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Fr, 28. Juli 2006, 17:39

Unternehmen

ATI in der Kritik

Immer öfter muss sich der Chiphersteller ATI Schelte aus der Community anhören – zuletzt wegen einer Blockade von offenen Linux-Treibern und niedriger Geschwindigkeit der eigenen Software.

»Perfekten« Support wollte der kanadische Hersteller ATI, der mittlerweile von AMD geschluckt wurde, unter Linux liefern, als er 1999 die Quellen seiner Treiber unter einer offene Lizenz stellte. Ein »Grafikhersteller der ersten Wahl unter Linux« plante ATI zu werden. Etliche Jahre später sieht die Situation eher ernüchternd aus. Zwar unterstützt ATI immer noch Linux, die Treiber sind aber geschlossen und der Hersteller muss sich zunehmend harsche Kritik anhören. Der Support wird darüber hinaus von vielen Nutzern als mangelhaft bewertet. Zunehmend wird deshalb dem Konkurrenten nVidia unter Linux den Vorzug gegeben.

Nun gesellt sich zu der Schelte ein weiterer Vorwurf, wonach ATI offene Treiber für Linux nicht nur nicht unterstütze, sondern gar blockiere. Dies gab Dave Airlie, Entwickler bei X.org, in einem Vortrag (PDF) über die verschiedenen Linux-Grafiktreiber an. Der Entwickler gestand eher beiläufig, dass er einen Open-Source-Treiber für ATIs X1300 entwickelt habe und immer noch auf die Freigabe von ATI warte. Airlie hat laut eigenen Aussagen bei der Entwicklung auf Dokumentation zurückgegriffen, die ihm unter einem NDA (Non-Disclosure Agreement) zur Verfügung gestellt wurde. Um mögliche Klagen zu verhindern, bat der Programmierer um Zustimmung zur Veröffentlichung bei ATI. Eine Antwort hat er allerdings nie erhalten. In seinem Blog beschwert sich Airlie nach mittlerweile über vier Monaten Wartezeit öffentlich über ATI. Er glaube nicht, dass seine knapp 600 Zeilen umfassende Änderung einer so große Überprüfung bedürfe, die eine so große Zeitspanne erklären würde.

Benutzer von Open-Source-Software schauen indes in die Röhre. Da die großen Hersteller von Linux-Distributionen mittlerweile komplett auf geschlossene Treiber in ihren Produkten verzichten, ist der Leidtragende der Nutzer. Als Alternative bleibt ihm nur ATIs proprietärer Linux- Treiber »fglrx«, der die X1x00-Chips allerdings auch erst ein halbes Jahr nach nach deren Einführung unterstützt – vorausgesetzt, ATI implementierte die DeviceIDs der Karten im offiziellen Treiber. Ist dem nicht so, versagen auch die proprietären Treiber ohne eigene Änderung den Dienst.

Scharfer Wind bläst den Kanadiern nun auch von der Seite der Nutzer ins Gesicht. 50 Tage lang testete Michael Larabel, Betreiber der Seite Phoronix, die neuesten fglrx-Treiber, und kommt zu einem teilweise verheerenden Resultat. Die wohl wichtigste Komponente einer Karte, die Geschwindigkeit, scheint ATI immer noch nicht in den Griff bekommen zu haben. Im direkten Vergleich zu Windows-Treibern erreicht die Linux-Version bei manch einem Spiel nicht mal die Hälfte der möglichen Geschwindigkeit. Während die Windows-Version zum Beispiel bei Quake4 in einer Auflösung von 1280x1024 Pixeln fast 104 Bilder in der Sekunde produzierte, kommt die Linux-Variante nicht einmal auf 50 Bilder. Besser sieht es auch nicht bei anderen Spielen aus. Auch hier hinkt die Linux-Variante massiv dem Windows-Pendant hinterher.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Unterstützung der ATI-Karten entwickeln wird. Klar dürfte allerdings sein, dass der momentane Zustand nicht anhalten kann. Wie auch dem Test von Phoronix entnommen werden kann, erleben immer wieder Benutzer Schwierigkeiten beim Übersetzen des Kernel-Moduls und beim Einsatz der Karten. Zudem hinkt ATIs Linux- Version in der letzten Zeit der eigenen Hardwareentwicklung massiv hinterher.

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