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Mi, 1. August 2001, 00:00

Editorial: Ein ungewöhnliches Betriebssystem

Es ist schon immer so gewesen, dass Leute erst einmal alles ablehnen, was sie nicht kennen. Dieses Verhaltensmuster findet man auch bei heutigen Netzbewohnern. Viele bezeichnen die virtuelle Außenwelt abfällig als "Realität" oder "Real Life", werden damit aber den Qualitäten des Betriebssystemes nicht gerecht, auf dem diese Welt läuft. Die wenigen Netzbewohner, die sich überhaupt damit befassen, werfen üblicherweise lediglich einen Blick auf dessen grafische Oberfläche und beurteilen das Gesamtsystem nur danach.

Sicherlich ist die GUI nicht besonders gut. Jeder, der mit ihr Kontakt hatte, kann bestätigen, dass man mehrere Jahre braucht, um ihre Bedienung zu erlernen. Und weil es keinen brauchbaren, übersichtlichen Dateimanager gibt, passiert es selbst erfahrenen Benutzern immer wieder, dass sie Dateien (in der Fachsprache "Gegenstände" genannt) nicht mehr finden, oder nur nach langem Suchen. Dokumentation wurde überhaupt keine mitgeliefert, doch geübte Anwender haben sich im Laufe der Jahrhunderte die Mühe gemacht, die verschiedenen Bereiche zu erfassen, aber selbst grundlegende Features sind teilweise noch undokumentiert und niemand weiß, wie sie genau funktionieren. Die Geschwindigkeit der GUI ist, mit einem Wort: inakzeptabel.

Es ist in Anbetracht dieser Defizite nur verständlich, dass die meisten Leute andere Systeme vorziehen, doch es gibt auch Eigenschaften, die geradezu unglaublich erscheinen. Bei dem System handelt es sich selbstverständlich um ein Unix-System, denn eine Uptime von mehreren Millarden Jahren erreicht nur ein eben solches.

Als Unix besitzt es selbstverständlich auch einen Terminal-Modus. Mir ist es nun nach langer Zeit gelungen, in diesen zu gelangen. Leider konnte ich den Weg dorthin nicht reproduzieren (was klar machen sollte, wie misslungen die Benutzerführung ist), weswegen ich derzeit keine Anleitung dazu bieten kann. Die Performance auf der Konsole ist überaus beeindruckend, trotz einer geradezu unglaublichen Menge an laufenden Prozessen. Warum jedoch ist dann die GUI so langsam, werden Sie sich nun fragen. Das liegt daran, dass die grafische Oberfläche konsequent dreidimensional ist und unglaubliche Mengen an Widgets ununterbrochen neu gezeichnet werden müssen - für jeden einzelnen Benutzer des Systems.

Aber zurück zur Konsole: Bei meiner Erkundungstour der Terminal-Ebene habe ich einige interessante Entdeckungen gemacht. Beispielsweise scheint das Universum tatsächlich unendlich zu sein:

$ df -h
Filesystem Used Use% Mounted on
/dev/zda2 1.8e+11T 0% /
/dev/zda1 3.7T 0% /boot
/dev/zdb1 4.8e+17T 0% /usr
/dev/zdb2 5.6e+34T 0% /home

Beachten Sie, dass die Felder "Size" und "Avail" in der Ausgabe nicht auftauchen und "Use" stets 0% beträgt. Angesichts dieser enormen Resourcen verwundert es kaum, dass neben der ganzen Oberfläche auch viele Programme sehr verschwenderisch programmiert wurden.

Beeindruckend ist die Auswahl an Programmen, die man in vielen Bereichen hat. Es steht neben den üblichen Unix-Kommandos noch eine riesige Menge an Systemwerkzeugen zur Verfügung, mit denen man beispielsweise Parameter wie die Schwerkraft einstellen kann, sofern man dafür Bedarf sieht. In anderen Bereichen fehlt jedoch passende Software völlig, etwa gibt es keine Möglichkeit, einige in der Realität weit verbreitete Audioformate abzuspielen.

Sollte meine Beschreibung des Systems irgendwelche Ähnlichkeiten zu Systemen aus der Realität aufweisen, so sind diese natürlich rein zufällig und nicht beabsichtigt. Oder haben Sie etwas anderes gedacht?

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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