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Do, 1. August 2002, 00:00

Editorial: Weg von Kernel, hin zu Applikationen

Nicht immer ist mein täglicher Streifzug bei Freshmeat sonderlich interessant. Natürlich gibt es immer haufenweise Applikationen, aber das meiste davon ist einfach nichts, was mich oder den durchschnittlichen Computerbesitzer interessieren würde. Was nicht heißen soll, daß diese Applikationen nichts taugen.

Aber vor kurzem fand ich gleich drei bemerkenswerte Ankündigungen auf einmal.

Da ist zum einen Clam Antivirus, ein Virenscanner unter GPL-Lizenz. Zwar war mir bekannt, daß so etwas in Entwicklung ist, und es gibt auch ein Java-Projekt namens Open Antivirus. Dessen Daten verwendet Clam übrigens, so daß hier keine doppelte Entwicklung nötig ist. Und da Java, in den momentanen Implementierungen zumindest, viel zu fett und langsam ist, ist das in C implementierte Clam eine große Bereicherung.

Auch wenn die Viren-Datenbank noch recht klein scheint, ist das eine erfreuliche Entwicklung. Erstens könnten die Benutzer dann endlich unabhängig von den Herstellern kommerzieller Antiviren-Software werden, die allen Grund haben, jedes Viren-Ereignis hochzuspielen und vielleicht gar die Entwicklung neuer Viren fördern. Und zweitens zeigt sich hieran, daß es auch möglich ist, bisher als »hoffnungslose Fälle« geltende Projekte als Open Source zu verwirklichen. Es müssen einfach viele Leute dazu beitragen, denn selbst der kleinste Beitrag kommt einer großen Zahl von Benutzern zugute.

Desweiteren fiel mir Fle3 ins Auge, ein Web-basiertes Lernsystem. Es läuft auf dem Webserver, benötigt Zope und ist bereits in mehreren Sprachen, darunter Deutsch, erhältlich. Lediglich eine Datei ist zu übersetzen, um das Programm an weitere Sprachen anzupassen.

Fle3 besteht aus drei getrennten Programmen und unfangreichen Admin-Funktionen. Wie das Programm genau funktioniert, weiß ich nicht, es ist ja auch nicht mein Gebiet. Erfreulich ist aber, daß auch die Europäische Kommission, Regierungen und andere Behörden die Zeichen der Zeit erkannt haben und dieses GPL-Projekt fördern. Schon vor langer Zeit wurde der Mangel an Schul- und Ausbildungssoftware für Linux erkannt und engagierte Entwickler leiteten Gegenmaßnahmen ein. Allmählich scheinen diese doch merklich Früchte zu tragen.

Erstaunlich auch, daß es mit Practical Tax nun auch ein GPL-Programm gibt, das die Einkommensteuer berechnen und Formulare drucken kann. Zwar ist das Programm nur für die USA relevant, und ist wohl auch noch nicht auf dem Level professioneller Programme, doch wie bei Cram gilt auch hier: Wenn viele nur eine Kleinigkeit beitragen, dann kann daraus etwas mehr als Brauchbares entstehen. Und wenn das in den USA geht, warum dann nicht auch bei uns?

Sicher ist das noch nicht der große Durchbruch, aber diese Beispiele zeigen, wohin die Reise geht. Der Kernel (6 Monate zwischen den letzten beiden stabilen Versionen), systemnahe Programme und Desktops sind so ausgereift, daß jetzt den Applikationen mehr und mehr Augenmerk gilt. Für Entwickler hat Linux als Plattform den Vorteil, daß alle Tools frei sind und gleich mitgeliefert werden. Ob diese Tools für Großprojekte ausreichend sind, sei dahingestellt, für Hobby-Programmierer, die schließlich einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung von Applikationen haben, entfällt aber so die Hemmschwelle, erst einmal einen Compiler kaufen zu müssen. Und die meisten freien Tools für proprietäre Systeme sind von Linux/UNIX-Programmen abgeleitet, was Entwickler zumindest zu einem gewissen Grad dazu bringen sollte, portabel zu programmieren. Damit ist es sogar fast egal, ob jemand unter einen freien System oder einem proprietären entwickelt, Hauptsache, das Resultat ist frei. Und nicht nur kostenlos.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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