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So, 10. September 2006, 00:00

Linux-Kongress 2006 in Nürnberg

Zum 13. Internationalen Linux-Kongress trafen sich Linux-Entwickler aus drei Kontinenten in Nürnberg. Viele interessante Entwicklungen und Trends, vor allem aus dem Kernel-Bereich, gab es zu erfahren.

Der erste Kongress-Tag

Alan Cox bei der Keynote

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Alan Cox bei der Keynote

Nach den Tutoriums-Tagen begann der eigentliche Kongress am Donnerstag, den 7. September 2006, um 10 Uhr mit einigen organisatorischen Hinweisen, einer Begrüßung durch Professor Dr. Trommler und der Keynote. Die Keynote wurde von Alan Cox gehalten, der wohl eigens für diese Dreiviertelstunde angereist war. Er blieb allerdings noch bis zum Abend auf dem Kongress.

Thema von Alans Vortrag war »Collaboration, Community and Future Technology«. Wenn es zu einer Zusammenarbeit kommt, ist es am Anfang einfach, die Qualität zu verbessern - im Grunde ist jeder Beitrag eine Verbesserung, da die Qualität zunächst noch niedrig ist. Man sah dies in den Anfangstagen am Linux-Kernel, heute kann man es noch in weiten Teilen der Wikipedia mitverfolgen. Dieser Prozess lässt sich jedoch nicht endlos weiterführen.

Eine weitere Beobachtung ist, dass sich die Welt auf virtuelle Dinge zubewegt. Email ersetzt persönliche Anwesenheit, Buchungen können online vorgenommen werden usw. Es gibt inzwischen Projekte, einen Replikator zu bauen, der sich selbst und beliebige Gegenstände replizieren kann. Selbst wenn dies einmal nur in sehr eingeschränktem Maße gelingt, ergeben sich daraus eine ganze Reihe von Fragen, unter anderem rechtliche Fragen zu Copyright und Patenten.

Jetzt gab es zunächst einmal eine Stärkung mit belegten Brötchen, Kaffee und anderen Getränken. Was die Verpflegung angeht, hat sich die GUUG dieses Mal wirklich ins Zeug gelegt. An diesem Tag wie auch am folgenden verzichtete ich auf ein Mittagessen, weil es wirklich nicht nötig war. Danach begann der Ernst der Konferenz. Recht kurzfristig waren einige Vorträge umgestellt worden. Da im ausgeteilten Tagungsband noch die alten Termine abgedruckt waren und die Aufstellung der neuen Termine nur an den Hörsälen ausgehängt wurde, war die Auswahl der Vorträge umständlicher als nötig. Eine gute Idee wäre es auch gewesen, wie 2001 in Enschede das Ende jeder Pause mit einem Signal bekanntzugeben.

Auch in diesem Jahr gab es eine Ausstellung, die sich allerdings auf drei Stände beschränkte. Die Hauptsponsoren Google und Novell waren am Start, um Mitarbeiter zu finden. Allein Novell sucht in Nürnberg wohl mindestens zehn neue Leute, und bei Google dürfte der Bedarf noch höher liegen. Exzellente Chancen für Leute, die Open Source intensiv leben wollen. Desweiteren waren BSD und am Freitag Lehmanns vertreten.

UML-Schöpfer Jeff Dike

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UML-Schöpfer Jeff Dike

Ich hielt mich an diesem Tag an die Vortragsreihe im kleinen Hörsaal. Während nebenan Ulrich Weigand über Linux auf dem Cell-Prozessor referierte, sprach Jeff Dike, der Autor von User Mode Linux (UML), über Linux als Hypervisor. Virtualisierung ist natürlich zur Zeit das Hype-Thema schlechthin und so gab es etliche Vorträge, die das Thema zumindest streiften. Dikes Vortrag war aber der einzige, der sich direkt damit befasste. Die einzige Virtualisierungs-Technologie, die derzeit im Kernel enthalten ist, ist UML. Virtualisierung ist laut Jeff eine recht neue »Workload«, also real vorkommende Anforderung an den Kernel. Er beleuchtete die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Virtualisierung im Kernel. Die neuen Anforderungen führten und führen zu Änderungen im Kernel, die teilweise spezifisch für die Virtualisierung sind, teilweise aber auch anderen Anwendungen nützen. So sind bereits zur Unterstützung von UML Erweiterungen von ptrace, asynchrone Ein/Ausgabe und die Ein/Ausgabe ohne Caching (O_DIRECT) sowie ein Flag für die Speicherverwaltung, MADV_REMOVE, implementiert worden.

Aktuell plant man eine Infrastruktur, die für Linux Virtual Server, OpenVZ und auch UML nutzbar ist. Mit dem Filesystem in User Space (FUSE) kann man das Dateisystem einer UML-Maschine auf dem Host mounten, um z.B. Administration durchzuführen. Ein Systemaufruf remap_pages ist geplant.

Jeff Dike hat klare Vorstellungen, was derzeit noch fehlt. So ist asynchrone Ein- und Ausgabe derzeit nur zusammen mit O_DIRECT zu haben. Sie sollte außerdem auch mit Metadaten verwendbar sein, um z.B. beim Aufruf von stat nicht auf die Rückkehr der Funktion warten zu müssen. Es sollte ferner möglich sein, den Adressbereich eines fremden Prozesses zu manipulieren. Dies hat natürlich Sicherheitsimplikationen und muss daher sorgfältig implementiert werden, so dass nur einem Hypervisor diese Funktion zur Verfügung steht.

Nun präsentierte Andreas Gaupmann seinen »Personal Firewall for Linux Desktops«, während parallel dazu Heiko Knospe »Smart Card Technology and Linux Integration« vortrug. Andreas Gaupmanns Englisch war nicht das beste und der ganze Vortrag nicht sehr mitreißend. Sein Projekt, das als Diplomarbeit entstand, sollte als Demonstration der Möglichkeiten gesehen werden. Es orientiert sich den unter Windows verfügbaren »Personal Firewalls« und besitzt eine mit Qt3 implementierte GUI.

Nach Gaupmanns Ansicht zeigt sein Projekt, dass solch ein System unter Linux möglich ist. Unklar ist indes, ob es fortgeführt wird. Der Code ist unter dem Namen Avalon verfügbar.

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