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Di, 1. Februar 2000, 00:00

Editorial: Warten auf Mozilla?

Der Netscape Navigator verliert immer mehr Marktanteile und immer mehr Seiten werden auf den IE optimiert. Man mag darüber streiten, woran das liegt, aber einer der Gründe ist sicherlich auch, dass der Navigator ein langsames, bugverseuchtes Programm ist, dessen RAM-Verbrauch für das, was er leisten soll (nämlich in erster Linie HTML-Dateien anzeigen) unzumutbar ist. Bei wenig RAM erweist sich der Navigator insbesondere als instabil.

Mal ehrlich: Wieviele Leute haben noch nicht über den Navigator geflucht?

Als GNU/Linux-Benutzer ist man es gewohnt, dass wenn einem ein Programm nicht gefällt, man eben ein anderes nimmt. Also schaut man sich mal den im KDE-Dateimanager (kfm) integrierten Browser an, der in Sachen Geschwindigkeit kaum zu übertreffen ist. Die Darstellungsqualität ist sogar ganz akzeptabel, Darstellungsfehler treten zwar auf, sind aber meistens (dieses Wort bitte nicht überlesen) nur minimal. Leider ist die Implementierung von Formularen noch extrem unausgereift, insbesondere Copy&Paste funktionieren nicht so, wie man es gerne hätte.

Also auf zu Freshmeat, wo man sich Amaya runterlädt. Nachdem man Amaya startet, öffnet man einige Seiten und staunt über die mäßige Darstellungsqualität und darüber, dass eine Seite erst komplett geladen wird, bevor überhaupt etwas angezeigt wird. Dann stürzt Amaya ab.

Man ist deprimiert und beschließt, ab sofort nie wieder ein Programm aus dem Netz zu laden. Zum Glück entdeckt man, dass der GNOME-Hilfebrowser HTML-Dateien anzeigen kann. Also schaut man sich mal http://www.pro-linux.de/ damit an und beendet den GNOME-Hilfebrowser und macht sich auf den Weg zu Freshmeat.

Man versucht gzilla, der eine Mischung aus dem GNOME-Hilfebrowser und Amaya zu sein scheint. Was nun? Soll man doch wieder Lynx verwenden? Gar keine so abwegige Idee. Aber erstmal schaut man bei Slashdot vorbei und liest die Kommentare zu einem Artikel über Mozilla, den Nachfolger des Navigators, der standardkomform, schnell und stabil werden soll. Die Kommentare sind teilweise sehr positiv (Slashdot ist auch nicht mehr das, was es mal war...) und man geht zu Mozilla.org, um den aktuellen Milestone runterzuladen.

Durch den Debugging-Code ist der natürlich nicht der Schnellste, aber er ist schon mit dem derzeitig aktuellen Navigator vergleichbar. Die Darstellung der Seiten überrascht positiv. Die GUI sieht wirklich cool aus, ist aber etwas träge. Doch nach einigen Minuten wird er immer langsamer und langsamer bis man ihn mit xkill abschießt weil alles andere keinen Sinn mehr zu machen scheint. Mozilla wird mal ein guter Browser werden, aber derzeit ist es eben Alpha-Software.

Was macht man nun? Seinen eigenen Browser schreiben? Nein, das ist in dem Fall keine gute Idee.

Ja, früher war alles besser...

Plötzlich erinnert man sich daran, wie glücklich man damals mit dem Navigator 3 war. Und da wünscht man sich den Navigator 3 zurück. Und deshalb holt man ihn sich zurück. Und dann deinstalliert man den Navigator 4 und startet den Navigator 3. Und dann ist man begeistert.

Sicherlich ist dieses alte Programm voller Sicherheitslücken, aber wenn man Java und JavaScript deaktiviert (sollte man sowiso generell, egal bei welchem Browser) und dann noch zum Surfen einen eigenen Benutzer anlegt, sollte man die Zeit, bis Mozilla einsatzbereit ist, überleben können. Vielleicht ist das sogar sicherer, als den IE zu benutzen. Wer weiß das schon?

Was ein wenig stört, ist die Farbe der Formulare. Die Bilder auf den Toolbar-Buttons sind auch nicht gerade umwerfend. Deutsche Menüs sind zwar eigentlich unnötiger Luxus, aber manch einer möchte sie doch. Solche kosmetischen Verbesserungen sind tatsächlich möglich und mit dem Paket von Tiemo Schafmeister sogar ganz einfach einzubauen.

Ist die Lage des Browsermarktes unter GNU/Linux also so schlecht? Nein, eigentlich nicht, denn für jeden Zweck gibt es etwas Passendes: Navigator 4 für Leute mit viel bis sehr viel RAM, die evtl. auch mal JavaScript haben wollen, Navigator 3 für Leute, die schnell und stabil und mit recht guter Darstellungsqualität surfen wollen. Zum gleichen Zweck gibt es auch den kfm, der ein paar Macken mehr hat, aber dafür schneller und zudem Freie Software/Open Source-Software ist. Und manch einer mag auch Lynx (zum Offline-Browsen verwende ich ihn ganz gerne).

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht besser werden kann (und werden muss). Und das wird es mit einem stabilen Mozilla sicherlich. Warum einige das Mozilla-Projekt totreden wollen, ist mir ein Rätsel. Vermutlich liegt es daran, dass zu Beginn kein Fortschritt sichtbar war, weil erstmal alles Mögliche entfernt wurde, um das Programm schlank zu machen.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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