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Mo, 1. Januar 2001, 00:00

Was steckt hinter der SCO-Klage?

Vieles, zu vieles wurde in den letzten Monaten über SCOs Klage gegen IBM geschrieben. Dennoch will ich hier ein paar weitere Zeilen beitragen, die einerseits einen Überblick über das ganze Thema durch Verweise auf weitere Artikel geben, andererseits auch ein wenig spekulieren sollen.

Nach allgemeiner Einschätzung sind die Ansprüche von SCO lächerlich. Der Rechtsprofessor Eben Moglen und andere schätzen sie als rechtlich unhaltbar ein. Linus Torvalds, der Linux 1991 ins Leben gerufen hatte und bis heute das letzte Wort über jede Zeile Code hat, die in den Kernel fließt, hatte die SCO-Ansprüche von Anfang an bezweifelt. Nach der Ankündigung von SCO, Lizenzen für Linux verlangen zu wollen, sagte Torvalds nur noch: »Jetzt sind sie Erpresser.«

In Deutschland darf SCO seine Behauptungen nicht mehr aufrecht erhalten und auch keine Lizenzforderungen stellen. Das sollte sie nicht vor Klagen wegen Geschäftsschädigung und gegebenenfalls auch Betrug und Verstoß gegen die GPL schützen, die hoffentlich bald zahlreich einlaufen werden.

Und IBM hat nun (endlich) zurückgeschlagen und weist nicht nur die Klage zurück, sondern droht auch mit Schadensersatz-Ansprüchen.

Hinter der SCO-Affäre stecken meiner Meinung nach zwei Faktoren, die nichts miteinander zu tun haben, aber sich sozusagen ergänzen.

Der eine Faktor sind die Aktienkurse. SCO war unter dem Namen Caldera im Jahr 2000 an die Börse gegangen und hatte anfänglich einen Kurs von über 500 USD pro Aktie, der danach exponentiell fiel und bis Februar 2003 deutlich unter 2 USD lag (Aktiensplits nicht eingerechnet). Nach der Klage gegen IBM stieg der Kurs, wie auf multexInvestorzu sehen, auf zeitweise über 14 USD. Inzwischen ist er wieder auf dem Weg unter 10 USD. Und ich sehe keinen Grund, warum er so hoch bleiben sollte.

Die SCO-Manager, allesamt Besitzer von Tausenden von Aktien, könnten darauf aus sein, damit eine ansehnliche Pension zu verdienen. Allzu viel solcher Insider-Handel hat anscheinend noch nicht stattgefunden, aber wer weiß, was noch kommt. Insider-Handel ist unter bestimmten Bedingungen illegal, nämlich dann, wenn wissentlich falsche Angaben gemacht werden, um den Aktienkurs zu beeinflussen. Ob ein solcher hier vorliegt, das werden, so hoffe ich, bald die Gerichte zu klären haben.

Der zweite Faktor ist die Negativ-Werbung für freie Software, die mit der SCO-Aktion verbunden ist. Zumindest einige Linux-Anwender fragen sich, ob der Einsatz von Linux rechtlich unsicher ist. Aufgrund von zwölfjähriger Erfahrung kann dies getrost verneint werden, doch kennt nicht jeder Anwender die Linux-Historie.

Diese vorübergehende Verwirrung versucht die eine oder andere Firma, die traditionell bestrebt war, die Freiheit der Kunden maximal einzuschränken, gleich auszunutzen. Allen voran Microsoft, das die Behauptung in den Raum stellte, mit ihren Produkten gebe es keine rechtliche Unsicherheit. Nun, zumindest weiß man, was man mit MS-Produkten alles nicht bekommt - leider oft erst zu spät. Zwischen SCO und Microsoft dürfte das Motto herrschen: »Der Feind meines Feindes ist mein Freund«. Immerhin hat Microsoft an das marode Unternehmen SCO im Rahmen der SCOsource-Initiative acht Millionen USD gezahlt und damit, zusammen mit dem anderen Lizenznehmer Sun, SCO den ersten Gewinn seiner Geschichte eingebracht. Denn ohne diese Lizenzeinnahmen machte SCO Quartal für Quartal Millionen-Verluste. Ohne das Startkapital vom Caldera-Börsengang wäre SCO längst pleite, was im Nachhinein sehr zu begrüßen gewesen wäre.

Diese Lizenzeinnahmen für SCO sollen nun mit den neuen Lizenzforderungen fortgesetzt werden. Ich denke nicht, daß irgendjemand so dumm ist, auf diese unberechtigten Forderungen einzugehen. Dennoch könnte ich wetten, daß die nächsten Quartalsergebnisse von SCO wieder einen Gewinn ausweisen. Warum? Weil Microsoft ein Interesse daran hat, daß SCO sein Spiel weiter treibt, solange, bis es gerichtlich hart gebremst wird. Nun kann Microsoft nicht einfach eine Spende an SCO machen. Lizenzgebühren kann es hingegen zahlen, selbst wenn diese noch so absurd sind. (Schon bei den oben erwähnten acht Millionen USD stellt sich die Frage, ob Microsoft diese wirklich zahlen mußte, oder ob es nur geschah, um einen Open-Source-Feind zu stützen.) )Das könnte, so meine ich, der Zweck der SCO-Lizenz-Initiative sein: Anti-Linux-Gelder unter dem Deckmantel von Lizenzen zu verteilen. Ich denke, die SCO-Manager haben inzwischen deutlich genug gezeigt, daß sie jedes noch so wertlose Byte für geistiges Eigentum halten und damit dem Geist der Freien Software-Bewegung frontal gegenüberstehen.

Für Microsoft hingegen ist SCOs Vorstoß eine bequeme und relativ billige Art, gegen freie Software vorzugehen. Insbesondere ohne das Risiko, selbst Schaden zu nehmen. Denn alle bisherigen Aktionen von Microsoft haben nur zur Folge gehabt, daß Linux mehr Publicity bekam und besser wurde. In diesem Fall hingegen wird Microsoft ohne Schaden bleiben, selbst wenn SCO, wie es früher oder später kommen muß, den Bach heruntergeht.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU General Public License veröffentlicht. Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU GPL, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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