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Mi, 6. Juli 2005, 00:00

KIO: I/O Slaves unter KDE

Dieser Artikel beschreibt, wie man mit KDE und Konqueror transparent auf entfernte Dateisysteme übers Netz zugreifen kann, ohne sich auf der Kommandozeile die Finger zu verrenken.

Vorbemerkung

Dieser Artikel basiert in Teilen auf einem unter einer Creative Commons License im Oktober 2004 auf osdir.com erschienen englischsprachigen Artikel des KDE-Hackers George Staikos.

Eine etwas arg technische Einführung

»KDE Input/Output (KIO) stellt ein asynchrones virtuelles Dateisystem dar. Hinter diesem virtuellen Dateisystem stellen zahlreiche KIO-Slaves Zugriff auf unterschiedlichste Funktionalitäten bereit. Diese KIO-Slaves implementieren Schnittstellen, welche Anwendungsprogrammen den transparenten Zugriff auf Systeme erlauben, die ihre Funktionalitäten über Protokolle wie HTTP, FTP, SSH oder WebDAV bereitstellen.

Dies wird über eine Abstraktion der gemeinsamen Funktionalitäten, die solche Protokolle ermöglichen, erreicht. Dadurch können sämtliche KDE-Anwendungen auf einen großen Satz an Protokollen zugreifen, als würde es sich dabei um ein lokales Dateisystem handeln und ohne etwas über die eigentliche Funktionsweise wissen zu müssen.« (Quelle: WikiPedia)

Oder einfach gesagt...

In einfachen Worten ausgedrückt heißt das nichts anderes, als dass KDE uns die Möglichkeit bietet, auf entfernte Dateisysteme auf dieselbe Art und Weise zuzugreifen, wie wir das mit lokalen Dateisystemen gewohnt sind.

Das Ganze ist aber nicht nur auf Dateisysteme beschränkt, auch andere auf den ersten Blick nicht unbedingt dateisystembezogene Protokolle wie IMAP oder POP3 werden unterstützt.

Sinn und Unsinn

Natürlich kann man sich darüber streiten, ob es Sinn macht, mit Konqueror auf IMAP-Server zuzugreifen, aber es kann durchaus Sinn machen, mit dem Konqueror über FTP oder SSH auf seinen Webspace zuzugreifen, um schnell einige Dateien hochzuladen oder eine Config-Datei zu editieren und diese danach noch schnell in den Dateirechten anzupassen.

Was unterstützt wird

Um herauszufinden, welche Protokolle unterstützt werden, lohnt sich ein kurzer Blick in das KDE-Infozentrum (nicht zu verwechseln mit dem KDE-Kontrollzentrum!). Das Infozentrum erreicht man meist am besten über das KDE-Startmenü unter System | Infozentrum.

Unter EinAusgabe-Module werden alle unterstützten Protokolle jeweils mit allgemeinen Informationen und oft auch unter der Angabe des zugehörigen Handlers gelistet. Unter Handlern versteht man die Protokoll-Kürzel (wie z.B. http://), die für die Nutzung unter KDE benötigt werden.

Eine typische KDE-Installation unterstützt von Hause aus bereits knapp 70 verschiedene Protokolle. Das wirkt im ersten Augenblick sicherlich etwas viel, aber die wenigsten User werden mehr als einige wenige davon benutzen. Tatsächlich werden viele der dort gelisteten Protokolle primär von KDE-Applikationen genutzt.

Die Möglichkeiten von Konqueror kennenlernen

Am einfachsten ist das Prinzip der Protokoll-Handler wohl zu verstehen, wenn man sie im Konqueror ausprobiert. Dazu bieten sich zunächst die lokalen Protokolle (solche, die keine Netzverbindung benötigen) an.

Wenn man zum Beispiel im Konqueror in der Adresszeile fonts:/ (Achtung: Nur ein Slash, nicht zwei wie bei Netzprokollen!) eingibt, erscheint ein virtuelles Verzeichnis mit den auf dem System installierten Schriften. Diese können nun verschoben und gelöscht werden, neue Schriften können einfach durch Hineinkopieren in ein Verzeichnis installiert werden. Mit der rechten Maustaste auf eine Schrift zu gehen, ermöglicht z.B. auch eine Vorschau in einer Schriftenanzeige.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, es gibt noch viele weitere lokale Protokolle, von denen ich hier nachfolgend einige wichtige aufzählen will.

Handler Beschreibung
audiocd:/ Ein mächtiges Tool, um auf CDs zuzugreifen und die Tracks darauf abzuspielen. Ermöglicht auch das transparente Kodieren der Dateien in MP3 oder Ogg.
devices:/ Listet die verfügbaren Speichergeräte (Festplatten, CD, DVD, usw.). Erlaubt auch das Durchsuchen, Mounten und Unmounten der Geräte.
info:/ Das Info-Modul erlaubt es, die auf dem System installierten Info-Dokumente (GNU-Ersatz zu man) direkt im Konqueror zu lesen.
man:/ Erlaubt es, die Programm-Handbücher ("man pages") zu lesen, die auf dem System installiert sind. Ohne Zusatzangabe der gewünschten Manpage (z.B. man:/man) werden alle installierten Manpages gelistet.
settings:/ Alternativer Zugriff auf die Einstellmöglichkeiten des KDE-Kontrollzentrums.
file:/ Das file-Protokoll wird von allen KDE-Anwendungen verwendet, um lokale Dateien anzuzeigen. Die Eingabe von file:/Verzeichnis im Konqueror bewirkt, dass alle Dateien dieses Ordners aufgelistet werden.

Beispiele für lokale KIO-Protokolle mit zugehörigen Handlern

Die unendlichen Möglichkeiten im Netz

Deutlich interessanter und nützlicher als die lokalen Protokoll-Handler sind die netzbasierten. Sie verbinden Ressourcen im Netz auf transparente Art und Weise mit dem Desktop des Arbeitsplatzrechners und ermöglichen bzw. vereinfachen dadurch Kommunikation und Zusammenarbeit. Die deutlichste Unterscheidung zwischen lokalen und entfernten Handlern ist, dass die entfernten immer auf ein Doppel-Slash (//) enden.

Das einfachste Beispiel ist das HTTP-Protokoll (http://), welches die meisten Anwender wohl bereits einmal im Konqueror in der Adresszeile benutzt haben, um im Internet zu surfen. KDE und der Konqueror unterstützen aber noch weitere Protokolle wie FTP (ftp://) oder SMB (smb://), um auf FTP- bzw. Windows oder Samba-Server lesend und schreibend zuzugreifen.

Viele Protokolle (wie z.B. https://) werden auch SSL-verschlüsselt (erkennt man meist am s am Ende des Handlers) angeboten, um die Sicherheit zu erhöhen.

Der Konqueror ist nichts anderes als ein Webbrowser, der auch auf die lokale Systemumgebung zugreifen kann, allerdings deutlich besser integriert als der Windows-Explorer von Microsoft, der diese netten Taschenspielertricks des Konqueror erst noch lernen muss.

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