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Mo, 30. Juni 2014, 14:00

TLP - Einfache Optimierung der Energierverwaltung für Laptops

Auf Notebooks verlangt Linux etwas mehr Aufmerksamkeit, bis das System richtig konfiguriert ist. Ein Grund dafür sind optimale Energiesparfunktionen für lange Akkulaufzeiten. Die Tool-Sammlung TLP hilft dabei.

Bei der Hardware-Unterstützung des Linux-Kernels geht es zunächst darum, dass ein Gerät grundsätzlich läuft. Fortgeschrittene Features, etwa Energiesparfunktionen, kommen meist erst in einer späteren Entwicklungsphase hinzu. Und dann auch erst, wenn der Hardware-Hersteller mitspielt, denn selten sind alle Funktionen für Ruhezustände dokumentiert oder lassen sich durch den Nachkonstruktion (Reverse Engineering) von Windows-Treibern nachbauen. Zwar wächst mit jeder Kernel-Version die Zahl der unterstützten Geräte: Der mitgelieferte Treiber und auch die Energiesparfunktionen machen jedes Mal Fortschritte.

Vorher und nachher: Das Tool powerstat zeigt eine Statistik der Leistungsaufnahme in Watt – links ohne TLP und rechts nach der Installation von TLP

David Wolski

Vorher und nachher: Das Tool powerstat zeigt eine Statistik der Leistungsaufnahme in Watt – links ohne TLP und rechts nach der Installation von TLP

Auf Software-Seite bringt jede aktuelle Linux-Distribution für die Energiesparfunktionen die Power-Management-Utils mit (pm-utils). Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Skripten, die den Ruhezustand und Stromsparmodus von unterstützten Geräten steuern. Häufig sind diese aber nach der Installation eines Linux-Systems nicht aktiviert. Denn es ist Sache der Distribution, ein Linux abhängig von der gewählten Kernel-Version und Desktop-Umgebung für den Einsatz auf Notebooks über zahlreiche Feineinstellungen zu optimieren. Bis alle Register gezogen sind, erlaubt ein Linux-System auf Notebooks gegenüber Windows mit seinen proprietären Treibern meist nur kürzere Akkulaufzeiten. Damit dem Notebook unterwegs nicht nach kurzer Zeit der Saft ausgeht, lohnt es sich beim Einsatz von Linux, alle Energiesparmöglichkeiten zu überprüfen und falls nötig zu aktivieren. Um dies nicht manuell erledigen zu müssen, liefert das Projekt TLP eine vorbereitete, sparsame Konfiguration für Notebooks. TLP ist als Konfigurationsset im Thinkpad-Wiki ursprünglich für Modelle von IBM und Lenovo entstanden, unterstützt heute aber alle Notebook-Typen.

TLP besteht aus Skripten für Kommandozeilenwerkzeuge. Es ist aber so konzipiert, dass die Stromsparfunktionen ohne weiteres Zutun mit der Installation der Skript-Sammlung aktiv werden, da die vorhandene Konfiguration der pm-utils angepasst wird. Um zu sehen, wie effektiv TLP ist, lohnt sich die vorherige Installation eines Überwachungswerkzeugs, das den Energiebedarf der Systemkomponenten vor und nach der Optimierung anzeigt. Dazu ist das Tool powerstat vortrefflich geeignet, das in Ubuntu und Linux Mint über die Standardpaketquellen verfügbar und mittels

sudo apt-get install powerstat

Liste der Einstellungen: Ob die Skripte von TLP geladen sind und mit welchen Optionen es aktiv ist, verrät das Kommando tlpstat, das mit seinen Parametern auch einzelne Geräte abfragen kann

David Wolski

Liste der Einstellungen: Ob die Skripte von TLP geladen sind und mit welchen Optionen es aktiv ist, verrät das Kommando tlpstat, das mit seinen Parametern auch einzelne Geräte abfragen kann

schnell installiert ist. Anwender von Fedora und Open Suse finden fertige RPM-Pakete des Tools über die Paketsuchmaschine von rpm.pbone.net. Nach dem Aufruf von powerstat in einem Terminalfenster, während das Notebook auf Akku läuft, sammelt das Tool fünf Minuten lang Leistungsdaten und zeigt dann eine Statistik mit der ungefähren Leistungsaufnahme in Watt an. Die Tastenkombination Strg-C beendet das Tool wieder.

