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So, 8. März 2009, 00:00

Debian GNU/Linux 5.0 »Lenny«

Der Zustand der Distribution

Dieser Artikel stellt Debian 5.0 »Lenny« mit einem Fokus auf die Neuheiten dieser Version vor. Die größte Linux-Distribution, die unabhängig von Firmen entwickelt wird, hat wie immer lange gebraucht für ihre neue Version. Ob sie ihren Qualitätsanspruch erfüllen kann, wollen wir ein wenig untersuchen.

Eine Auswahl der Zeitzone erfolgt nur, wenn keine Netzwerkverbindung besteht; ansonsten holt der Installer die Zeit von einem NTP-Server. Dann folgt der Teil der Installation, an dem man die meiste Zeit verbringen kann: Die Partitionierung. Wer die gesamte Festplatte für Debian verwenden und die Vorgaben des Installers akzeptieren will, der kommt aber auch hierbei mit vier Klicks auf »Weiter« zum Ziel (wobei man einmal das Formatieren der Festplatten durch Auswahl einer Option bestätigen muss). Als einfachste Variante wird das Anlegen einer einzelnen Partition (mit ext3 als Dateisystem) angeboten, was für Einsteiger, aber auch für viele andere Zwecke völlig ausreicht.

Die vier Optionen für die Partitionierung sind »geführt« mit normalen Partitionen, LVM oder verschlüsseltem LVM und »manuell«. Die »geführten« Varianten erlauben noch einige Varianten, aber keine großen Änderungen an den Vorgaben.

Wählt man dagegen die manuelle Partitionierung, so stehen sämtliche Optionen einschließlich RAID, LVM, Verschlüsselung, Auswahl der Dateisysteme und Mount-Optionen usw. zur Verfügung. Die Benutzerführung ist dabei im grafischen genau wie im Textmodus gewöhnungsbedürftig und etwas umständlich, aber man kommt zum Ziel. Verschwunden sind die Fehler früherer Versionen, die es bisweilen nötig machten, zur Konfiguration von LVM auf die Konsole zu wechseln. Ein kleines Manko der Partitionierung ist, dass beim Bearbeiten einer Partition keine Größenänderung möglich ist - diese lässt sich nur durch Löschen und Neuanlegen der Partition erreichen.

Das Einrichten einer verschlüsselten Partition dauert eine Weile, weil dafür die ganze Partition gelöscht (mit Nullen oder Zufallsdaten überschrieben) wird. Da man meist Passwort-Hashes, GPG- und SSH-Schlüssel auf der Platte ablegt und nie wissen kann, wer sich in fünf Jahren daran zu schaffen machen will, ist es hochgradig zu empfehlen, diese Option zu nutzen. Es ist auch möglich, die gesamte Festplatte zu verschlüsseln. In diesem Fall wird bei jedem Systemstart das Passwort verlangt, was für Systeme, die automatisch hochfahren sollen, eher ungünstig ist.

Installation des Grundsystems

Hans-Joachim Baader (hjb)

Installation des Grundsystems

Die Softwareauswahl

Hans-Joachim Baader (hjb)

Die Softwareauswahl

Direkt danach folgt die Installation des Grundsystems, die gerade genug Zeit lässt, den nächsten Pott Kaffee zu holen. Anschließend legt man ein Root-Passwort fest. Das System akzeptiert jedes noch so schwache Passwort und überlässt dem Benutzer die Verantwortung für angemessene Sicherheitsmaßnahmen. Auf dem folgenden Bildschirm gibt man den vollständigen Namen des ersten Benutzers ein, danach auf weiteren Bildschirmen den Benutzernamen und das Passwort. Dieses Benutzerkonto besitzt keine besonderen Rechte. Es sollte zum normalen Arbeiten mit dem System verwendet werden.

Die nächsten Schritte bestehen aus der Konfiguration des Paketmanagers mit dem optionalen Fortsetzen der Installation von weiteren CDs oder DVDs, Auswahl eines Debian-Spiegelservers zum Download weiterer Pakete und Angabe eines HTTP-Proxys, falls gewünscht. Danach erfolgt eine grobe Auswahl der zu installierenden Software, die mittels tasksel realisiert ist, das man nach der Installation natürlich auch noch aufrufen kann. Wer eine schnelle Installation möchte, wählt hier alle Punkte ab, denn was man noch installieren will, kann man später hinzufügen. Vorgegeben sind jedoch »Standard« und »Desktop-System«. Diese Vorgaben führen dazu, dass der Standard-Desktop von Debian installiert wird, und das ist GNOME. Wenn man nur die erste CD aus dem CD-Satz der Distribution verwendet, ist GNOME aus Platzgründen auch die einzige Option. Wer GNOME nicht installieren will, sollte mit den alternativen ersten CDs (die es als KDE- und Xfce-Variante gibt) oder mit der ersten DVD booten, oder eben alle Optionen abwählen.

Wenn zusätzliche Software ausgewählt wurde, wird diese nun installiert und automatisch konfiguriert. Während dieser Zeit, die je nach Installationsmedium und Softwareumfang ganz unterschiedlich sein kann, muss man nicht zugegen sein, denn es sind keine weiteren Eingaben erforderlich. Die Installation erfolgt noch ganz traditionell in dem Sinne, dass kein vordefiniertes Image auf die Platte kopiert, sondern jedes Paket einzeln entpackt wird. Sie läuft entsprechend langsamer ab als eine Image-basierte Installation.

Insgesamt ist die Installation, wenn man weitgehend den Vorgaben folgt, einfach und schnell. Man merkt aber, dass die grafische Installation eine 1:1-Umsetzung der textbasierten ist. Die Möglichkeit, mehrere Abfragen auf einer Bildschirmseite zusammenzufassen, wurde nicht genutzt. Allein bei der Eingabe des Root-Passworts und dem Anlegen des Benutzers hätte man drei von vier Bildschirmen einsparen können, ebenso an anderen Stellen. Der dadurch verursachte Zeitverlust ist im Normalfall unbedeutend, aber auf sehr leistungsschwachen Rechnern könnte er bemerkbar sein.

Update

Das Update einer bestehenden Debian-Installation ist nicht nur möglich, sondern wird sogar anstelle einer Neuinstallation empfohlen. Dabei gibt es allerdings einige Einschränkungen. So können installierte Pakete aus externen Repositorien (darunter auch debian-backports) Probleme bereiten. Dennoch kann man zunächst das Update normal probieren; sollten Probleme auftreten, kann man die betroffenen Pakete entfernen und später ggf. in einer neueren Version wieder installieren.

Auch ohne externe Pakete wird ein direktes »aptitude dist-upgrade« meist nicht zum Erfolg führen und beispielsweise viele Pakete zum Entfernen vorschlagen, die man eigentlich behalten will. Die Lösung ist ein Update in zwei (oder mehr) Schritten, bei dem man zuerst apt und aptitude aktualisiert. Das Handbuch empfiehlt aptitude statt apt, da ersteres Abhängigkeiten besser auflösen soll. Prinzipiell bleibt aber auch apt verwendbar.

Natürlich wird ein Update nur von der direkten Vorgängerversion 4.0 »Etch« unterstützt. Alle Einzelheiten zum Update sind in einem eigenen Kapitel der Release-Notes ausführlich erläutert.

Laufender Betrieb

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