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Do, 1. Februar 2001, 00:00

Editorial: Schubladendenken

Der Mensch denkt in Schubladen. Das kann man sowieso nicht ändern. Um Ihnen also das Denken zu erleichtern, habe ich mir die Mühe gemacht, die Anwender unseres wunderbaren Systems entsprechend einzuteilen und zu charakterisieren. Bitte keine Flames, denn in diesem Artikel ist absolut gar nichts zu finden, das ich mir selbst ausgedacht habe; es handelt sich ausschließlich um Verhaltensweisen, die ich im Laufe des letzten Jahres beobachten konnte.

Der Newbie

Er will alles als Root machen, weil es ihm zu umständlich ist, es als User zu tun. Auf die dadurch möglicherweise entstehenden Risiken aufmerksam gemacht meint er nur, dass dies kein Risiko sei, da er schon auf sich aufpassen könne. Bald darauf wundert er sich über die im Hintergrund laufenden Prozesse, die das ganze System nach MP3-Dateien absuchen oder evtl. auch weniger freundliche Dinge tun. Einige Exemplare sind mit einer Zeitmaschine aus der Zukunft hier hergekommen, was man daran sieht, dass sie Kernelversionen verwenden, die es noch nicht gibt, etwa Linux 7.0.

Der Distributionsextremist

Er glaubt, dass seine Distribution die einzig Wahre sei und alle anderen Distributionen überflüssig. Dass er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit im Unrecht ist, kann man jedoch bereits daran sehen, dass diese Benutzerart unter allen Distributionen anzutreffen ist und nunmal nicht alle Distributionen die einzig Richtige sein können. Bei der Verteidigung seiner Distribution bringt er äußerst spannende Argumente, wobei er leider nur zu oft die Dateien und Verzeichnisse auf seinen Festplatten mit denen im FHS verwechselt.

Der GNUdist

Er lehnt nicht-freie Software grundsätzlich ab und würde eher gar keine Computer benutzen, als nicht-freie Software einzusetzen. Er hat alle Texte aus der Philosophie-Sektion bei www.gnu.org mindestens zweimal gelesen und beachtet, dass die Leute nicht nur von OpenSource, sondern auch von Freier Software (mit großem "F") sprechen, nicht von Linux, sondern von GNU/Linux (wenn es um das System und nicht um den Kernel geht). Er stellt alle seine Beiträge aus Diskussionsforen und Mailinglisten unter die GNU Free Documentation License und jede Zeile, die er in der Shell tippt, unter die GPL.

Die Toleranzbestie

Er meint, alles sei doch irgendwie auf die ein oder andere Weise gut und je mehr imkompat^W verschiedene Systeme es gibt, desto besser. Insbesondere schwärmt er, wie gut weniger verbreitete Betriebssysteme seien, auch wenn sie auf seinem Rechner mangels Hardware-Unterstützung nicht laufen und er sie nie testen konnte. Er mag technisch weniger gelungene Systeme, weil sie angeblich jeder bedienen kann und gibt auch Steinzeit-Systemen eine Existenzberechtigung, weil... weil... naja, eben weil. Es stellt sich die Frage, warum er es nicht tolerieren kann, dass andere Leute nicht immer seiner Meinung sind und auch mal etwas schlecht finden.

Der Un*x-Guru

Er löscht HTML-Mails ungelesen (bzw. hat das bereits automatisiert) und verwendet fvwm als Windowmanager; er hat stets einen Netscape und mindestens 16 xterms geöffnet (außer dann, wenn der Netscape gerade abgeschmiert ist, aber in diesem Falle wird er ja sofort automatisch neu gestartet). Aus den Diskussionen, die die anderen Benutzertypen führen, hält er sich meist raus, weil er Wichtigeres zu tun hat, z.B. ein Skript zum automatischen Beantworten von Usenet-Nachrichten zu basteln.

Der Wannabe

Er war zuvor ein Newbie, bildet sich aber ein, er wäre ein Un*x-Guru. Er verbringt seine Zeit meist damit, Newbies zu verspotten und unsinnige Antworten auf die Fragen von Un*x-Gurus zu geben.

  • Dieses Werk wurde unter der GNU Free Documentation License veröffentlicht. Das Kopieren, Verbreiten und/oder Modifizieren ist erlaubt unter den Bedingungen der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation.

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