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Mi, 11. September 2002, 00:00

Installation von Debian GNU/Linux auf einer SGI Indy

Linux auf einer SGI-Workstation - bis vor kurzem hatte ich Bedenken, daß dies durch die mangelnde Hardware-Unterstützung kein Fortschritt gegenüber dem standardmäßig mitgelieferten IRIX sei. Doch da die vorhandene IRIX-Version bei mir allmählich wirklich alt wird und ich gesehen habe, daß Linux immerhin weitgehend, wenn auch nicht perfekt läuft, beschloß ich, die Installation zu wagen.

Vorwort

Ein anderer Grund, warum ich mit der Installation so lange gewartet habe, war, daß ich mir nicht die Komplikation eines Dual-Boot aufbürden wollte. Zumal ich nur eingeschränkte Festplatten-Kapazität zur Verfügung hatte. Die Installation von Linux mußte also eine endgültige Maßnahme sein, es würde keinen Weg zurück geben. NetBSD auf der Indy ist derzeit noch keine Alternative, es würde bestenfalls mit der seriellen Konsole laufen.

Mein System ist eine Indy mit MIPS R4000 CPU, 64 MB RAM, zwei SCSI-Festplatten (600 MB und 4 GB) und einer Newport XL-Grafikkarte mit leider nur 8 Bit Farbtiefe. Diesen Artikel schreibe ich in erster Linie deshalb, weil die im Internet verfügbare Installations-Information sehr verteilt und auch teilweise falsch ist. So falsch, daß die Installation zwangläufig scheitert.

Bootmethoden

Manche Indys haben Floppy- oder CD-Laufwerke. Meine hat dies nicht, so daß nur ein Booten übers Netz für die Installation in Frage kommt. Dazu muß man einen BOOTP-Server (meist in Form des DHCP-Daemons von ISC) und einen TFTP-Server einrichten.

Details zur Einrichtung gibt das HOWTO von Debian. Dort findet sich auch die Anweisung, auf dem Server, sofern es ein Linux-Rechner ist, das Kommando

echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/ip_no_pmtu_disc

auszuführen, da die Indy andernfalls nicht booten könne. Bei mir war die Variable bereits auf 1 gesetzt. Ich habe nicht getestet, ob es auch ohne diese Maßnahme geht.

DHCP-Server

Die Einrichtung des DHCP-Servers fiel mir leicht, da ich bereits ähnliche Einträge für andere Rechner in meiner Konfigurationsdatei hatte. Der neue Eintrag muß so aussehen:

host indy {
 filename "id.img"; # in /tftpboot
 hardware ethernet 08:00:69:07:aa:15;
 fixed-address 192.168.2.12;
 server-name "server";
 option host-name "indy";
 option domain-name "test.de";
 option domain-name-servers 192.168.2.1;
 option routers 192.168.2.1;
}

Ersetzen Sie Dateiname, Hardware-Adresse, IP-Adressen, Servername, Hostname und Domain durch passende Werte. Die Hardware-Adresse finden Sie heraus, wenn Sie die Indy booten, den Bootvorgang stoppen, in den PROM-Monitor gehen und dort printenv eaddr eingeben.

Genaueres zur Konfiguration von DHCP ist in meinem DHCP-Artikel zu finden.

TFTP-Server

Der TFTP-Server wird über inetd oder xinetd gestartet, je nachdem, was installiert ist. Der Eintrag für xinetd sieht bei mir so aus:

service tftp
{
 socket_type = dgram
 protocol = udp
 wait = yes
 user = root
 server = /usr/sbin/in.tftpd
 server_args = /usr/local/boot
}

Je nach verwendetem TFTP-Server sind die Zeilen »server« und »server_args« anzupassen.

Jetzt bleibt noch, das Bootimage von Debian herunterzuladen und in dem unter »server_args« angegebenen Verzeichnis zu deponieren. Ich benannte es der Einfachheit halber um in id.img. Es handelt sich um ein Image für Woody, also Debian 3.0.

Bootversuche

Nun sollte man laut der Debian-Anleitung die Box booten und in den PROM-Monitor gehen. Dort kann man sich mit printenv die definierten Variablen ausgeben lassen. Dann soll man mit setenv netaddr a.b.c.d die Adresse des Rechners setzen. Dann durch Eingabe von bootp()/id.img (so sollte der an meine Verhältnisse angepaßte Befehl lauten) booten. Doch es tat sich nicht viel, der Bootvorgang hing. Ich sah im Netzwerk-Sniffer, daß die Indy viermal einen BOOTREQUEST sandte und vom Server viermal eine Antwort erhielt. Doch die SGI-Maschine reagierte nicht darauf. Es kam dann zu einer Fehlermeldung "No server found for image". Ich probierte etliche Variationen durch, alle mit demselben Fehler.

Die Lösung fand sich schließlich im MIPS-FAQ: dhcpd Version 2 hat einen Bug, der genau dieses Problem verursacht. Die Abhilfe besteht im Löschen der IP-Adresse im PROM-Monitor:

unsetenv netaddr

Nun startete tatsächlich der Dowload des Images, aber nur, um mittendrin hängen zu bleiben. Wiederum half das MIPS-FAQ weiter. Es handelt sich um einen Bug in der Firmware. Wenn man als Server Kernel 2.3 oder neuer einsetzt, dann muß man den Bereich der lokalen TCP-Ports begrenzen:

echo 2048 32767 > /proc/sys/net/ipv4/ip_local_port_range

Spätestens jetzt sollte die Kiste in die Debian-Installation booten.

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