TLP für verschiedene Distributionen

Mit seinen teils experimentellen Einstellungen ist TLP in den Standardpaketquellen von verbreiteten Distributionen nicht enthalten. Es muss aber nicht selbst kompiliert werden, da es aus anderen Quellen fertige Pakete für Ubuntu, Linux Mint, Debian Fedora und Open Suse gibt.

Ubuntu, Mint & Co.: Für Ubuntu und Linux Mint steht ein PPA als inoffizielle Paketquelle bereit. Diese nehmen Sie mit dem Kommando

sudo add-apt-repository ppa:linrunner/tlp

auf und installieren dann mit

sudo apt-get  apt-get install tlp tlp-rdw

die benötigten Pakete.

Debian: Ab Version 6 können Sie ohne Konflikte die Pakete aus dem PPA von Lucid Lynx verwenden. Ergänzen Sie dazu die Repositories in der Datei /etc/apt/sources.list um den Eintrag

deb http://ppa.launchpad.net/linrunner/tlp/ubuntu lucid main

und lesen Sie mit

apt-key adv --keyserver keyserver.ubuntu.com --recv-keys 02D65EFF

die Signaturen für dieses Repositorium ein. Dann installieren Sie die Pakete »tlp« und »tlp-rdw« genauso wie in Ubuntu.

Fedora: Ab Version 18 gibt es auch hier eine eigene Paketquelle. Um diese zu nutzen, richten Sie zuerst die stets empfehlenswerten Zusatz-Repositorien von RPMFusion ein. Dann nehmen Sie mit dem Kommando

sudo yum localinstall –nogpgcheck http://repo.linrunner.de/fedora/tlp/repos/releases/tlprelease-1.0-0.noarch.rpm

die Quelle für TLP auf und installieren von dort mit

sudo yum install tlp tlp-rdw

die Pakete für Fedora.

Opensuse: Für Version 12.3 und 13.1 hilft der Open Suse Build Service weiter, der unter https://build.opensuse.org/package/show/home:dirtycold/tlp vorbereitete RPM-Pakete bereitstellt. Nach der Installation ist immer ein Neustart des Systems nötig, da TLP über die jetzt installierten Init-Skripte automatisch ab dem Systemstart aktiv wird. Mit dem Befehl

Feintuning: Über »/etc/default/tlp« lässt sich TLP konfigurieren. Meist liefert TLP aber auch ohne manuelle Anpassungen eine beeindruckende Reduktion der Leistungsaufnahme

David Wolski

Feintuning: Über »/etc/default/tlp« lässt sich TLP konfigurieren. Meist liefert TLP aber auch ohne manuelle Anpassungen eine beeindruckende Reduktion der Leistungsaufnahme

sudo tlp-stat | less

können Sie alle Feineinstellungen von TLP auflisten, die in der Standard-Konfiguration gelten (Q-Taste zum Beenden). Zudem wird das Tool powerstat einen deutlich niedrigeren Energiebedarf anzeigen. Die Einsparungen liegen typischerweise im Bereich von 10 bis 15 Prozent.

TLP manuell optimieren

TLP verwaltet alle Energiesparoptionen zentral in einer einzigen Konfigurationsdatei. Diese finden Sie auf allen Distributionen unter /etc/default/tlp mit englischsprachigen Kommentaren zu jeder Einstellung. Experimentelle Optionen, die möglicherweise mit bereits über die Distribution gesetzten Voreinstellungen in Konflikt geraten könnten, sind mit Raute (#) auskommentiert. Dazu gibt es eine ausführliche Erklärung jeder Einstellung auch auf Deutsch im Wiki der TLP-Entwickler. Mit etwas Geduld ist es möglich, TLP weiter zu optimieren und perfekt auf die Hardware abzustimmen. So bieten etwa Core-i-Prozessoren von Intel weiteres Stromsparpotenzial, und mit dem Parameter »DISK_SPINDOWN_TIMEOUT_ON_BAT« lassen sich mechanische Festplatten ab einer bestimmten Zeit der Inaktivität abschalten. Generell ist es empfehlenswert, erst eine Sicherungskopie der Konfigurationsdatei anzulegen, beispielsweise mit diesem Befehl:

sudo cp /etc/default/tlp /etc/default/tlp.bak

Neue Einstellungen übernehmen Sie mit einem Neustart des Systems. Sie sollten dabei immer nur einen Parameter auf einmal ändern, um im Falle von Problemen oder schlechter Performance die letzte Änderung wieder rückgängig machen zu können.

Dieser Artikel stammt von unserem Kooperationspartner PC-WELT.

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