Login


 
Newsletter
Werbung

Mi, 25. April 2007, 00:00

Arch Linux 0.8

Arch Linux ist eine einfache auf i686 bzw. auf x86-64 optimierte Linux-Distribution, welche Judd Vinet entwickelt, da ihm die Paketverwaltung von CRUX nicht ganz gefiel. Sie ist auf keinen bestimmten Anwendungsbereich zugeschnitten und somit entscheidet der Benutzer mit einer individuellen Installation über selbigen. Arch verfügt über ein eigenes Paketverwaltungsprogramm und bietet auch ein eigenes Buildsystem zum einfachen Erstellen neuer Pakete. Arch richtet sich an erfahrene Benutzer, da es komplett auf eigene grafische Konfigurationsprogramme verzichtet und somit etwas Erfahrung im Umgang mit der Kommandozeile voraussetzt.

Arch Linux

Standardinstallation

Arch Linux steht in Form mehrerer ISO-Images sowohl per FTP/HTTP als auch über BitTorrent zur Verfügung. Neu ist seit Version 0.8, dass es nun auch ein ca. 20 MB großes FTP-Image gibt. Vormals gab es zwar auch die Möglichkeit, per FTP zu installieren, jedoch war dazu trotzdem der Download eines größeren Images nötig, welches unnötige Pakete bereithielt.

Wenn man nun eine CD erstellt hat, so bootet man von dieser direkt in eine Root-Shell. Hier wird man aufgefordert, die Installation zu starten oder vorher eine entsprechend angepasste non-US-Tastaturbelegung zu konfigurieren. Ist dies geschehen, befindet man sich in einem ncurses-basierten Installationsprogramm. Die Installation ist in keinster Weise geführt, man sollte also genau wissen, welche Schritte für die eigene Installation notwendig sind. Fortgeschrittenen Benutzern wird diese Vorgehensweise sehr entgegenkommen, da man zu keiner Aktion gezwungen wird und wirklich selbst explizit über jedes Vorgehen bestimmt.

Der Arch-Installer spricht klare Worte: »The install process is fairly straightforward«

Ingo Becker

Der Arch-Installer spricht klare Worte: »The install process is fairly straightforward«

Nach der Auswahl und Installation von Paketen und der Installation eines Bootloaders erhält man die Möglichkeit, ausgewählte, wichtige Konfigurationsdateien mittels Editor so zu bearbeiten, dass das System auch wirklich bootfähig wird. Nach der Installation erhält man ein reines Basis-System, welches in eine Shell bootet und weiterer Einrichtungsschritte (User anlegen, Pakete installieren usw.) bedarf. Die Installation dauerte bei mir inklusive Download per FTP und 1-Mbit/s-Anbindung knappe 30 Minuten. Von der CD sollte es jedoch wesentlich flotter gehen. Für Menschen mit wenig Kenntnissen empfehle ich den ausführlichen Installation-Guide oder die Wahl einer anderen Distribution.

Alternative Installationsmöglichkeiten

Sollte man seine Installationswünsche während der Standardinstallationsprozedur nicht befriedigen können, so lässt sich Arch auch auf vielerlei Weise sehr einfach speziell installieren. Eine Installation mit verschlüsseltem Root-Dateisystem, die Installation auf V-Servern, Rechnern ohne CD-Laufwerk oder die Installation für ein User Mode Linux lassen sich mit Arch extrem einfach realisieren und sind im Wiki ausführlich beschrieben.

Konfiguration

Die zentrale Konfigurationsdatei von Arch ist /etc/rc.conf. Hier kann man festlegen, welche Module beim Systemstart geladen und welche Daemons wie und in welcher Reihenfolge gestartet werden sollen. Außerdem kann man in dieser Datei eine feste Konfiguration für die Netzwerkschnittstellen, Tastaturbelegung, Zeitzone und ähnliches angeben. Die weitere Konfiguration gestaltet sich für erfahrene Linux-Benutzer sehr angenehm. Da auf Hilfs-Skripte zur Konfiguration verzichtet wird, findet man alle Konfigurationsdateien in /etc. So kann man problemlos alle wichtigen Informationen zur Konfiguration in den jeweiligen Manpages nachlesen, auf die von Arch ausdrücklich verwiesen wird.

Systemstart

Arch Linux setzt auf BSD-Style-Initskripte. Durch den Wegfall der Runlevel und das Festlegen der zu startenden Initskripte in rc.conf wird der Systemstart sehr übersichtlich und einfach nachvollziehbar. Außerdem ist zu erwähnen, dass Arch ein eigenes neu entwickeltes Initramdisk-System namens mkinitcpio verwendet, welches viele Verbesserungen mit sich bringt.

Paketverwaltung

Aktuelle Version von Pacman bei der Arbeit

Ingo Becker

Aktuelle Version von Pacman bei der Arbeit

Pacman

Arch hat sein eigenes Paketverwaltungsprogramm namens pacman. Pacman arbeitet mit einem eigenem, sehr einfach gehaltenem Paketformat. Ein Paket ist nicht viel mehr als ein .tar.gz-Archiv, welches ins Root-Verzeichnis extrahiert wird und darüber hinaus noch drei zusätzliche Steuerdateien enthält. Über diese Steuerdateien ist Pacman in der Lage, Abhängigkeiten aufzulösen, Konflikte zu erkennen, Installations-Skripte auszuführen oder ein Paket wieder rückstandslos zu entfernen. Pacman ist ein reines Kommandozeilenprogramm, welches aber wirklich einfach und effektiv zu bedienen und schnell zu erlernen ist. Jedoch gibt es auch für Pacman diverse grafische Frontends, die die Installation von Paketen auch dem Klicki-Bunti-User zugänglich macht ;)

Achtung: Oft kommt es vor, dass pacman auf der Konsole einige Informationen bei der Installation oder dem Updaten bestimmter Pakete ausgibt. Diese sollte man unbedingt lesen und deren Anweisungen befolgen, ansonsten kann es nach einem Neustart sehr schnell mal zu einer Kernelpanic oder anderem unschönen Verhalten kommen. Außerdem existieren für Archlinux nicht so viele Mirrors, wie es bei anderen Distributionen der Fall ist. Daher sollte man am besten einen geografisch günstig gelegenen Mirror wählen. Zur Zeit hat Arch ziemliche Probleme mit seinen Mirrors. Der als Default eingestellte Arch-Project-Mirror ist zur Zeit stark überlastet und es ist kaum möglich, Pakete zu installieren. Auch mit dem Mirror der TU Chemnitz habe ich viele Probleme gehabt und es kam oft zu »corrupted-package«-Meldungen. In diesem Fall hilft nur das manuelle Löschen des Pacman-Caches.

Paket-Repositorien

Arch Linux verfügt über extrem aktuelle Pakete. Diese sind in jeweils vier offiziellen Repositorien organisiert. Hinzu kommt ein Community-Repository, in welches die Benutzer ihre liebsten Pakete aus dem AUR (dazu später mehr) wählen können. Standardmäßig sind nur die Repositorien »current« und »extra« aktiviert. In »current« befinden sich alle Pakete für ein lauffähiges Basissystem inklusive X.org und kleineren Window-Managern wie blackbox oder fvwm, in »extra« hingegen findet man GNOME, KDE und ähnliches mehr. Es besteht auch die Möglichkeit, über die Arch-Website Pakete als »veraltet« zu markieren und den entsprechenden Maintainer dadurch zu benachrichtigen.

Kommentare (Insgesamt: 0 || Kommentieren )
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung