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Fr, 1. Dezember 2000, 00:00

Editorial: Der Windows-Standard

"Mehrmals sagten schon Leute zu mir, dass Windows eben der Standard sei. Auf meine Gegenfrage, in welchem RFC denn Windows beschrieben sei, konnte mir bisher keiner antworten."

10 Warum höre ich eigentlich in letzter Zeit ständig solche Sätze wie "Ich würde ja an sich auch gerne Linux benutzen, aber...". Wollen sich die Leute damit bei mir dafür entschuldigen, dass sie Windows oder MacOS einsetzen? Fürchten sich die Leute etwa so sehr vor mir? Ich werde im Folgenden mal voraussetzen, dass dies nicht der Fall ist, sondern dass die Leute sich tatsächlich für {GNU/,}Linux interessieren und es gerne einsetzen würden.

20 (Anmerkung: {GNU/,}Linux bedeutet "Entweder GNU/Linux oder Linux". Jeder darf sich also raussuchen, was er lesen möchte. Damit sollte jeder zufrieden sein, jedenfalls hat ein solches Konzept bei der Lizenz von Perl wunderbar funktioniert. Die Lesbarkeit dieses Editorials habe ich allerdings nicht an Perl-Code angelehnt, sondern an eine andere weit verbreitete Programmiersprache. Sowohl "Linux" als auch "GNU/Linux" zuzulassen, scheint mir allein wegen der Verbreitung von Debian angebracht zu sein).

30 Ich werde hier mal einige der Begründungen sammeln, die man so hört; am Ende werde ich zu keiner Erkenntnis kommen. Dass {GNU/,}Linux schwer zu installieren ist, ist ja inzwischen nicht mehr gültig, und wenn jemand aus meinem Bekanntenkreis {GNU/,}Linux haben will, dann übernehme ich Installation und Konfiguration mit Freude. Und da ich dadurch auch längst zur Telefonseelsorge für verschreckte Newbies geworden bin, sollten auch die weiteren Schritte im Umgang mit dem neuen System kein Problem sein. Wer niemanden persönlich kennt, den er fragen kann, für den gibt es ja jede Menge Hilfeforen.

40 GOTO 70 (das bedeutet: "Lesen Sie bei dem Absatz weiter, der mit der Zahl 70 beginnt")

50 Keine Angst, Sie sind hier schon richtig (Außer wenn Sie von der 40 kommen ;-)). Der Hauptgrund, aus dem viele Leute bei ihrem bisherigen System bleiben, ist, dass die Software, die sie benutzen wollen, unter {GNU/,}Linux nicht verfügbar ist. Doch halt! Wenn Sie dieses Argument einmal hören sollten, brauchen Sie es nicht einfach so stehen zu lassen. Die meisten Leute wissen nämlich gar nicht, was es alles für {GNU/,}Linux gibt. Fragen Sie also nach, um welche Programme es sich handelt. Für die meisten Programme werden Sie Alternativen nennen können, die sich vor dem entsprechenden Windows-Programm nicht zu verstecken brauchen (Voraussetzung ist, dass Sie sich in der Softwarelandschaft einigermaßen gut auskennen). Das einzige größere Defizit dürften momentan Spiele sein (nicht jedem genügt xbill), wobei es ja nicht so ist, dass es gar keine bekannten Spiele gäbe.

55 Meine Erfahrung ist, dass man etwas bessere Chancen hat, wenn man nicht direkt nach Programmen fragt, die jemand einsetzt, sondern sich erkundigt, was welche Zwecke jemand seinen Rechner einsetzt. Da fällt es oft nicht so schwer, gute Programme für diesen Zweck zu nennen. Gerne ergreife ich auch die Offensive und frage, ob es denn inzwischen unter Windows einen vernünftigen Mailclient gäbe, der mit Mutt mithalten kann.

60 GOTO 110

70 Nachdem die diversen großen Distributionen aber alle (Naja, fast alle :-)) so zurechtgebogen wurden, dass nicht nur Geeks, sondern auch Menschen damit klarkommen, haben sich die Leute nun nämlich neue Ausreden gesucht. Die entsprechenden - natürlich frei erfundenen, denn wir wissen ja, dass unser System keine Schwächen hat - Kritikpunkte gilt es nun zu widerlegen.

80 Man mag es kaum glauben, aber es scheint tatsächlich noch eine nicht zu vernachlässigende Menge Leute mit relativ alter Hardware zu geben (Ich selbst zähle mich hier übrigens dazu). Einmal sagte sogar ein Freund (*wink*) zu mir, seine Festplatte reiche nicht für Windows und {GNU/,}Linux. Müssen wir also ein {GNU/,}Linux-System entwickeln, das keinen Platz benötigt? Das wäre eigentlich ja gar nicht schwer: Man müsste dazu nur sämtlichen Code aus allen Programmen entfernen. Die ganzen Programme nun neu zu compilieren sollte nicht zu zeitaufwendig sein. Allerdings ist {GNU/,}Linux für seine umfangreiche Funktionalität bekannt und ein funktionsloses System ist nur unwesentlich besser als Windows. Gerade wenn jemand einen älteren Rechner hat, ist {GNU/,}Linux doch ein geeignetes System, sofern man einen schlanken Windowmanager wie z.B. Window Maker einsetzt. Dieses Problem ist aber mit einem anderen verbunden, auf dass ich später noch eingehen werde (Wenn Sie es nicht abwarten können, GOTO 50, sonst lesen Sie hier weiter).

90 Diejenigen, die größere Festplatten besitzen und noch nicht genügend (natürlich allesamt legal erworbene) Programme - oder alternativ MP3s - installiert haben, um diese Platten auch zu füllen, sagen, dass ihnen {GNU/,}Linux zu kompliziert sei. Hier gibt es zwei mögliche Ansätze. Der erste ist, das System zu "vereinfachen". Die Erfahrung zeigt (und ich befürchte, dass es ein "Naturgesetz" der Softwareentwicklung ist), dass dies auf Kosten der Zuverlässigkeit geht. Ich stehe dieser Methode daher ein wenig skeptisch gegenüber. Die Alternative wäre, die Dokumentation zu verbessern und die Leute beim Erlernen von {GNU/,}Linux zu unterstützen.

100 GOTO 50

110 So, hiermit endet dieses leicht verworrene Editorial. Ich hoffe, Sie haben den Überblick besser behalten als ich.

120 END

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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