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Mi, 21. Januar 2004, 00:00

Chinesisch unter Mandrake-Linux

Dieser Bericht soll all denen weiterhelfen, die unter Linux (unter einer deutschsprachigen Desktopoberfläche) Chinesisch schreiben wollen, ohne immer das Locale wechseln zu müssen. Meine Distribution ist Linux Mandrake 9.1 mit KDE 3.1.4. Die Anleitung sollte also zumindest mit Mandrake 9.x funktionieren, bei anderen Distributionen ausprobieren.

Installation Mandrake: Sprachunterstützungen mitinstallieren

Bei der Installation von Mandrake unter dem Punkt Sprachen unbedingt bei allen Sprachen ein Kreuz machen, von denen man die Sprachumgebungen mitinstalliert haben will. Dabei unten auf den Knopf »Advanced« klicken und »Simplified Chinese« markieren. Ansonsten installieren Gnome-Programme selbst bei hinterher installiertem Locale für eine andere Sprache die Übersetzungsdateien nicht mit und man hat bei einem chinesischem Gnome-Desktop oder den GTK-Programmen trotzdem fast alles nur in Englisch. Ich habe also locales-de (also Deutsch) und locales-zh_CN (Chinesisch) mitinstalliert. Außerdem sollten die Fontpakete ttf-gb2312 und ttf-big5 installiert werden sowie kde-i18-zh, die chinesische Sprachumgebung für den KDE-Desktop, wenn man seinen Desktop unter »Simplified Chinese« betreiben will, und kde-i18-de für einen deutschen Desktop.

Eingabeeditor für Chinesisch: SCIM

Nun kann man mit dem von Mandrake mitgelieferten Programm »localedrake« ganz einfach auf Chinesisch umschalten und voilà, KDE präsentiert sich auf Chinesisch. Schön, aber wie gebe ich chinesische Schriftzeichen ein? Mandrake liefert Chinput und XCIN mit. Chinput funktioniert nicht unter Mandrake 9.1 mit der auf der CD ausgelieferten Version und XCIN ist meiner Meinung nicht das Wahre. Was also tun?

SCIM (Smart Common Input Method) installieren

Ich habe mir einfach SCIM, Smart Common Input Method, von turbolinux.com heruntergeladen. Die Default-Pakete funktionieren anstandslos, auch wenn es bei der Installation Abhängigkeitsprobleme mit GTK2 gibt. Also im Konqueror in das Verzeichnis mit dem aus dem Internet heruntergeladenen rpm-Paket wechseln, im Menü unter "Extras" ein "Terminal öffnen" und dort dann su eingeben. Man wird dann nach dem Passwort des root-Users, also des Administrators gefragt. Das eingeben und dann:

rpmi --install --nodeps paketname.rpm

Es sind die Pakete scim (aktuelle Version scim-0.8.2-1.i586.rpm zur Zeit dieses Artikels) und scim-chinese-0.2.6-1.i586.rpm (für Pinyin-Eingabemethode) herunterzuladen und zu installieren.

Weiterhin müssen wir die Datei /etc/X11/xinit/XIM modifizieren (geht natürlich nur als root). Sie bestimmt bei eingestellter Locale, welcher IME zum Einsatz kommt und automatisch mitgestartet wird. Wollen wir SCIM benutzen, sollte unter dem Punkt

zh_CN*) # Simplified Chinese

folgendes stehen (was vorher da stand, löschen!):

if type -p scim > /dev/null 2>&1 ; then
export XMODIFIERS="@im=SCIM"
scim -d
elif type -p xcin > /dev/null 2>&1 ; then
export XMODIFIERS="@im=xcin-zh_CN" LANG=zh_CN LC_ALL=zh_CN xcin &
fi
;;

Die Datei speichern und fertig. Danach wird die Sprache mit »localedrake« auf »Simplified Chinese« umgestellt, KDE neu gestartet und man kann mit dem Chinesischschreiben loslegen, indem man einfach CTRL und die Eingabetaste gleichzeitig drückt.

Konfigurationsdateien modifizieren

/etc/sysconfig/i18n

Diese Datei enthält die Spracheinstellungen des Systems, die beim Booten von Linux übernommen werden. Wir sollten hier auf alle Fälle UTF-8 an die ISO-Bezeichnungen der Locales anhängen (Beispiel bei Amerikanischem Englisch: en_US.UTF-8). Da ich mein System ja komplett in Deutsch haben will, sieht die Datei so aus:

LC_TELEPHONE=de_DE.UTF-8
LC_CTYPE=de_DE.UTF-8
LANGUAGE=de_DE.UTF-8:de
LC_MONETARY=de_DE.UTF-8
LC_ADDRESS=de_DE.UTF-8
LC_COLLATE=de_DE.UTF-8
LC_NAME=de_DE.UTF-8
LC_PAPER=de_DE.UTF-8
LC_NUMERIC=de_DE.UTF-8
SYSFONT=lat0-16
LC_TIME=de_DE.UTF-8
LC_MEASUREMENT=de_DE.UTF-8
LANG=de_DE.UTF-8
LC_MESSAGES=de_DE.UTF-8
LC_IDENTIFICATION=de_DE.UTF-8

