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Di, 24. Oktober 2006, 09:16

Gemeinschaft::Personen

Richard Stallman und Kernel-Hacker über die GPLv3

Glyn Moody befragte Richard Stallman und einige führende Linux-Kernel-Hacker über die GPLv3 und erhielt ausführliche Antworten.

In einem Artikel im Linux Journal und auf seiner Blog-Seite stellt er die Antworten vor. Eine der ausführlichsten kam von Richard Stallman, der nochmals seine Gedanken zur GPLv3 erläutert. Der Hauptzweck der geplanten Anti-DRM-Klauseln in GPLv3 sei es, zu verhindern, dass eigentlich freier Code mit DRM-Mitteln nicht änderbar und damit unfrei werde. Die Firma Tivo hat mit ihren Geräten, in denen Linux läuft, einen Präzedenzfall geschaffen, der zwar den Wortlaut der GPL erfüllt, aber gegen ihren Geist verstößt. Obwohl Tivo nicht die einzige Firma dieser Art ist, spricht man mittlerweile von einer »Tivoisierung« des Codes. Für Stallman ist das unmoralisch. Die Freiheit des Codes bleibt für ihn weiterhin das Ziel, für das es keine Kompromisse geben kann. Dadurch grenzt er sich auch deutlich vom Open-Source-Lager ab, das lediglich frei zugänglichen Quellcode fordert. Laut Stallman ist es nötig, die GPL anzupassen, um die Anwender vor Tivoisierung zu schützen und damit die Freiheit des Codes zu bewahren.

Für die Linux-Kernel-Entwickler sieht das anders aus. Schon frühzeitig hatten sie sich entschieden, den Kernel, soweit sie selbst das Copyright daran halten, nur unter der GPLv2 zu lizenzieren und keinen »Update« auf GPLv3 zuzulassen. Der drohende Konflikt mit Richard Stallman und der Free Software Foundation (FSF) wurde jüngst mit einem Positionspapier angeheizt, das allerdings nur von einer Minderheit der Entwickler gestützt wird. Ein gemeinsamer Standpunkt der befragten Entwickler Linus Torvalds, Alan Cox, Greg Kroah-Hartman, Andrew Morton und Dave Miller hat mit den Freiheiten zu tun, die die GPLv2 garantiert. Der Entwurf der GPLv3 nehme den Entwicklern und Anwendern gewisse Freiheiten, auf die sie bisher gebaut haben, und sei daher nicht für den Kernel akzeptabel. Keiner der Hacker billigt das Vorgehen von Tivo, doch glauben einige von ihnen, dass bereits GPLv2 so interpretierbar sei, dass Tivos Vorgehen illegal sei.

Bisher gab es kaum einen direkten Dialog zwischen der FSF und den Kernel-Entwicklern. Zeit für diesen Dialog gibt es immer noch, solange die GPLv3 nicht fertiggestellt ist. Es scheint aber zweifelhaft, ob die fundamentalen Unterschiede in den Ansichten überbrückbar sind. Auch wenn die Anti-DRM-Klauseln der GPLv3 inzwischen soweit entschärft wurden, dass sie sich spezifisch auf Tivo-ähnliche Fälle beziehen, sind es dennoch Klauseln, die sich ausschließlich auf den Linux-Kernel beziehen. Da die FSF jedoch keinerlei Copyright-Ansprüche auf den Kernel hat, sehen die Linux-Entwickler diese Klauseln als Einmischung in ihre Angelegenheiten.

Vieles deutet also darauf hin, dass es in Zukunft eine zur GPLv2 inkompatible GPLv3 geben wird, die von den Kernel-Entwicklern und möglicherweise von anderen abgelehnt wird. Dies ist im Prinzip nichts Neues, da es heute schon eine Vielzahl von oftmals inkompatiblen freien Softwarelizenzen gibt. Offen ist, inwiefern die neue Lizenz dazu führen wird, dass Projekte geforkt werden, so dass ein Zweig unter der GPLv2 und ein Zweig unter der GPLv3 weiterentwickelt wird. Auch das ist nichts Neues, wie an der Abspaltung von X.org von XFree86 zu sehen war. Besonders könnte solch ein Fork im Bereich der GNU Compiler Collection und der verwandten Tools in der Luft liegen. Denn die FSF hält das Copyright am vollständigen Code dieser Software und wird die Lizenz wahrscheinlich auf GPLv3 ändern. Sollte dies Kompatibilitätsprobleme mit dem Kernel oder Anwendungen verursachen, sind die Linux-Entwickler bereit, einen Fork auf Basis des unter GPLv2 stehenden Codes zu machen.

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