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So, 2. September 2001, 00:00

O'Reilly Open Source Convention

Wenig spektakulär - Kein Showdown auf der Open Source Convention.

Nach vier Tagen anstrengender Pressearbeit auf der 11. Borland Conference machte ich mich auf den Weg nach San Diego, wo die O'Reilly Open Source Convention stattfand. Ich wollte unbedingt dabei sein, wenn der Chef-Stratege von Microsoft, der gelegentlich das Weiße Haus oder den Amerikanischen Kongress berät, den smarten Jungs der Open-Source-Bewegung und ihrem selbsternannten Sprecher Tim O'Reilly begegnet. Es war nicht das erste Mal, dass die Leute miteinander - oder sollte man besser sagen gegeneinander? - diskutierten, aber bisher waren die Differenzen in offenen Briefen oder einzelnen Reden auf Konferenzen ausgetragen worden, und in San Diego nun saßen sich die Kontrahenten gegenüber und verteidigten ihre Standpunkte. Craig Mundie bekam den ersten Aufschlag...

Microsoft - Old Economy für die neue Welt!

Craig Mundie erläuterte die altbekannten Microsoft-Positionen

Masoud Kamali

Craig Mundie erläuterte die altbekannten Microsoft-Positionen

Der Auftritt von Craig Mundie gestaltete sich ähnlich wie der des ehemaligen BDI-Chefs Henkel in der Talkshow von Sabine Christiansen: Mundie erzählte karg, wie viel Umsatz Microsoft macht, dass 50.000 Leute beim Unternehmen beschäftigt seien, Microsoft dafür sorge, dass viel, viel Geld aus der ganzen Welt in die USA fließe und schließlich, dass das Unternehmen jährlich rund zwei Milliarden Dollar an den amerikanischen Fiskus zahle. Microsoft ist laut Mundie ein führender Motor für 140.000 Unternehmen mit zwei Millionen Beschäftigten in den USA. Im Endeffekt betonte Microsofts Chefstratege, dass er das geistige Eigentum seines Unternehmens beziehungsweise die Interessen der Aktionäre schützen müsse und man es sich deshalb nicht erlauben könne, mit dem Open-Source-Gedanken zu experimentieren. Außerdem wahre Microsoft die Interessen einer sehr großen Community von zehn Millionen Entwicklern.

Rote Hüte sorgten für Gewerkschaftsflair

Michael Tiemann von Red Hat ging schließlich mit dem obligatorischen roten Hut ans Rednerpult. Da Red Hat an die Zuhörer ebenfalls so manche rote Kopfbedeckung verschenkt hatte, erinnerte das Auditorium an Kumpels und Tiemann selbst an einen Gewerkschaftsfunktionär. Irgendwie passte das Bild auch zu seinem Standpunkt. Tiemann warf Microsoft Machtmissbrauch vor und plädierte für mehr Chancengleichheit für Unternehmen, die auf Open Source setzen, etwas, das man in Europa und besonders in Deutschland als Aufgabe des Staates ansehen würde. Tiemann bedankte sich bei Microsoft aber auch für die massive Unterstützung und Implementierung des XML-Standards.

Rote Hüte sorgten für Gewerkschaftsflair

Masoud Kamali

Rote Hüte sorgten für Gewerkschaftsflair

Die Standpunkte der beiden Redner änderten sich beim anschließenden Round Table Gespräch nicht. Beim Q&A wurde Microsoft von verschiedenen Anwesenden scharf kritisiert. Die Free Software Foundation ging in die Offensive und lud Craig Mundie zu einer eigenen Veranstaltung ein. Damit wollten die Open-Source-Puristen rund um Richard Stallman dem Microsoft-Strategen die Philosophie hinter Open Source näher bringen.

Es ist kein Geheimnis, dass diese Puristen der Freien Software Red Hat und viele andere Open-Source-Companies für halbherzig halten: Schließlich ist die Maxime eines jeden Unternehmens, möglichst viel Geld zu verdienen, und dies gelingt auch einigen Open Sourcelern, die dann ebenfalls ihre Macht spielen lassen können.

Die Open Source Convention war im Gegensatz zum vergangenen Jahr wenig spektakulär, die Ausstellung sehr dürftig. Viele Unternehmen, die letztes Jahr dabei waren, sind inzwischen entweder bereits pleite oder müssen sparen. Die Stände der Big Player wie IBM, HP oder Sun waren die größten. Rund 1.700 Konferenzteilnehmer konnten an den zahlreichen parallelen Sessions zu Themen wie Perl, Mozilla, Apache, XML, Tcl/Tk, Linux, Zope, Python und PHP teilnehmen. Was die Qualität der Sessions angeht, kann man annehmen, dass sie so gut waren wie im Vorjahr: Sie wurden zum größten Teil von den Urhebern der Technologien geleitet.

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