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Mi, 9. August 2000, 00:00

Berlin

"Steve Jobs said two years ago that X is brain-damaged and it will be gone in two years. He was half right."
-- Dennis Ritchie

Berlin ist, wie X11, ein Fenstersystem. Allerdings unterscheiden sich die beiden in sehr vielen Aspekten. Dieser Artikel wird versuchen, einen Überblick über die Konzepte von Berlin zu geben.

Berlin

Wolfgang Jährling

Berlin

Berlin ist extrem modular. Zu jedem Zweck gibt es Plugins, die austauschbar sind. Die grafische Darstellung wird vom Server-Prozess übernommen, die Clients brauchen sich nicht um die Ausgabe zu kümmern, sondern können sich auf die Programmlogik konzentrieren (bei X11 müssen die Clients selbst bestimmen, was genau dargestellt werden soll).

Zur Bildschirmausgabe kann man das OpenGL-Modul verwenden. Da OpenGL ohne hardwareseitige Unterstützung aber recht langsam ist, kann man in diesem Fall ein LibArt-basiertes Plugin zur Bildschirmausgabe verwenden. Will man etwas drucken, leitet man es an das Postscript-Plugin, wodurch naturgemäß ein recht gutes WYSIWYG möglich ist (klar, auch hier steckt der Teufel im Detail, aber der Ansatz scheint vielversprechend).

Denkbar ist auch ein xlib-Plugin (ebenso ein Gtk-Plugin, Qt-Plugin, Motif-Plugin, ...), das eine Kompatibilität zu X11 ermöglicht, wobei die Geschwindigkeit der X11-Anwendungen nicht überragend wäre, da sie pixelorientiert sind und Berlin nicht.

Berlin arbeitet ausschließlich mit Vektorgrafik. Wenn man eine höhere Auflösung hat, sehen die Sachen daher nicht kleiner aus, sondern besser. Berlin verwendet wegen seiner Vektororientiertheit für Koordinaten Gleitkommazahlen.

Da der Server sich um die Darstellung am Bildschirm kümmert, ist es leicht, den Benutzer das Aussehen sehr frei konfigurieren zu lassen. Wenn eine Anwendung für irgendetwas ein ganz konkretes Aussehen erfordert, so hat diese Anwendung aber auch diese Möglichkeit. Ansonsten braucht sich ein Client nicht um die Darstellung zu kümmern und kann sich wie bereits erwähnt vollständig auf die Programmlogik konzentrieren. Letztendlich wird Berlin dadurch wesentlich abstrakter als X11.

Durch Unicode ist Berlin internationalisierbar und durch CORBA wird Netzwerktransparenz ermöglicht sowie Schnittstellen zu den verschiedensten Programmiersprachen hergestellt. Berlin-Anwendungen können problemlos in C++, Java, Python und Perl geschrieben werden. Berlin selbst ist in C++ geschrieben.

Derzeit betrachtet sich Berlin nicht als Konkurrenz zu bestehenden Fenstersystemen, sondern sieht sich als Testplattform für neue Wege.

Berlin zu installieren ist etwas aufwendig, da es einige Bibliotheken benötigt, die selbst noch nicht wirklich "stable" sind. So ist von LibArt beispielsweise eine Version aus dem CVS erforderlich.

Es gibt bereits einige simple Anwendungen für Berlin, z.B. eine (derzeit aber noch ziemlich rudimentäre) Terminal-Emulation.

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