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Di, 15. August 2006, 17:24

Kognitive Vorurteile gegenüber Open Source

Eigentlich könnte die Software-Welt so schön sein - hätten die Menschen nicht von Natur aus unbestimmte Vorbehalte gegenüber offenen Lösungen, so scheint es.

Der Artikel »closed mind about an open world« in der Financial Times kommentiert, wie viele zunächst misstrauisch und ablehnend gegenüber freien Projekten wie offenen Netzwerken, Software-Anwendungen oder auch freien Wissens-Almanachen reagieren. Woran das liegt: Der Autor James Boyle nennt es »openness aversion«, eine Aversion gegenüber Offenheit. Denn befasst sich die Verhaltensforschung mit der Ökonomie, könne sie auch nur demonstrieren, dass sich Menschen nicht gemäß der Prognosen der Wirtschaftstheorien verhalten. Menschen rechnen zum Beispiel eher mit einem wirtschaftlichen Misserfolg, anstatt sich bessere Gewinnchancen auszumalen. Viele Entscheidungen werden nämlich durch kognitive Verhaltensmuster bestimmt.

Für den Autor trifft das ebenso auf den Umgang mit geistigem Eigentum im Zusammenhang mit dem Internet zu: Menschen neigen dazu, »die Wichtigkeit, die Rentabilität und die produktive Energie von offenen Systemen, offenen Netzwerken und der nicht-proprietären Produktion unterzubewerten«, erklärt Boyle. Er führt die Entwicklung des Internets an: Hätte man sich vor 15 Jahren eine totale Offenheit und den freien Zugang zu Wissen vorstellen können, als das Netz in den Anfängen steckte? Hätte man sich entscheiden müssen zwischen einem offenen System, das neben dem Bürgerjournalismus auch Spam, Online-Pornos und Viren zulässt - und einem regulierten System, das dem einzelnen User nur wenige Freiheiten in der Bedienung lässt und ihm alles vorgibt? 1991 hätte man wohl eher der Kontrolle und dem Eigentum den Vorzug gegeben, resümiert der Autor.

»Es ist nicht so, dass die Offenheit immer das Richtige ist. Wir bräuchten besser eine Balance zwischen offen und geschlossen, besitzend und frei. Und systematisch scheinen wir die Balance falsch zu verstehen«, sagt er. Gründe dafür seien das Unverständnis gegenüber Eigentum in Netzwerken, weil es nicht greifbar ist. Intuitiv würden wir uns nicht für Eigentumsverhältnisse entscheiden, die sich nicht durch Überbeanspruchung abnützen, wie bei Software. Noch könnten wir Eigentum annehmen, das durch den Gebrauch von vielen erst wertvoll wird, wie Kommunikationsstandards. »Wie bei Astronauten, die an Schwerkraft gewöhnt sind, sind unsere Reflexe schlecht auf den freien Fall vorbereitet«, so Boyle. Aber vielleicht ist das eine Sache des Lernens und des Aneignens, sich auf veränderte Verhältnisse einzustellen. (fspa)

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