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Mi, 10. Januar 2007, 09:21

Einheitliches Paketsystem für Linux in Arbeit

Ein neues Projekt der Free Standards Group will die Installation von Applikationen unter Linux und die Distribution von Programmen vereinheitlichen.

Vielfalt kann ein Segen sein - und ein Fluch. Nicht anders sieht die Situation der Paketformate unter Linux aus. Während Nutzer »ihrer« Distribution sich in der Regel mit »ihrem« Format zufrieden zeigen, fluchen vor allem Hersteller von alternativer Software und Umsteiger. In welchem Format soll eine Applikation angeboten oder heruntergeladen werden? Die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich. Neben den Platzhirschen RPM, DEB und tar.gz/bz2 gesellten sich auch neue Formate wie Portage, Klick, Zero Install oder eigene binäre Installer hinzu. Allesamt sind sie angetreten mit der Mission, die Installation zu vereinfachen oder die Paketlandschaft unter Linux zu homogenisieren. Geblieben ist ein Wirrwarr an Formaten, die kaum noch jemand überblicken kann.

Dem gegebenen Zustand will sich nun eine Arbeitsgruppe der LSB widmen. Zwar regelt die LSB bereits in der aktuellen Fassung die Wege der Redistribution eines Paketes, doch sind die Richtlinien oftmals nicht praktikabel oder verfehlen schlicht die Problematik. Das Werk regelt zum Beispiel das Binärformat der Applikation und die dazugehörenden Bibliotheken, wie sie aber ausgeliefert wird, überlässt der Standard weitgehend dem Distributor. Wie auch könnte die LSB in das Hoheitsgebiet der Hersteller eingreifen und ihnen vorschreiben, dass sie ab sofort auf ein einheitliches Format setzen sollen? Red Hat mit.deb oder Debian mit.rpm? Für viele Anwender schlicht unvorstellbar.

So fand sich bereits Anfang Dezember in Berlin eine Arbeitsgruppe der Free Standards Group zur Beratung zusammen. Eingeladen wurden darüber hinaus Vertreter und Programmierer der bekannten Paketformate. Neben Maintainern von RPM saßen an einem Tisch auch Vertreter von APT, yum, Alien und Klik beisammen und brüteten über einer Lösung des Problems. Die Beteiligten waren sich in einem Punkt schnell einig. Die unter Linux bestehende Situation soll geändert werden. Viele Unternehmen haben bereits im Umfeld von Linux ihre Produkte erstellt und wollen oder vertreiben bereits ihre proprietäre Software unter dem freien Betriebssystem. Ihnen zuzumuten, dass sie es gleich in mehreren Formaten erledigen müssen, sei utopisch. Dass jeder Hersteller einen eigenen Installer erstellt und die bestehende Paketstruktur der Distribution ignoriert ist ebenfalls kein Zustand, der auf lange Sicht bestand haben darf. Es muss ein einheitliches System her, das die Distributoren nicht behindert und trotz allem flexibel genug ist, um Herstellern eine einheitliche Basis zu bieten. Ein neues Paketsystem für alle Distributionen vorzuschreiben, scheidet allerdings auch aus. Dagegen sprechen nicht nur die bereits bestehenden Managementsysteme, sondern wohl auch die Einsicht, dass sich keiner der etablierten Hersteller auf ein neues System einlassen wird.

So kamen die Teilnehmer zum Entschluss, dass die wohl größte Aussicht auf Erfolg eine Neuentwicklung haben wird, die bereits auf bestehende Systeme aufsetzt und die Distributoren so nicht gängelt. In Betracht kommt eine API, die dem Benutzer eine einheitliche Schnittstelle anbietet und die gängigsten Paketsysteme im Hintergrund benutzt. Schnell wurde auch klar, dass nicht alle Funktionen der bestehenden Systeme genutzt werden können. Man will sich allerdings auf die wichtigsten Funktionen konzentrieren und sie bestmöglich unterstützen.

Wie eine solche API im Detail aussehen wird, stand am Ende des Treffens noch nicht fest. Zu viele Einzelheiten müssen noch geklärt werden. Einzig der Entschluss blieb, dass eine API angepackt wird und die Problematik all für alle Mal gelöst werden sollte. Die im Rahmen des »Packaging Summit« ausgearbeiteten Ideen sollen nun in einer neuen »Packaging Workgroup« weiter vertieft werden. In einer eigens eingerichteten Liste sollen die Ideen reifen und unter der freestandards.org-Adresse gesammelt werden.

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