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Do, 3. Oktober 2002, 00:00

Das perfekte Desktop-OS

Von none

Also. Den Kampf um die Server hat Linux gewonnen. Wer heute noch auf einem Server etwas anderes als Linux/Apache einsetzt, hat einen Pinguin im Kühlschrank. Der nächste Schritt wird die Eroberung des Desktop-PC sein. In diesem Bereich ist die momentane Situation aber noch bei weitem nicht optimal. Ganz im Gegenteil. Solange es 'zig verschiedene Desktop-Oberflächen, ein buntes Sammelsurium an Toolkits, und ein nettes, nichtsdestotrotz für den Homeuser aber sehr nerviges Durcheinander an Paketformaten mit noch lustigeren Abhängigkeitsproblemen gibt, wird aus der Verdrängung oder zumindest dem Gleichziehen mit einem sehr bekannten Fenster-"Betriebssystem", das hier nicht genannt werden will, jedenfalls nichts.

Deshalb:

Wir brauchen EINEN Desktop.

"Willkommen im Land der tausend Toolkits" hat mal jemand in einem Kommentar zu einem Artikel auf PL geschrieben. Ich finde, das trifft den Nagel auf den Kopf.

Vielfalt ist schön und gut, aber wenn die Anwendung, die ich gerade brauche oder bevorzuge, garantiert immer in einem komplett anderen Look & Feel erscheint, ist etwas unausgereift. Dabei ist das noch das Geringste. Viel schlimmer ist es, wenn sich Daten nicht per einfachem Copy & Paste zwischen verschiedenen Anwendungen hin- und hertransportieren lassen. Nur ein Beispiel: Schon mal versucht, einen Text aus kedit (Qt) in den MP3-Tag-Dialog von XMMS (GTK) einzufügen? Keine Chance (egal, ob per Maus oder per Strg-C und Strg-V).

Ob der Desktop, der sich letztendlich durchsetzt, Gnome, KDE, oder sonstwie heißt, ist mir dabei herzlich egal. Übrigens wäre es durchaus nicht das Ende der Vielfalt, wenn es nur noch einen Desktop gäbe. Denn der Desktop sollte (muß) absolut anpaßbar sein - so daß niemand auf sein geliebtes Gnome- oder KDE-Look & Feel verzichten muß. Aber unter der Haube muß es eben einheitlich aussehen.

Außerdem muß die Vielfalt der Programme nicht geringer sein, im Gegenteil. Programme mit dem gleichen Zweck können schließlich auch auf einem Desktop nebeneinander existieren.

Am besten wäre es bei der "Fusion" der Desktops, wenn jeweils das beste aus beiden Welten zusammenkäme: Ein Desktop, der so einheitlich und so einfach zu bedienen ist wie KDE und so schnell und anpassungsfähig wie Gnome. (Um Flames vorzubeugen: Damit soll NICHT gesagt werden, daß KDE langsam wäre und Gnome nicht einfach zu bedienen sei!)

Neben dem "Haupt"-Desktop sollten natürlich trotzdem weiterhin Windowmanager wie Windowmaker, XFCE, Blackbox, etc. existieren, um Leuten, die den Komfort des Desktops nicht nutzen können oder wollen (älterer Rechner), trotzdem die Chance zu geben, aktuelle Programme zu nutzen.

Das "Schichtmodell"

User sind verschieden. Der eine (der Newbie) will einfach nur seine Textverarbeitung und sein Internet, der andere (der Fortgeschrittene) will mehr über das System und seine Innereien wissen, der dritte (der Guru) verwendet ohnehin nur Vim und Lynx und kennt alle wichtigen Config-Files seines Rechners auswendig. Deshalb muß das Betriebssystem es erlauben, auf verschiedene "Ebenen" der Komplexität hinabzusteigen. Der Guru und der Fortgeschrittene werden bei Linux heute schon gut bedient, aber auch die heutigen Konfig-Tools sind noch zu kompliziert und zu uneinheitlich. Für den Newbie muß die Bedienung des Computers radikal vereinfacht werden.

In der Idealform müßte der Desktop einfacher und intuitiver zu bedienen sein, als A "Ich bin schon drin" OL und Win "Uptime? Was ist das?" dows zusammen. Der schöne Spruch "Computer sind nun mal kompliziert" darf dabei nicht gelten. Hier auf PL hat jemand mal geschrieben: "Am besten wäre es, wenn der Computer nur einen roten Knopf hätte, wo man draufdrückt, und der PC macht das, was ich will." Genau so muß es funktionieren. Der User soll vom Betriebssystem überhaupt nichts mitkriegen und schon gar nicht irgendwelche kryptischen Fehlermeldungen auf den Bildschirm geknallt bekommen.

Als User will ich den Computer einschalten und 10 Sekunden später von einem netten Einlog-Bildschirm begrüßt werden. Ich will gar nicht wissen, was sich im Verzeichnis /etc befindet, nein, ich will noch nicht einmal wissen, daß es existiert. Ich will auch nicht wissen, wie viele verschiedene Editoren auf meinem Rechner installiert sind. Ich brauche nämlich nur einen, um zu arbeiten. (Das gilt im übertragenen Sinne auch für alle anderen Programme, wie MP3-Player, FTP-Programme, Mail-Programme, etc. Natürlich sollten alternative Anwendungen mitgeliefert werden, aber in der Standard-Installation sollte jeweils nur ein passendes Programm installiert werden. Der fortgeschrittene User wird sich dann ohnehin seinen Lieblingseditor installieren. Für den Neuling ist es aber eher abschreckend, 10 verschiedene Programme für den gleichen Zweck vorgesetzt zu bekommen. Außerdem gibt es ja bei den Distributionen verschiedene Installationsvarianten, und der Fortgeschrittene kann sich dann ohnehin schon beim Installieren sein passendes System zusammenstellen.

Ich will nicht wissen müssen, was eine "Festplatte" oder "Partitionen" sind. Schon gar nicht will ich wissen, was /dev/hda ist.

Ich will ein paar hübsche Icons auf meinem Desktop, die mit "Textverarbeitung", "E-Mail" und "Internet" beschriftet sind. Ich will nicht wissen, was "mounten" bedeutet. Ich will den Computer, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin, einfach ausschalten und zwar ohne daß ich beim nächsten Booten mit einem nervenraubenden fsck konfrontiert werde (0,2% non-contigous - "ist da was kaputt?"). (Ja, ich weiß, gibt's schon - ReiserFS, XFS, etc.)

Wichtig - und der große Vorteil Freier Software - ist, daß es einerseits zwar die beschriebene "DAU-Ebene" gibt, daß demjenigen, der sich tiefer ins System einarbeiten will, aber andererseits keine Steine in den Weg gelegt werden. Das ist der Vorteil Freier Software: ich kann SELBST entscheiden, was ich wie machen will. Ich kann bis auf die Kernel-Ebene hinuntersteigen und meinen eigenen Kernel kompilieren. DAS ist der große Unterschied zu Windows. Bei Windows XP gibt es eben nur die DAU-Ebene. Der User wird für dumm und vor allem für nicht lernfähig gehalten.

Kurz gesagt: ich will beides. Ich will einerseits einen Desktop, der mir jegliche Denkarbeit abnimmt und mich einfach arbeiten läßt, ohne daß ich etwas vom darunterliegenden System merke. Andererseits will ich aber auch beliebig tief ins System hinabsteigen können. Das ist auch der Grund, warum Windows überhaupt nie das ideale System werden kann. Windows XP kommt zwar schon recht nah an meine Wunschvorstellung vom DAU-Desktop heran, aber auch XP ist noch zu kompliziert.

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