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So, 28. November 2004, 00:00

Migration der Spedition Diehl

Wie Linux die IBM iSeries mit neuem Leben füllt

Die Spedition Diehl fährt seit Januar mit der IBM iSeries und zwei Linux-Partitionen die gesamte Unternehmens IT auf einer Maschine. Die iSeries ist Applikationsserver, Datenbank, Firewall, Mailserver, Printserver und vieles mehr in einem. Server-Konsolidierung wie in der Werbung! Alle Geräte kommen raus und nur noch eine Maschine kommt rein.

Einleitung

Wie kommt man dazu die, Werbung so wörtlich zu nehmen? Mittelständische Unternehmen sind in besonderer Weise darauf angewiesen, die IT-Systemkosten im Griff zu behalten. Sie stehen ständig im extremen Wettbewerb und achten daher auf die Entwicklung der Kosten eines Systems und die damit verbundene Produktivität. Kaum jemand kann und will es sich leisten, den kostenpflichtigen Update-Zyklus von Softwareherstellern mitzumachen, da der Aufwand den Produktivitätszuwachs in der Regel bei weitem überschreitet. Auch ist der immer größer werdende Aufwand zum Betrieb einer PC-Landschaft nicht mehr hinnehmbar. Die Denkweise von mittelständischen Unternehmen ist also von anderen Parametern bestimmt. Der Betrieb eines IT-Systems dominiert in der Betrachtung. Für viele hat in der Vergangenheit die IBM AS/400 oder heute eServer i5 bereits die Anforderungen an das IT-System erfüllt. Seitdem das plattformeigene System OfficeVision nicht mehr zur Verfügung steht, haben sich die Unternehmen jedoch zwangsläufig mit PC-Systemen (in der Regel Windows-Systeme) beschäftigen müssen, die ihnen jedoch nicht so richtig ans Herz gewachsen sind.

Der Ansatz für Server-gestütztes Arbeiten (oder Server based Computing) war und ist in seiner besonderen Form mit der IBM eServer iSeries vielfach die Basis einer sinnvollen IT-Umgebung in diesen Unternehmen geworden.

So auch bei der Wilhelm Diehl Internationale Spedition GmbH & Co. KG mit Sitz in Esslingen bei Stuttgart. Für die 320 Mitarbeiter sind Flexibilität und Zuverlässigkeit bei der Abwicklung ihrer vielfältigen Aufgaben oberste Priorität. Tag für Tag ist die Diehl-Spedition flächendeckend in Europa unterwegs und befördert als Full-Service-Anbieter die Sendungen und Frachten mit der vom Markt geforderten Flexibilität 24/6.

Das Problem oder die Herausforderung?

Von den Mitarbeitern der Diehl-Spedition sind 110 Mitarbeiter IT-Nutzer in den verschiedenen Bereichen, Inlandslogistik, Export und Importlogistik, Lagerlogistik, Vertrieb, etc. tätig. Die Aufgaben der Mitarbeiter sind in allen Bereichen die typischen Büroaufgaben. Seit 1989 wurde dazu eine IBM AS/400 mit Terminals eingesetzt. Lediglich einzelne Arbeitsplätze wurden mit PCs ausgestattet, die dann über einen entsprechenden Zugriff auf die Maschine verfügten. Der größte Teil der Mitarbeiter - ca. 90% - nutzt die auf der iSeries laufenden Applikationen, um das komplette Tagesgeschäft darüber abzuwickeln.

Doch immer mehr Mitarbeiter mussten die Möglichkeit erhalten, die modernen Kommunikationsmittel Internet und Email zu nutzen. Ebenso breitete sich die Anzahl der Arbeitsplätze aus, an denen Office-Funktionalitäten gebraucht wurden. Man konnte absehen, dass die 1,5 Personen der »IT-Abteilung« in sehr überschaubarer Zeit nicht ausreichen würden, um den Ausbau einer herkömmlichen PC-Umgebung zu bewerkstelligen. Deshalb wurde bei Diehl über eine Neugestaltung und Erweiterung der Infrastruktur nachgedacht.

Das größte Problem war dabei die Verkabelung. Die Twinax-Verkabelung (Koaxial-Kabel) für die Terminals und PCs war vor 15 Jahren installiert worden. Inzwischen waren die Kabelkanäle randvoll und auch mit anderen Verkabelungen belegt.

