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So, 25. April 2004, 00:00
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Interview mit dem Debian-Projektleiter Martin Michlmayr

Martin Michlmayr wurde dieses Jahr erneut zum Debian-Projektleiter gewählt und steht uns nun Rede und Antwort.

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Daniel Gebhart: Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Was war dein Beweggrund, dich als Debian-Projektleiter zu bewerben?

Martin Michlmayr: Debian ist ein sehr großes Projekt, das ein hohes Maß an Koordination bedarf. Ich habe in den letzten zehn Jahren bei einigen Freie-Software-Projekten mitgemacht und habe meistens Funktionen ausgeführt, die mit Koordination und Management in Zusammenhang standen. Debian ist eine echte Herausforderung was Koordination betrifft, da das Projekt sehr groß und komplex ist. Wir haben rund 900 offizielle Entwickler und 300 Helfer und über 8000 Pakete auf 11 Architekturen. Die einzelnen Freiwilligen führen ihre Arbeit meist sehr selbstständig aus, doch es hilft oft, wenn man zwischen verschiedenen Leuten vermittelt und den Überblick im Auge behält.

Daniel Gebhart: Worin siehst du deine stärksten Erfolge in deiner Tätigkeit als Projektleiter im vergangenen Jahr?

Martin Michlmayr: Ich glaube, dass ich ziemlich erfolgreich dafür gesorgt habe, dass die Arbeit im Projekt reibungslos verläuft und dass einige Probleme behoben wurden. Vielen ist nicht bewusst, wie viel Arbeit es ist, ein Projekt mit der Größe von Debian am Laufen zu halten. Es gibt ständig etwas, das Aufmerksamkeit braucht. Einmal fällt wichtige Hardware aus und man muss schnell nach Ersatz suchen, dann gibt es Probleme zwischen Entwicklern oder man muss schnell auf Meldungen in der Presse antworten. Eine wichtige Funktion, die ich ausführe, ist klarzustellen, dass andere Freiwillige im Projekt ihre Arbeit gut und effizient ausführen können. Oft kann man mit Kleinigkeiten das Leben anderer viel einfacher machen. Zum Beispiel profitieren Leute, die an Ports oder dem Installer arbeiten, von Hardware, oder andere haben ein Problem, das jemand schon längst gelöst hat. Ich versuche einen guten Überblick zu haben, was im Projekt vor sich geht und was benötigt wird, und kann dadurch oft Leuten helfen, indem ich sie z.B. mit anderen in Kontakt bringe.

Eine weitere Funktion des Projektleiters ist es, das Projekt nach außen hin zu vertreten. Ich habe an zahlreichen Konferenzen teilgenommen und Vorträge über Debian gehalten. Ich nutze diese Gelegenheit auch, um Debian-Entwickler persönlich zu treffen und mit Benutzern zu sprechen, um zu sehen, was Debian besser machen kann. Ich stehe auch mit Firmen in Kontakt und versuche für bessere Kooperation zwischen Debian und Hardware-Firmen als auch mit Firmen, die Debian-basierte Produkte anbieten, zu sorgen.

Daniel Gebhart: Was denkst du im letzten Jahr als Projektleiter falsch gemacht zu haben?

Martin Michlmayr: Ein Grund, warum ich mich vor mehr als einem Jahr als Projektleiter beworben habe, war, dass die Projektleiter der letzten Jahre meiner Meinung nach nicht präsent genug im Projekt waren. Viele haben das Projekt nach außen hin vertreten, aber wenig innerhalb des Projekts koordiniert und ihre Aktivität deutlich gezeigt. Obwohl ich im Projekt sehr aktiv und präsent war und auch regelmäßig Zusammenfassungen und Neuigkeiten gepostet habe, denke ich, dass ich wahrscheinlich noch präsenter sein hätte sollen. Viele Aufgaben des Projektleiters geschehen im Stillen - solange alles funktioniert, merkt keiner was. Nur wenn die Funktionen nicht ausgeführt werden, würden es die Leute merken. Es ist vielen deshalb nicht klar, was der Projektleiter eigentlich tut.

Daniel Gebhart: Welche Ziele hast du dir für dieses Jahr gesteckt?

Martin Michlmayr: Es gibt drei Bereiche, die für dieses Jahr höchste Priorität haben. Erstens müssen wir unseren Release in den Griff bekommen und eine klare Release-Policy schaffen und diese auch verfolgen. Zweitens brauchen wir mehr Transparenz im Projekt und müssen dafür sorgen, dass unsere Core-Teams wachsen: obwohl Debian in den letzten Jahren sehr gewachsen ist, sind unsere Core-Teams (z.B. das Security Team) gleich groß wie früher. Das gibt große Probleme, da die gleiche Zahl von Freiwilligen plötzlich doppelt so viel Pakete supporten muss. Drittens gibt es eine steigende Anzahl an Debian-basierten Distributionen und wir müssen mit diesen Projekten arbeiten, damit ihre Arbeit zurück nach Debian fließt. Viele Länder, wie zum Beispiel Spanien und Griechenland, entwickeln Debian-basierte Systeme und bezahlen Leute, um daran zu arbeiten. Indem wir mit solchen Projekten zusammenarbeiten, kann man Duplicate of Effort vermindern und neue Funktionalität in Debian einbinden.

Daniel Gebhart: Wie kann man dem Debian-Projekt am besten helfen?

Martin Michlmayr: Es gibt viele Möglichkeiten, Debian zu helfen. Man kann Fehlerberichte einschicken, und wenn möglich auch Patches dazu geben oder Patches für bestehende Fehler erzeugen. Man kann anderen Leuten helfen, wenn sie Debian installieren. Derzeit arbeiten wir an einer neuen Version unseres Installers. Man kann eine Beta-Version herunterladen, die man testen und dann einen Bericht einschicken kann. Es gibt noch weitere Möglichkeiten - das Wichtige ist, an der Debian-Community teilzunehmen und sie zu stärken.

Daniel Gebhart: Vielen Dank für das Interview.

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