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Mi, 23. April 2003, 00:00

Testbericht Red Hat 9

Red Hat 9 kann mit Bluecurve und anderen Neuerungen aufwarten.

Einleitung

Red Hat veröffentlichte die Version 9 seiner Linux-Distribution. Diese kann wieder mit Updates der gängigsten Software-Pakete aufwarten: Kernel 2.4.20, XFree86 4.3.0, KDE 3.1, GNOME 2.2, Mozilla 1.2.1 sowie OpenOffice 1.0.2, um nur die wichtigsten zu nennen.

Red Hat Linux 9 kann in Form von drei ISO-Images unter ftp.redhat.com oder einem entsprechenden Mirror heruntergeladen werden. Wer nicht über eine entsprechend breitbandige Internet-Anbindung verfügt oder den Hersteller durch den Kauf einer Box unterstützen will, kann Red Hat 9 unter anderem bei verschiedenen Anbietern online bestellen.

Im Folgenden möchte ich mich auf eine typische Desktop-Installation beschränken.

Installation

War die Installation einer Linux-Distribution noch vor einiger Zeit etwas für Spezialisten, so hat sich hier mittlerweile viel getan. Alle großen Linux-Distributionen haben viel Entwicklungszeit in eine Verbesserung des Installationsprozesses gesteckt, so dass eine Linux-Installation mittlerweile auch von "Otto-Normal-User" zu bewerkstelligen sein sollte.

Der graphische Installer von Red Hat unterstützt den User weitestgehend bei allen während der Installation auftretenden Fragen: Außer den nötigsten Angaben kann der Anwender sich auf die vorgeschlagenen Einstellungen verlassen und dürfte in den meisten Fällen damit gut bedient sein. Dem versierten Anwender bleibt allerdings immer noch die Möglichkeit, den Installationsprozess größtenteils selbständig zu beeinflussen.

Ich wähle als Installations-Variante "Desktop" und füge manuell noch einige Pakete zur Software-Entwicklung sowie KDE 3.1 hinzu.

Als Bootmanager wird GRUB verwendet. Bereits bestehende Windows-Installationen werden automatisch in das Boot-Menü mit aufgenommen. Meine FreeBSD- und BeOS-Installationen mussten per Hand nachgetragen werden, was sich allerdings auf das Eintragen jeweils einer Zeile in der dafür vorgesehenen Maske beschränkte.

Scannen unter Linux

Thomas Zastrow

Scannen unter Linux

Hardware

Wie von einer modernen Linux-Distribution zu erwarten, wurden alle meine verwendeten Hardware-Komponenten korrekt erkannt und richtig konfiguriert. Drucker, CD-Brenner, Graphikkarte und Bildschirm machten keinerlei Probleme, das Netzwerk war ebenfalls unkompliziert und schnell eingerichtet.

Positiv überrascht war ich dann doch, als sogar mein Scanner (Canon 670U) zum ersten Mal von einer Linux-Distribution automatisch erkannt und entsprechend konfiguriert wurde.

Blaue Kurve

Nach Installation, Neustart und Anmelden erwartet den User, wie bei Red Hat üblich, GNOME als Desktop. Dieser sieht etwas anders aus und fühlt sich auch anders an als andere GNOME-Installationen.

KDE 3.1 im BlueCurve-Look

Thomas Zastrow

KDE 3.1 im BlueCurve-Look

GNOME im BlueCurve-Look

Thomas Zastrow

GNOME im BlueCurve-Look

Die Lösung hierfür zeigt sich nach einem Start von KDE 3.1: Red Hat versucht mittels der sogenannten »BlueCurve-Technologie« den Desktops KDE und GNOME ein einheitliches Look&Feel zu verpassen. Durch die Verwendung eines eigenen Themes, gleicher Icons etc. lassen sich die beiden Desktops auf den ersten Blick kaum noch voneinander unterscheiden. Trotzdem bleibt GNOME eben GNOME und KDE bleibt KDE. Die "inneren" Werte der Desktops werden von der BlueCurve-Technologie nicht wesentlich verändert.

Über Sinn und Zweck einer solchen Erweiterung läßt sich natürlich trefflich streiten. Festzuhalten bleibt, dass BlueCurve den beiden großen Desktops keine Funktionalität nimmt. Es wird lediglich eine weitere, die des gemeinsamen Look&Feels, hinzugefügt. Und wer lieber das Original-GNOME oder das Original-KDE mag, der kann seinen Desktop mit wenigen Mausklicks wieder wie gewohnt aussehen lassen - schließlich reden wir hier von Linux...

MP3-Dateien

Red Hat verwendet sowohl unter GNOME als auch unter KDE den XMMS als Standard-Werkzeug zum Abspielen von Musik- und Tondateien.

Versucht man MP3-Dateien abzuspielen, erlebt man eine Überraschung: Red Hat hat - absichtlich! - das PlugIn zum Abspielen von MP3-Dateien entfernt. Dieses läßt sich nachträglich von xmms.org herunterladen und mittels rpm -ivh installieren. Danach rockt es auch unter Red Hat wieder ;-)

Software

Red Hat 9 bringt eine Menge Software für die tägliche Arbeit mit. Erwähnenswert ist hier, dass (fast) alle Programme auch mit einer deutschen Oberfläche daherkommen. Die Kantenglättung funktioniert überall tadellos.

Im Bereich Office setzt Red Hat auf das sehr aktuelle OpenOffice 1.0.2, ebenfalls in deutscher Version. koffice, abiword und gnumeric werden in der Standard-Installation nicht mitinstalliert, sind aber auf den CDs vorhanden und können bei Bedarf nachinstalliert werden.

Für den Internet-Bereich stehen Mozilla 1.2.1 als Browser und Evolution 1.2.2 als Email-Client/PIM-Anwendung zur Verfügung. Ansonsten stehen die unter KDE, GNOME und Linux im Allgemeinen üblichen Tools und Applikationen zur Verfügung. Das "Hut"-Menü unter KDE und GNOME wurde gegenüber der Vorversion aufgeräumt und erscheint jetzt übersichtlicher.

Fazit

Linux bewegt sich unaufhaltsam in Richtung Desktop-Betriebssystem - und die großen Distributionen gehen mit. Die beiden Desktops GNOME und KDE erlauben mittlerweile auch dem technisch nicht so versierten Anwender ein bequemes und komfortables Arbeiten unter Linux. Immer besser werdende Hardware-Erkennung und die vereinfachte Installationsroutine tun ihr Übriges, um Linux immer weitere Anwendungsgebiete zu erschließen.

Red Hat kann noch nicht mit einem so hochintegriertem Installations- und Konfigurations-Tool wie etwa SuSEs YaST aufwarten - die verschiedenen "redhat-config-*"-Tools erfüllen aber einen ähnlichen Zweck.

Die BlueCurve-Technologie ist sicherlich diskussionswürdig. Es entsteht ein wenig der Eindruck, dass eine reine Anpassung des Look&Feels die beiden Desktops nicht wirklich näher aneinanderbringt: Bei entsprechend installierten Bibliotheken stellte es noch nie ein Problem dar, GNOME-Programme unter KDE auszuführen und umgekehrt.

Die Version 9 von Red Hat Linux ist aber sicher ein Schritt in die richtige Richtung, um dem ein oder anderen Betriebssystem-Hersteller ein paar User abzujagen.

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