Die Prozesskette, die über die iSeries informationstechnisch abgewickelt wird, ist zu ca. 95% mit den Erlösen des Unternehmens verbunden. D.h. alle anderen Aufgaben und die dafür notwendige IT-Struktur tragen nur zu ca. 5% zum Unternehmenserfolg bei. Der bisher mit der iSeries verfolgte zentrale Ansatz der Datenhaltung, der Sicherung, der Administration und Softwarepflege hatte ebenfalls seine Spuren hinterlassen. Dieser Sachverhalt verbunden mit dem geringen Aufwand für den Betrieb des Systems, der Skalierbarkeit und der Stabilität einer iSeries hatten diese Serverarchitektur zum »Zugpferd« werden lassen. Die iSeries stand also auf keinen Fall zur Disposition.

Die Entscheidung

Mit dieser Ausgangssituation wurde das Beratungsunternehmen, die Firma advantegy GmbH von dem IT-Verantwortlichen, Herrn Hermann Schnaidt, seines Zeichens Prokurist der Firma Diehl, konfrontiert.

Das Thema der Verkabelung wurde zuerst angegangen. Der Aufwand für eine solche Neuverkabelung mit entsprechenden Netzwerkkomponenten über das weitläufige Gelände in Esslingen wurde mit ca. 160.000 EUR beziffert. Der Kostenvergleich neue Verkabelung versus Einsatz von Wireless LAN (ca. 80.000 EUR) machte schnell deutlich, dass WLAN hier die erste Wahl sein würde. Eine zweiter wesentlicher Parameter war die Prämisse der IT-Verantwortlichen, dass die iSeries als führendes System erhalten bleibt. Als dritter wesentlicher Parameter war dann noch die Vorgabe gemacht worden, durch das neue System kein zusätzliches IT-Personal aufzubauen.

Die advantegy GmbH bot der Firma Diehl zwei Alternativen für den gewünschten zentralen Ansatz an. Eine Lösung mit Windows und Citrix Metaframe und ein Linux on iSeries-Konzept unter Verwendung der Lösung natural.DESKTOP für IBM iSeries der Firma natural computing GmbH.

Für die Citrix-Variante sollten verschiedene Server die speziellen Funktionen (Citrix-Server für das Office-Paket, Browser, Email, Firewall und Proxyserver, Windows Printserver, PDC etc.) zur Verfügung stellen. Als Groupware-Lösung sollte dann Lotus Notes mit einem Domino-Server genutzt werden, der auf der vorhandenen »aufzurüstenden« iSeries laufen sollte. Das Konzept war zwar mit dem Aufbau von mehreren Servern verbunden, bot jedoch sonst den gewünschten, sehr zentralistischen Ansatz.

Als zweite Variante wurde der Einsatz des natural.DESKTOP für IBM iSeries angeboten. Bei diesem Konzept sollte eine neue iSeries mit LPAR-Fähigkeiten (logische Partitionierung) zum Einsatz kommen, auf der als einziger Maschine die gesamte IT-Infrastruktur laufen würde. Eine Partition würde wie bisher alle OS/400 (jetzt iOS)-Applikationen über die 5250-Emulation auf den Thin Clients zur Verfügung stellen. Die beiden Linux-Partitionen sollten neben Firewall und Proxy-Server auch Applikationsserver für Desktop, OpenOffice.org, Mozilla (Browser), GIMP, pdf-viewer, Printserver, OpenGroupware.org-Server, Datenbankserver (PostgreSQL) und Webserver für OpenGroupware.org, etc. bieten. Über den im natural.DESKTOP-Konzept enthaltenen natural.DESKTOP.manager würden die Benutzerprofile der iSeries auch für die Anmeldung am Applikationsserver unter Linux zur Verfügung stehen, ohne sie neu administrieren zu müssen. Nebenbei könnte das OS/400 die Sicherung der Daten der beiden anderen Partitionen übernehmen und somit das bisher eingesetzte Sicherungskonzept ohne Probleme sowohl für die Daten der Benutzer als auch für die Konfiguration der Linux-Partitionen übernommen werden.

Nach einer kurzen Zeit der Überlegung entschied man sich für die Linux on iSeries-Variante, die zwar teurer in der Hardware-Ausstattung der Server-Seite war, jedoch eine hoch integrierte Funktionalität zur Verfügung stellte und mit geringsten Lizenzkosten (nur für das Management-Werkzeug und die Firewall) auskam. Für beide Konzepte sollten Thin Clients an den Arbeitsplätzen stehen. Am 25.9.2003 erfolgte die Beauftragung der advantegy GmbH als Generalunternehmer, die mit den Partnern die Arbeiten am 15. Oktober 2003 begannen.

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