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So, 2. Februar 2003, 00:00

Die Schlacht um Osurs

Dies ist die Geschichte von Tux, dem furchtlosen Lehrmeister der Heere am Hofe des Königs Frieh, im Reiche Osurs. Das kleine Land grenzt direkt an Ecomee, ein mit gnadenloser Hand geführtes Großreich eines von Gier besessenen Herrschers namens Winneg.

Nach steinigen Jahren der Ausbildung, durchzogen vom immer wieder aufziehenden Kriegen gegen die zahlreichen Feinde des Reiches, zeichnete sich Tux durch Tapferkeit, Mut und Hilfsbereitschaft zu seinen Kameraden aus. Diese Fähigkeiten und unbändige Loyalität zum König brachten Tux nach und nach den Ruf eines nie dagewesenen Kriegers ein, weit über die Grenzen des Reiches hinaus. Spätestens nach der Befreiung großer Gebiete der unterjochten Soerwer aus der Hand des Winneg, geleitet unter seiner Befehlsführung, galt er im Reich als Held. Auch Kriegslegenden wie Pachae wurden in dieser sagenumwobenen Schlacht geformt; aber das ist eine andere Geschichte.

Nachdem Winneg mit seiner Übermacht an Kriegern zum wiederholten Male eine peinliche Niederlage gegen Osurs einstecken mußte, ersann er sich einen hinterlistigen Plan. Getrieben von der Angst, die Bewohner seines Reiches könnten die Vorteile der freien Selbstbestimmung nach Vorbild von Osurs zu schätzen lernen, schickte er seine getreuesten Helfer Ebim, Hape und Sahn an den Hof des Frieh.

Gedeckt durch das Eigenverständnis von Menschlichkeit der Bewohner von Osurs und dem mangelnden Glauben daran, Winneg könnte ihrem Land nach den zahlreichen verlorenen Kriegen wirklich schaden, wurde die drohende Gefahr verkannt. Winnegs Diener genossen die Ausbildung des Tux und weiterer Lehrmeister am Hofe des Frieh. Niemals hatte Tux Schüler abgelehnt, nur weil sie nicht nach seinem Bild einer funktionierenden Gesellschaft handelten. Vielmehr hoffte er durch seine offene und verständnisvolle Art, gepaart mit unerschütterlichem Optimismus, diese Schüler von den Vorteilen einer offenen Gesellschaft zu überzeugen.

Schon früher hatte Tux Schüler gelehrt, die dem Reich Osurs den Rücken gekehrt hatten. Der fleißige Hatred und die schlaue Sue sind schon vor Jahren ausgewandert, um als - anfangs ungewöhnlich offenherzige - Lehensbesitzer kleiner unbedeutender Provinzen, im Reich des Winneg zu leben. Die Botschaft mit dem Kern Jeder hat Rechte, verbreitete sich im Einflußgebiet von Hatred und Sue wie ein Lauffeuer. Auch die Zufriedenheit war überdurchschnittlich hoch, gemessen an dem Rest des Reiches Ecomee. Bald kamen auch Winneg die Geschichten über Hatred und Sue zu Ohren. Der Herrscher war erbost über die Mißachtung seiner Gesetze. Wissend aber, dass er sich den Unmut der Bewohner dieser Provinzen und noch mehr der Gefahr einer unkontrollierten Verbreitung dieses Gedankens aussetzen würde, bestach er die beiden mit dem Versprechen auf mehr Land. Als Gegenleistung forderte er die immer mehr gewordenen Freiheiten der Provinzbewohner über die Zeit in kleinen, nahezu unmerklichen Schritten, wieder zu beschneiden. Sue und Hatred willigten ein. Schwach geworden in ihrem einstiegen Verständnis der Lehre Gephiels, welche Tux ihnen einst vermittelte. Wohl nicht zuletzt resultierend aus den vielen Annehmlichkeiten, den ihnen als Grundbesitzer zuteil waren.

