KDE Compile HOWTO
Vorwort
Ich habe so oft gehört, dass die Qualität der KDE-RPMs vom Distributor abhängt, dass ich mich entschlossen habe, ein Mini-HOWTO zu schreiben, wie man KDE selber kompilieren kann. Im Linux-Magazin gab es auch eines für GNOME und der Artikel auf Pro-Linux für KDE ist auch schon eineinhalb Jahre her... Diese Anleitung erhebt nicht den Anspruch an Vollständigkeit und Fehlerfreiheit, ich hoffe jedoch, sie reicht den meisten Leuten, um KDE selber kompilieren zu können.
Nicht Bestandteil dieses HOWTOs ist das Erstellen eines Shellskripts zum automatisierten Kompilieren, das Kompilieren von Qt, sowie das Besorgen der Quellcodes aus dem CVS.
Ein Nachteil des Selbst-Kompilierens ist, dass Distributor-eigene Erweiterungen, z.B. im Kontrollzentrum, nicht dabei sind. Man könnte sie natürlich reinpatchen, aber dieses HOWTO darf ein anderer schreiben ;-)
Vorteile sind z.B. der MP3-Support beim Audio-CD-Grabben im Konqueror, sowie Geschwindigkeitsoptimierungen.
Vorbereitung
1,5 GB an Plattenplatz müsste reichen, ich habe es so genau nie nachgeprüft :-)
Man muß folgende Umgebungsvariablen (z.B. in /etc/profile o.ä.) setzen:
export QTDIR=/usr/lib/qt3 export KDEDIR=/opt/kde3
optional, um Pentium II-optimiert zu kompilieren:
export CXXFLAGS="-O2 -march=i686" export CFLAGS="-O2 -march=i686"
Folgende Sachen müssen installiert sein (bei rpm/deb auch die devel-Pakete), meistens gilt je neuer, desto besser (in seltenen Fällen funktioniert die neueste Version nicht).
- Für KDE 3 Qt 3.0.3, für KDE 2 Qt 2.3.2
- libxml2 >=2.3.13
- libxslt >=1.0.7
- neueres automake
- neueres autoconf
- gcc-2.95.x (evtl. gcc-3.0.4)
Folgende Sachen können installiert sein (auch die devel-Pakete):
- für Java im Konqueror: IBM oder Blackdown JRE 1.3, Sun JRE 1.4 soll auch funktionieren
- für https bei Java: Sun JSSE 1.0.2 (dieses plaziert man in java/lib/ext und registriert diesen Pfad bei den Plugins)
- für https-Verbindungen ein aktuelles openssl >= 0.9.6a
- motif oder lesstif für Netscape-Plugin-Support im Konqueror
- cdtools/cdparanoia für das Audio-CD-Grabben im Konqueror
- Ogg Vorbis >= 1.0rc1 und lame >= 3.87 für Ogg- und MP3-Support beim Grabben
- libbz2 für .tar.bz2-Support im Konqueror
- libpcre für besseren Javascript-Support im Konqueror
- GhostScript >=6.50 für PostScript/PDF support
- CUPS >= 1.1.9 für besseres Druckmanagement
- gphoto2 >=2.0.1 für die Zusammenarbeit mit Digitalkameras
- SANE für Scanner-Unterstützung
- lm-sensors für Hardwareüberwachung
- mtools, um die Floppy mit floppy:/ anzusprechen
- GnuPG oder PGP für email- und Dokumenten- Ver- und Entschlüsselung
- SDL >= 1.2.0 für einige Noatun-Plugins
- ALSA für bessere Audio-Unterstützung
- libaudiofile, um .WAVs abzuspielen
Bei Nichterfüllen von Anforderungen gibt es in der Regel ausführliche Anweisungen, was man benötigt.
Konfigurieren, Kompilieren, Installieren
Alle drei Sachen muß man in dieser Reihenfolge nacheinander erledigen: arts, kdelibs, kdebase, alle anderen Pakete (kdeaddons nach kdemultimedia). Die Pfade sind nur Vorschläge und können durchaus vollkommen anders sein.
Konfigurieren mit:
./configure --prefix=/opt/kde3 --with-qt-dir=/usr/lib/qt3 [--...]
- "--enable-debug" sorgt für mehr Informationen bei einem Backtrace nach einem Absturz. Die Dateien werden dadurch jedoch viel größer. Für schwache Systeme also nicht zu empfehlen.
- "--disable-debug" für Leute, die keine Bugreports schreiben wollen.
- "--enable-objprelink" sorgt für ein bisschen mehr Geschwindigkeit, ist aber eine experimentelle Übergangslösung. Das Programm
objprelinkmuss dafür installiert sein. - "--enable-fast-malloc=full" bringt ebenfalls mehr Geschwindigkeit (experimentell).
- "--enable-final" erzeugt kleinere Dateien (experimentell).
- "--with-xinerama" sollte man benutzen, wenn man zwei Bildschirme benutzt.
Kompilieren mit:
make (dauert z.B. ca. 1-4 h für kdebase)
Installieren als root mit:
make install (notwendige Dateien werden nach "prefix" kopiert)
Nachsorge
Die Umgebungsvariable KDEHOME bestimmt, wohin die persönlichen Konfigurationsdateien kommen. z.B. /home/username/.kde3.
/usr/lib/qt3 und /opt/kde3/lib in /etc/ld.so.conf (SuSE) eintragen und ldconfig ausführen und /opt/kde3/bin zum PATH (z.B. in /etc/profile o.ä.) hinzufügen.
Um Plugins anderer Browser im Konqueror nutzen zu können, sollte man nachschauen, ob deren Plugin-Verzeichnisse registriert sind (Kontrollzentrum -> Web-Browser -> Netscape-Plugins). Bei mir war z.B. die Umgebungsvariable MOZILLA_HOME nicht gesetzt, wohl aber MOZILLA_FIVE_HOME.
Braucht man eine KDE-Applikation garantiert nie, kann man in das entsprechende Verzeichnis in den Quellen gehen und "make uninstall" ausführen. Doch Vorsicht bei Teilen von kdebase und kdelibs!
Ich hoffe, jetzt trauen sich mehr Leute an dieses "Abenteuer" heran, es sieht vielleicht schwerer aus als es ist. Ich habe viel mit RTFM und Trial & Error gearbeitet, um so weit zu kommen.
Viel Erfolg!
Links
alter Artikel auf Pro-Linux
Installing KDE from source (incl. Anleitung für Qt)
Running KDE 2.x and KDE 3.x together
KDE Compilation FAQ
ausführliche Liste installierbarer Zusatzprogramme
Konqueror + Java HOWTO
kde-config FAQ
FTP-Server des KDE-Projekts
Mirrors des FTP-Servers des KDE-Projekts

