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Mi, 14. Juli 2004, 00:00

Die RHCT-Zertifizierung

Die Prüfung zum Red Hat Certified Technician wird in diesem Artikel in den Zusammenhang zu anderen Prüfungen gestellt. Die Anforderungen und die persönlichen Erfahrungen des Autors mit der Prüfung werden beschrieben.

Vorwort

Im Verlauf des LinuxTages 2004 hatte ich die Möglichkeit, die Red Hat-Zertifizierung RHCT abzulegen. In diesem Artikel will ich diese Zertifizierung vorstellen und meine Erfahrungen mit der Prüfung beschreiben.

RHCT und andere Zertifizierungen

Die bekannteste Zertifizierung im Linux-Bereich ist die LPIC-Zertifizierung des Linux Professional Institute. Diese ist jedoch eine reine schriftliche Prüfung, bei der man mit bloßem Auswendiglernen schon recht weit kommen kann (bei LPI vielleicht weniger, aber es ist ein häufiger Kritikpunkt solcher Zertifizierungen). Red Hat hat demgegenüber ein eigenes Zertifizierungsprogramm entwickelt, das sich (mittlerweile) ausschließlich an der Praxis orientiert.

RHCT, RHCE und RHCA

Als erstes hatte Red Hat den Red Hat Certified Engineer (RHCE) konzipiert. Die Prüfung, um diese Zertifizierung zu erlangen, dauert nahezu einen ganzen Tag: Aktuell sieht der Plan zweieinhalb Stunden Fehlerbehebung und Systemwartung vor, dann eine Pause und danach drei Stunden Installation und Konfiguration. Diese Prüfung kostet 870 Euro.

Danach legte Red Hat den Red Hat Certified Technician (RHCT) auf, um der Nachfrage nach einer etwas weniger qualifizierten und billigeren Zertifizierung zu befriedigen. Die Anforderungen sind gegenüber dem RHCE etwas reduziert. Die Prüfung ist auf eine Stunde Fehlerbehebung und Systemwartung und zwei Stunden Installation und Konfiguration verkürzt. Dementsprechend dürften die Aufgaben auch etwas einfacher sein. Diese Prüfung kostet 435 Euro.

Ganz neu ist der Red Hat Certified Architect (RHCA), den man in Deutschland wohl erst ab Ende 2004 erwerben kann. Für diese Zertifizierung ist RHCE eine Voraussetzung. Ein RHCA soll in der Lage sein, ein Unternehmensnetz zu planen und zu verwalten. Dazu gehören auch automatische Installation, komplexere Netzwerkdienste auf den Servern usw. Die Preise sind noch nicht bekannt.

Sind die Red Hat-Zertifizierungen distributionsspezifisch?

Ja und nein. Das abgefragte Wissen ist, wie das nächste Kapitel noch zeigen wird, Allgemeingut unter Linux. Insofern sind die Zertifizierungen genauso distributionsneutral wie die LPI-Zertifizierung. Man darf aber nicht vergessen, daß die Prüfungen reine Praxisprüfungen sind und daß natürlich Distributionen von Red Hat (aktuell Red Hat Enterprise Linux 3) zum Einsatz kommen. Man sollte also wissen, wo in Red Hat Enterprise Linux 3 die Konfigurationsdateien zu finden sind, denn diese können ja durchaus bei verschiedenen Distributionen unterschiedlich liegen und auch unterschiedliche Inhalte haben. Auch was Red Hat sonst noch an Besonderheiten hat, sollte man in etwa wissen. Dazu muß man sich zuhause kein Red Hat Enterprise Linux 3 installieren, ein Fedora Core, oder möglicherweise das Lesen der Dokumentation, tut es ebenso.

Schwierigkeitsgrad

Die Prüfungen sind so angelegt, daß man sie nicht im Vorübergehen bestehen kann. Wenn man allerdings alles Wichtige beherrscht und die Nerven behält, schafft man sie auch. Mit einigen Jahren Linux-Erfahrung auf dem Buckel kann man den RHCT auch ohne Vorbereitung schaffen, sofern man eine Red Hat-Distribution schon einmal gesehen hat. Beim RHCE würde ich mich darauf nicht verlassen - der geprüfte Stoff ist zwar nur wenig mehr als beim RHCT, aber die Prüfung ist nahezu doppelt so lang und sollte auch etwas schwerer sein. Dementsprechend habe ich auch schon von rund zwanzig Prozent oder sogar höherer (bis sechzig Prozent) Durchfallquote gehört. Wenn die Durchfallquote unter zwanzig Prozent sinken sollte, wird Red Hat die Prüfung vermutlich schwieriger gestalten, zumindest ist das die erklärte Absicht.

Prüfungsinhalte

Anhand des RHCT and RHCT Exam Preparation Guide kann man sich darauf einstellen, was bei der Prüfung verlangt wird. Eine kurze Liste, die im Wesentlichen eine Übersetzung der obigen Seite ist:

  • Verwendung von Standard-Kommandozeilen-Tools
  • Verwendung von grep, sed und awk
  • Verwendung eines Editors auf der Konsole
  • Ein- und Ausgabeumleitung
  • Grundlagenwissen von TCP/IP-Netzen (IP-Adressen, Netzmasken und Gateways)
  • Verwendung von su und passwd
  • Verwendung von tar, gzip und bzip2
  • Konfiguration eines Email-Clients
  • Verwendung von Mozilla oder Links zum Zugriff auf HTTP/HTTPS-URLs
  • Verwendung von lftp zum FTP-Zugriff

Bei der RHCT-Prüfung kommen noch folgende Themen hinzu:

  • Booten des Systems in verschiedene Runlevel zur Fehlerdiagnose und Systemwartung
  • Erkennen und Beheben von falschen Netzkonfigurationen
  • Erkennen und Beheben von Namensauflösungs-Problemen
  • Konfiguration des X Window Systems und einer Desktop-Umgebung
  • Hinzufügen von neuen Partitionen, Dateisystemen und Swap zu existierenden Systemen
  • Verwendung von Standard-Kommandozeilen-Tools zur Analyse von Problemen und zur Konfiguration
  • Systeminstallation übers Netz
  • Vorgegebene Partitionierung einrichten
  • Drucker konfigurieren
  • Konfiguration von Aufgaben mit cron und at
  • Verbindung des Systems mit einem Netz-Verzeichnisdienst (NIS oder LDAP)
  • Konfiguration von autofs
  • Benutzer, Gruppen und Quotas hinzufügen und verwalten
  • Dateisystem-Permissions für Zusammenarbeit konfigurieren
  • RPMs installieren und Updates einspielen
  • Einen Update des Kernel-RPMs korrekt einspielen
  • Den Bootloader anpassen
  • Software-RAID bei der Installation oder danach anlegen
  • /proc/sys und sysctl verwenden, um Laufzeit-Parameter des Kernels zu ändern

Bei der RHCE-Prüfung kommen weitere Themen hinzu.

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