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Mo, 10. Juli 2000, 00:00

Interview mit Jens Kiefer (frontsite AG)

Von none

hjb sprach mit Jens Kiefer, einem der drei Gründer und Geschäftsführer der frontsite AG.

hjb: Wie war der bisherige Messeverlauf für euch?

Jens Kiefer (JK): Teils, teils. Man muß immer einen gewissen Spagat zwischen dem Business und der Open Source Community machen. Einerseits muß man für die Kunden seriös genug wirken, andererseits darf man die Open-Source-Entwickler nicht aus den Augen verlieren, denn von deren Arbeit profitieren wir schließlich alle. Insgesamt sind wir mit der Messe sehr zufrieden.

hjb: Ist es schwierig, Kunden für Linux zu gewinnen?

JK: Die Situation im Serverbereich wird besser. Wir müssen den Kunden ein möglichst homogenes Netzwerk verkaufen, denn ein heterogenes Netzwerk bedeutet zu hohen Aufwand. Von daher ist es gut, daß es jetzt ein Journaling Filesystem oder solche Dinge wie HP OpenMail gibt. Von so etwas kann man die Kunden überzeugen, und wir haben das bei einigen Kunden im Einsatz, die sehr zufrieden sind. Man muß den Kunden die teilweise vorhandene Angst vor Linux nehmen, und das gelingt am besten, wenn viele Anbieter, größere wie kleine, am Markt sind.

hjb: Wie unterstützt ihr die Open-Source-Gemeinschaft?

JK: Zum einen durch einen Teil unserer Produkte, die unter GPL erhältlich sind. Zum andern hatten wir ein Gespräch mit Rock Linux, und es ist auch weiteres in der Richtung denkbar. Wir wollen die Entwickler fördern, denn je besser die Produkte, desto besser können wir sie den Kunden verkaufen. Open Source und Business sind durchaus vereinbar, wenn die Balance gewahrt bleibt.

hjb: Wie ist die Firmengeschichte von frontsite?

JK: frontsite wurde vor anderthalb Jahren von drei Leuten gegründet, die alle schon eigene Firmen hatten, alle schon nebenher Linux einsetzten, und Linux zur Hauptsache machen wollten. Der Firmensitz ist Frankfurt, was wegen seiner zentralen Lage ideal ist. Bei Bedarf bin ich in zehn Minuten am Frankfurter Flughafen und eine Stunde später in München. Wir haben Zweigstellen in der Türkei und in den USA. Weltweit haben wir ca. 75 Mitarbeiter. Wir wollen weitere Standorte in Deutschland eröffnen, was aber längere Zeit dauern wird, da wir nur dort Filialen aufmachen, wo wir auch mit Gewinn arbeiten können.

hjb: Es gibt schon lange eine türkische Distribution...

JK: Wir entwickeln derzeit eine eigene türkische Distribution. Das ist ein ganz anderer Kulturkreis als im Westen, da kann man schlecht mit einer englischen Distribution kommen.

hjb: Ihr habt euch als AG gegründet. Habt ihr Pläne, an die Börse zu gehen?

JK: Man denkt natürlich darüber nach. Vielleicht im nächsten Jahr, aber so ein Schritt muß gut überlegt sein, denn er kann eine Firma auch kaputt machen. Außerdem muß es auch Spaß machen.

hjb: Ich bedanke mich für das Gespräch.

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