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Mo, 18. Dezember 2006, 00:00

Das OASIS Open Document Format

Erstellen und Verarbeiten von Office-Dokumenten mit verschiedenen Programmen

Viel ist über das OASIS Open Document Format geschrieben worden. Eine Menge davon sind Mythen oder einfach schlichte Fehlinformationen. Vor allem Microsoft hält sich nicht zurück auf vermeintliche Beschränkungen und Unzulänglichkeiten des Formats hinzuweisen. Bei genauerer Betrachtung verwundert dieses Verhalten nicht, denn Microsoft setzt auf seine eigene Entwicklung, das Office-Open-XML-Format. Erwächst zwischen den Formaten eine Konfrontation vergleichbar mit dem Browser-Krieg oder sind wir etwa schon inmitten solch einer Konfrontation?

Einführung

Um die Frage zu klären, ob uns eine Auseinandersetzung zwischen den Office-Formaten erwartet, müssen wir uns zuerst einmal mit den Motiven befassen. Denn ohne strategische Interessen lohnt sich selten ein Konflikt. Also begeben wir uns erst einmal auf die Suche nach dem generellen Sinn neuer Office-Formate. Jahrelang haben wir schließlich unsere Texte in den herkömmlichen, nicht-öffentlich dokumentierten Formaten abgespeichert. Was hat sich seitdem geändert?

Die Antwort auf diese Frage berührt ein Phänomen, das zurzeit die IT-Welt beschäftigt: Systeme werden nicht mehr isoliert betrieben, sondern hochgradig vernetzt. Diese Vernetzung von unterschiedlichen Systemen hat sich heimlich, still und leise zu einer Schlüsselfunktion für moderne IT-Infrastrukturen entwickelt.

Die grundsätzliche Idee hinter der Vernetzung von verschiedenen Anwendungsprogrammen ist dabei recht einfach und keineswegs neu. Im Prinzip stellt dieser Schritt eine konsequente Weiterentwicklung der Idee von vernetzten Rechnern dar. Eine Idee, die spätestens mit der Realisierung des Internets einen weltweiten Siegeszug angetreten hat.

Es ist damit zu rechnen, dass in Zukunft Programme, die sich nicht in vernetzte IT-Strukturen integrieren lassen, Nachteile in der kommerziellen Nutzung haben werden. Hier geht es somit um handfeste wirtschaftliche Interessen.

Um den Sinn und die Bedeutung dieser Vernetzung zu verdeutlichen, betrachten wir im folgenden Absatz ein Einsatzszenario aus dem Bereich E-Government. Der Bereich E-Government eignet sich hervorragend zum Illustrieren der Auswirkungen einer solchen Vernetzung, da in der Regel ein Zwang zur Nutzung von E-Government-Diensten besteht, wie das Beispiel elektronische Steuererklärung zeigt. Wenn dann solch ein Dienst nur mit einem einzigen Programm nutzbar ist, wird aus dem Zwang zur Nutzung des Dienstes schnell ein Zwang zur Nutzung einer bestimmten Software. Solch eine starke Abhängigkeit muss verhindert werden.

Ziel des Szenarios ist es, Antragsformulare mit Hilfe von elektronischen Prozessen abzubilden. Es muss also eine Ende-zu-Ende-Beziehung zwischen dem Anwender, in der Regel dem Bürger, und dem Anbieter der Dienstleistung hergestellt werden. Abbildung 1 zeigt den schematischen Aufbau solch einer Ende-zu-Ende-Beziehung, bei der der Bürger mit seiner Office-Anwendung das eine Ende und eine Behörde mit ihrer IT-Struktur das andere Ende darstellt.

Abbildung 1: Ein Szenario für Vernetzung im E-Government

Oliver Zendel

Abbildung 1: Ein Szenario für Vernetzung im E-Government

Bislang ist dieses Beispiel jedoch noch nicht sehr spannend: statische Formulare anbieten und ausfüllen ist heutzutage kaum noch eine Herausforderung. Interessant wird dieses Szenario erst dann, wenn die Formulare für jeden Kunden individualisiert werden sollen. Um solche individuell auf jeden Kunden zugeschnittene Formulare anzubieten, müssen die beteiligten Komponenten auf der Anbieterseite inhaltlich eng zusammenarbeiten. Komponenten wie Office-Programme, Formular-Generatoren und Fachanwendungen stehen nun vor der Aufgabe, ihre Daten untereinander so auszutauschen, dass am Ende das gewünschte individuelle Formular herauskommt. Somit ergibt sich für den Anbieter folgende Situation:

  • Textbausteine werden in Office-Programmen erstellt.
  • Formularbausteine werden mit Formular-Generatoren erstellt.
  • Persönliche Daten des Kunden sind in den Fachanwendungen hinterlegt.

Ein individuelles Office-Dokument für einen Nutzer wird nun aus den vorhandenen Textbausteinen, Formularbausteinen sowie den vorhandenen Daten des Kunden hergestellt.

Durchgespielt sieht das Szenario folgendermaßen aus: der Bürger bekommt über das Internet ein individuelles Formular ohne unnötigen Ballast, das er mit seiner Office-Suite auffüllen kann. Das fertig ausgefüllte Formular landet via Internet wieder beim Anbieter. Danach werden die Inhalte automatisiert in das jeweilige Fachverfahren eingespeist und bearbeitet.

Dieses Szenario bedingt, dass viele unterschiedliche Komponenten Daten austauschen müssen. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von verschiedenen Programmen bezeichnet man auch als Interoperabilität. Dateiformate haben somit nicht mehr die alleinige Aufgabe, Daten persistent zu speichern, sondern dienen auch als Informationsträger zwischen verschiedenen Programmen. Dies hat zur Folge, dass Computerprogramme der Zukunft solche Dokumentenformate unterstützen müssen, die die Interoperabilität unterstützen. Ohne diese Fähigkeit wird eine Software nicht im Konzert der zusammenarbeitenden Komponenten mitspielen können.

Das Problem, das nun gelöst werden muss, ist folgendes: Wie überwinden wir das babylonische Sprachgewirr im Dschungel der Computerprogramme oder anders formuliert, wie schaffen wir eine Lingua Franca für Computeranwendungen?

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