Art Heimatgemeinde gefunden.

»Freigabe von Mozilla hat alles verändert«

Eric S. Raymond ist Softwareentwickler und Autor. Schon früh engagierte er sich für freie Software. Sein wegweisender Essay »The Cathedral and the Bazaar« war mit dafür verantwortlich, dass er in der Folge und besonders nach der Freigabe des Mozilla-Quellcodes zu einem Sprachrohr der Open-Source-Bewegung wurde. Er war Mitbegründer der Open Source Initiative (OSI) und spricht daher meist von »Open Source«, wenn freie Software gemeint ist. Für Aufsehen sorgte er auch mit der Veröffentlichung interner Microsoft-Papiere (Halloween-Dokumente).

Das bemerkenswerteste Ding, das mir im Zusammenhang mit Open Source passiert ist, ist immer noch die ursprüngliche Netscape-Ankündigung der Pläne, Mozilla zu Open Source zu machen, im Februar 1998. Das war der Moment, der alles änderte, sowohl für die Gemeinschaft als auch für mich persönlich.

Nun ist mehr als eine Dekade vergangen, und die Konsequenzen dieses Augenblicks des Durchbruchs haben die Welt so sehr verändert, dass es schwierig ist, sich die Perspektive vorzustellen, die wir damals hatten. Davon war es kaum vorstellbar, welche Menge an Beteiligung Unternehmen und Regierungen an Open Source heute haben.

Für mich war es die größte persönliche Herausforderung meines Lebens. Netscape hob öffentlich meine Analyse von Open Source als Teil der Inspiration zu diesem Schritt hervor, was mir eine einzigartige Position verschaffte, die folgenden Dinge mit zu gestalten. Ich sah, dass ich, wenn ich meine frühere Arbeit fortsetzte, indem ich die Rolle eines öffentlichen Fürsprechers der Open-Source-Revolution akzeptierte, die Chance hatte, die Welt in sehr großem, vielleicht geradezu historischem Ausmaß zu ändern.

Aber ich wusste, dass es auf diesem Weg auch große Kosten und Risiken für mich geben würde; zumindest würde ich keine Zeit haben, viel Code zu schreiben, bis die Mission erfüllt war, und es war sehr wahrscheinlich, dass Teile der Gemeinschaft - immer misstrauisch gegenüber allem, was aussieht wie der Versuch, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - sich gegen mich wenden und mich heftig dafür angreifen würden, dass ich mich in die erste Reihe stellte.

Ich zahlte den Preis, den ich erwartet hatte, aber ich bin mit den Ergebnissen zufrieden. Wir haben noch nicht den endgültigen Sieg errungen (Microsoft hat immer noch einen Anteil von 92% auf dem Desktop), aber wir haben fast überall sonst gewonnen: Serverräume, eingebettete Entwicklung, selbst Mobiltelefone. Es ist ausgeschlossen, dass die Open-Source- Softwareentwicklung jemals wieder ein Ghetto bildet wie in der Zeit vor der Mozilla-Ankündigung, und Open-Source-Ideen, haben parallele Revolutionen in Bioinformatik, wissenschaftlichen Publikationen, Entwicklungs-Ökonomie und Hardware-Entwurf inspiriert.

Es lohnt sich, daran zu denken, dass dieser ganze Erfolg von dem bahnbrechenden Schritt, den Mozilla 1998 tat, herrührt. Es war eine Herausforderung für mich und die ganze Gemeinschaft, und wir haben die Gelegenheit nicht verspielt. Ich bin stolz auf die ganze Gemeinschaft, wie wir die Gelegenheit ergriffen haben. Ich bin in bescheidener Weise dankbar, dass ich in der Lage war, die richtige Person am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, um eine Führungsrolle zu übernehmen. Aber im Rückblick bin ich immer noch ein wenig überrascht von all dem.

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