/home/user/.i18n

Leider funktionieren alle mir bekannten chinesischen IMEs nur mit der entsprechenden Locale, also in unserem Fall Chinesisch als Sprache für unser System. Nun wollen aber viele Leute einfach einen Desktop komplett in Deutsch und trotzdem Chinesisch schreiben. Dazu öffnen wir die Datei .i18n in unserem Home-Verzeichnis (der Punkt vor dem Dateinamen deutet darauf hin, daß sie versteckt ist, man muß im Konqueror vorher also unter Ansichtversteckte Dateien anzeigen anklicken, falls dies nicht schon geschehen ist). Die Datei am besten mit Kwrite öffnen. Der Inhalt sieht bei chinesischer Locale etwa so aus:

LANGUAGE=zh_CN.GB2312:zh_CN:zh
LC_ADDRESS=zh_CN.UTF-8
LC_COLLATE=zh_CN.UTF-8
LC_NAME=zh_CN.UTF-8
XIM=chinput
LC_NUMERIC=zh_CN.UTF-8
LC_TIME=zh_CN.UTF-8
LC_MEASUREMENT=zh_CN.UTF-8
LANG=zh_CN.UTF-8
LC_MESSAGES=zh_CN.UTF-8
LC_IDENTIFICATION=zh_CN.UTF-8
LC_CTYPE=zh_CN.UTF-8
LC_TELEPHONE=zh_CN.UTF-8
CONSOLE_NOT_LOCALIZED=yes
LC_MONETARY=zh_CN.UTF-8
XIM_PROGRAM=chinput
LC_PAPER=zh_CN.UTF-8
XMODIFIERS="@im=chinput"

Diese ändern wir mit Kwrite so, daß sie dann so aussieht:

LANGUAGE=zh_CN.GB2312:zh_CN:de
LC_ADDRESS=de_DE.UTF-8
LC_COLLATE=de_DE.UTF-8
LC_NAME=zh_CN.UTF-8
XIM=scim
LC_NUMERIC=de_DE.UTF-8
LC_TIME=de_DE.UTF-8
LC_MEASUREMENT=de_DE.UTF-8
LANG=zh_CN.UTF-8
LC_MESSAGES=de_DE.UTF-8
LC_IDENTIFICATION=zh_CN.UTF-8
LC_CTYPE=zh_CN.UTF-8
LC_TELEPHONE=de_DE.UTF-8
CONSOLE_NOT_LOCALIZED=yes
LC_MONETARY=de_DE.UTF-8
XIM_PROGRAM=scim
LC_PAPER=de_DE.UTF-8
XMODIFIERS="@im=scim"

Menüschriften ändern

KDE

Na endlich, KDE auf Deutsch und trotzdem läuft SCIM richtig. Aber die Schriften - Oh Gott! Gleich mal im KDE-Kontrollzentrum ändern auf unsere Lieblingsschrift, bei mir Helvetica oder Arial. Nun sehen die KDE-Programme doch gleich viel besser aus.

GTK2 (Gnome2)

Aber was ist mit den GTK2-Anwendungen? Die benutzen scheinbar immer noch »AR PL SungtiL GB«. Die mag für chinesische Zeichen okay sein, ist aber bei lateinischen Buchstaben eine mittlere Katastrophe. Dafür legen wir eine neue Datei .gtkrc-2.0 im Home-Verzeichnis an. Der Inhalt der Datei:

gtk-font-name="FontDeinerWahl 10"

Bei FontDeinerWahl kann z.B. Arial stehen oder Helvetica, bei der 10 auch eine 11 oder 12 oder 9, wenn die Schrift bei 10 zu klein oder groß angezeigt werden sollte. Die Datei speichern. Fertig.

GTK1 (Gnome1)

GTK1-Anwendungen sehen danach oft immer noch häßlich aus. Dem kann man abhelfen, indem man die Datei /etc/gtk/gtkrc.iso-8859-15 mit Kwrite öffnet (natürlich wieder als root) und als /etc/gtk/gtkrc.zh_CN.utf8 abspeichert. Die vorhandene gtkrc.zh_CN.utf8-Datei vorher besser in gtkrc.zh_CN.utf8-original umbenennen. Man weiß ja nie, ob die nochmal gebraucht wird, falls man doch den kompletten Desktop in Chinesisch haben will. So, GIMP 1.2 oder Grip haben nun eine schöne Helvetica als Font. Diese kann man in der neuen gtkrc.zh_CN.utf8 jedoch auch durch einen anderen Font ersetzen.

Nun sollte alles soweit fertig eingerichtet sein. Ein deutschsprachiger Desktop, chinesische Eingabemethode und angenehme Schriften.

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