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So, 1. Oktober 2000, 00:00

Editorial: Die leise Aufsplittung von Linux

Immer wieder werden Befürchtungen geäußert, Linux könnte sich in verschiedene, inkompatible Richtungen aufsplitten. Wo bliebe in solch einem Fall der Marktanteil, der Linux für viele Anbieter erst attraktiv macht? Wie würde sich das auf den Support-Aufwand auswirken? Was, wenn eine große Firma eine inkompatible Linux-Distribution auf den Markt wirft?

Diese Fragen sind allesamt altbekannt und letztlich mehr als müßig. Man kann z.B. auf die Linux Standard Base (LSB) verweisen, zu der alle großen Distributionen bekannt haben. LSB wird sicherstellen, daß jede Applikation auf jeder LSB-konformen Distribution läuft. Doch auch gegen schwerer wiegende Angriffe ist Linux gewappnet. Ein System, das nicht kompatibel zu Linux ist, kann sich nicht Linux nennen, da der Name gesetzlich geschützt ist. Modifikationen am Kernel und an einem Großteil der Programme müssen offengelegt werden. In der Tat sind solche Modifikationen heute üblich. Von den Distributoren wird erwartet, daß sie fehlende Features, meist als Patches aus dem Internet erhältlich, selbst ins System integrieren und dafür auch den notwendigen Support leisten. Schließlich sind es hauptsächlich solche Dinge, in denen sich die einzelnen Distributionen überhaupt unterscheiden. Und die Kernel-Entwickler haben logischerweise an solchen Integrationstests kein Interesse.

Doch gibt es vielleicht subtilere Methoden, Linux aufzusplitten? In der Tat. Doch keine Panik, die Spaltung ist schon längst vollzogen. Durch KDE, GNOME und häufige Versionswechsel der Distributionen ergibt sich heute die Situation, daß jemand, der nicht Updates um des Updaten willens betreibt, bei aktuellen Distributionen nicht mehr mitreden kann.

Selbstverständlich sind Updates notwendig. Diese ergeben sich alleine schon durch neue Kernelversionen mit neuen Features, sowie durch neue Versionen der libc. Dabei ergeben sich leider auch mal Inkompatibilitäten. Diese werden von den Distributoren weidlich ausgenutzt, um neue Versionen auf den Markt zu bringen. Man will schließlich Geld verdienen.

Nun, von mir aus. Ich mache diese Upgrade-Orgien schon lange nicht mehr mit. Dazu sind meine Anforderungen auch viel zu speziell (auch ein Grund, warum Linux das ideale Betriebssystem für mich ist). Meine Strategie ist die des graduellen Updates. Ich aktualisiere Programme, bei denen es notwendig ist, und lasse alles andere, solange es geht. Dadurch ist mein System moderner als alle Distributionen, auch wenn einzelne Programme recht alt sind. Doch es macht mir nichts aus, eine alte Programmversion zu benutzen, solange sie tut, was ich will. So habe ich auf meinem System noch eine Menge Programme, die mit libc5 gelinkt sind, auf der anderen Seite habe ich die aktuellste Version von libc6 installiert. Gerade habe ich nedit von Version 5.1 auf 5.1.1 aktualisiert und mit dem CVS-Stand von LessTif gelinkt, was spürbare Verbesserungen brachte.

Die andere Geschichte ist die von KDE und GNOME. Zwar kann man diese Programme problemlos untereinander und mit normalen X11-Applikationen mischen, doch verwendet man normalerweise nur eins von den dreien. Ein KDE-User kann einem GNOME-User wenig helfen, und einer, der weder KDE noch GNOME einsetzt, keinem von beiden. Zur letzteren Kategorie gehöre auch ich, und ich sehe noch lange keinen zwingenden Grund, KDE oder GNOME zu benutzen. Das könnte sich ändern, wenn die Office-Applikationen für KDE und GNOME einmal wirklich gut sind und sich die Rechnerleistung abermals verdoppelt hat. Doch vorher schon wird Linux im Büro auf dem Desktop ganz groß kommen und selbstverständlich KDE oder GNOME enthalten. Für alte Linux- Hasen (und das ist der große Unterschied zu Windows) gibt es jedoch immer noch die Kommandozeile im X-Terminal, die alles bietet, was die grafische Oberfläche nicht bieten kann.

Somit kann ich, um wieder zum Thema zurückzukommen, folgendes Fazit ziehen: Linux kann sich nicht aufsplitten, weil es bereits aufgesplittet ist - und wir wollen es genau so!

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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