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Mo, 31. Juli 2000, 00:00

Der Midnight Commander

Einführung

Für alle Schreibfaulen in der Linuxwelt - ich zähle mich ausdrücklich dazu - gibt es ein sehr nützliches Tool, das einige von euch vielleicht schon aus der Urzeit der DOS-Welt kennen: der Midnight Commander. Vielfach auch etwas geringschätzig als "Norton Commander Clone" bezeichnet, kann er doch viel mehr als das mittlerweile legendäre Relikt des MS-DOS Betriebssystems.

Ich nutze den Midnight Commander nicht nur zum Kopieren, Verschieben und Löschen von Dateien, sondern packe und entpacke Archive, installiere RPMs, betrachte und editiere Dateien, erstelle symbolische Links, ändere Rechte von Dateien und Verzeichnissen und, und, und ... Das alles meist in Sekundenschnelle, ohne vorher seitenlange Manpages von diversen Kommandos durchzublättern.

Installation

In den meisten Distributionen sollte der Midnight Commander vorhanden sein. Auf SuSE 6.1 findest du ihn unter "ap" als Paket "mc" in der Version 4.5.25-5. Die jeweils aktuellste Version ist im Web unter http://www.gnome.org/mc/ erhältlich.

Der Midnight Commander bietet volle Mausunterstützung. Hierzu mußt du jedoch natürlich GPM aktiviert haben. Gestartet wird der Midnight Commander - im folgenden nur noch kurz "MC" genannt - durch ein einfaches mc an der Konsole. Wer es lieber farbig mag, gibt noch den Parameter -c dazu, dann präsentiert sich der Hintergrund strahlend blau. Beim ersten Start fügt der MC im Homeverzeichnis des Users ein weiteres Verzeichnis hinzu (.mc), in dem sich die "history" und "ini"-Datei befinden.

Nach dem Start erscheint der MC praktisch dreigeteilt mit einem linken und rechten Fenster sowie dem Prompt unterhalb der Fenster. Eingerahmt wird er durch die Menüzeile am oberen Bildrand und einem Abbild der Funktionstasten ganz unten.

Wenn du mit KDE arbeitest, solltest du mal eine Konsole öffnen und über Datei, Midnight Commander den MC unter X starten. Wenn es bei der graphischen Darstellung des MC zu Problemen kommt, experimentiere im Menü der Konsole unter Optionen mit verschiedenen Zeichensätzen.

Konfiguration

Das Aussehen von MC kann an zwei verschiedenen Stellen im Menü verändert werden. In Options, Configuration bzw. Options, Layout lassen sich verschiedene Voreinstellungen verändern. Unter "left" bzw "right" bestimmst du, welche Information im jeweiligen Fensterteil überhaupt gezeigt werden soll, und wie diese Information dargestellt wird. Hier kann sich jeder nach Lust und Laune austoben, bis er die für ihn optimale Ansicht gefunden hat. Dem Anfänger, der sehr oft als "root" arbeitet, empfehle ich jedoch, auf jeden Fall die Option safe delete in seiner Konfiguaration zu aktivieren. Ein Verzeichnis ist oft schneller gelöscht, als man denkt.

Im Menü Options, Display Bits solltest du außerdem die Option ISO 8859-1 aktivieren, damit u.a. die deutschen Umlaute korrekt dargestellt werden.

Was kann MC?

Dateioperationen

Einfache Dateioperationen lassen sich schnell und komfortabel mit den Funktionstasten erledigen. Mit der Tabulatortaste springst Du zwischen den Fenstern hin und her. Eine Datei wird mit der Taste "F5" in das gegenüberliegende Fenster kopiert, mit "F6" verschoben und mit "F8" gelöscht. Auch ganze Verzeichnisse lassen sich inclusive deren Unterverzeichnissen so bearbeiten. Mit der Taste "F7" erstellst Du ein neues Verzeichnis. Wenn Du eine Datei oder ein Verzeichnis umbenennen möchtest, drückst Du ebenfalls die Taste "F6" und überschreibst den Zielpfad mit dem neuen Namen. Mehrere Dateien/Verzeichnisse lassen sich mit der Taste "Einfg" markieren und so auf einen Rutsch bearbeiten.

Mit den Tasten "F3" und "F4" läßt sich eine Datei betrachten oder editieren. Der MC hat mit "mcedit" einen einfachen und leicht zu bedienenden Editor gleich mitgeliefert. Um ihn zu aktivieren, mußt Du jedoch vorher im Menü "Options, Configuration" die Optionen "use internal edit" und "use internal view" aktivieren. Sonst startet der vi. All denen, die eine Datei irrtümlich mit dem vi geöffnet haben, sei hier nochmals die Tastenkombination genannt, mit deren Hilfe der vi "unfallfrei" wieder verlassen werden kann: ":q!".

Packen und Entpacken

In der PC-Welt gibt es mittlerweile fast unzählige Packprogramme und -formate. Die wichtigsten Linuxformate sind wohl tar.gz, tgz, zip und bz2. Wer soll da noch alle Kommandos der verschiedenen Packer behalten? Zum Glück gibt es den Midnight Commander. Ein beliebiges Archiv wird wie folgt betrachtet: Bringe den Cursor auf die zu betrachtende Datei und drücke dann die "Return"-Taste. Der MC öffnet nun das Archiv und gewährt dir so einen bequemen Einblick in die verschiedenen Dateien des Archivs. Natürlich kannst du jetzt verschiedene Dateien und Verzeichnisse aus dem Archiv kopieren.

Das Erstellen eines Archivs geht fast genau so schnell. Gehe einfach in das zu archivierende Verzeichnis. Nun drückst du die Taste "F2". Es öffnet sich das "User menu". Hier wählst du nun den Befehl "Make a release of the current subdirectory ..." aus. Du hast die Wahl zwischen gzip- und bzip2-Archiven. Der MC führt dann das "tar"-Kommando in dem gewählten Verzeichnis aus und packt das Tarfile anschließend mit dem gewünschten Packprogramm in eine Datei deiner Wahl.

Wenn du dir das "User menue" etwas genauer anschaust, wirst du erkennen, daß der MC sogar bestehende Archive umwandeln kann. So läßt sich mit wenigen Tastendrücken aus einem tar.gz- oder tgz-Archiv ein bz2-Archiv erstellen. Nützlich vor allem dann, wenn man nur wenig Plattenspeicher hat, da bzip2 im Allgemeinen etwas bessere Komprimierungsraten hat.

RPM

RPM-Dateien lassen sich ebenso einfach installieren. Gehe mit dem Cursor auf das gewünschte Paket und drücke wiederum die "Enter"-Taste. In dem nun entstehenden Verzeichnis kannst du zwischen "install" und "update" auswählen.

Linuxtypische Kommandos und Befehle

Das Erstellen von symbolischen Links sowie das Ändern von Dateirechten fällt für mich unter die Rubrik "typische Linuxbefehle." Auch dies kannst du mittels MC kinderleicht erledigen. Im Menü "File" verbergen sich diverse Kommandos hierzu.

"Symlink" erstellt einen symbolischen Link der markierten Datei im gegenüberliegenden Fenster. Bestehende symbolische Links sind im MC durch ein vorangestelltes "@" gekennzeichnet. Diese lassen sich mit "edit symlink" auch bearbeiten. Die Menübefehle "cHmod", chOwn" und "Advanced chown" bieten dir eine komfortable Oberfläche zum Ändern von Dateirechten und -besitzern.

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