Nach Jahren des Studiums der Lehre des Gephiels und vielen zugewonnenen Erkenntnissen über das Gesellschaftsgefüge und die potentiellen Schwachstellen, des nahezu reibungslos funktionierenden Lebens in Osurs, kehrten Ebim, Hape und Sahn nach Ecomee zurück. Winneg lauschte den Ausführungen seiner Diener, die schon seiner Zeit Pläne entwarfen, um der drohenden Gefahr einer Gesellschaft nach dem Vorbild Osurs, entgegentreten zu können. Ihr Vorschlag lautete, ganz zum Unglauben des Königs, er möge eine Gesellschaft ganz ähnlich dem Bilde von Osurs formen. Neugierig auf den Grund, dieses überraschenden Vorschlags, fragte Winneg was er dadurch gewänne. Zitiert wird Ebim aus vergangener Zeit mit den Worten:
"Geliebter König, bieten wir dem Volk mehr Freiheit, schwächt sich möglicher Unmut und die Gefahr eines drohenden Aufstandes ist gebannt. Verknüpfen wir den reinen Gedanken Gephiels mit der Forderung einer Gegenleistung, wird der Wunsch nach Freiheit die Gegenleistung dem Volke als unwichtig erscheinen. Osurs wird die Mauern der Ablehnung niederreißen - blind vor Freude. Eine Einverleibung Osurs binnen einer Dekade mit gezielter Verwässerung der Ursprungslehre Gephiels wäre denkbar. Spannen wir also den Gedanken Gephiels zu Eurem Wohle, mein König, ein."

Verzückt von diesem perfiden Vorschlag seiner Gefolgsleute und dem treibenden Gedanken eines höheren Füllstandes seiner Goldkammer, verkündete König Winneg noch im selben Jahr die Botschaft für mehr Freiheit.

Der Plan ging auf. Die Bewohner von Ecomee waren überrascht über den plötzliche Wandlung der Politik des Königs. Die Vorstellung des Volkes über den Begriff der Freiheit war noch zu verschwommen, um diesen genau beurteilen zu können. Sehr deutlich vor Augen hatten sie aber das Elend der vergangenen Jahrzehnte von Unterdrückung und Leid. Der Forderung des Königs im Gegenzug mehr Abgaben zu leisten, konnten die Bewohner nachkommen. Hatten doch alle vergangenen Jahre gezeigt, dass Erfindungsreichtum im Verschleiern der eigentlichen Produktivität, nur selten die wirkliche Leistungsfähigkeit des Volkes zu Tage treten ließ.

Wenig war auch nach fünf Jahren bis Osurs durchgedrungen, was die verkündete Freiheit in Ecomee wirklich bedeutete. Frieh sendete mehrere Dutzend Abordnungen zur Lagesondierung nach Ecomee. Diese Berichteten nahezu einhellig, Ecomee habe sich grundlegend gewandelt. Zwar hatten die Abordnungen mit den Bewohner von Ecomee eingehende Gespräche über ihre Lebensumstände geführt, nur hielt keiner der Befragten es für angemessen, noch aus dankendem Respekt König Winneg gegenüber für gerecht, die höheren Forderungen an sie zu erwähnen.

Sechs Jahre nach der Verkündung beugte sich König Frieh der Forderung seiner Bewohner, die Grenzen zu öffnen. Das ehemals feindliche Land Ecomee hatte aus Sicht der Bewohner Osurs bewiesen, den richtigen Weg zu gehen.

Ein Jahr später folgte König Frieh, dem Willen des Volkes die Zahl der Heere zu verringern. Das Volk war der Meinung, es gäbe keinen Grund mehr eine solch große Armee zu führen, wo die Feinde nur noch rar gesät wären. Tux, mittlerweile ebenso skeptisch wie der König, war gegen das Vorhaben. Seine warnenden Rufe verhallten ungehört.

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