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Mo, 5. Februar 2007, 08:32

Gesellschaft::Politik/Recht

Patentiert Microsoft fremde Ideen?

Das BlueJ-Projekt sorgt sich um ein von Microsoft eingereichtes Patent, das genau die bereits seit langem vorhandenen Features in BlueJ beschreibt.

Das BlueJ-Projekt ist eine interaktive Java-Entwicklungsumgebung. Sie zeigt eine grafische Darstellung der Klassen der Anwendung und ihrer Beziehungen, und erlaubt den Benutzern, interaktiv Objekte jeder Klasse zu erzeugen. Wenn die Objekte erzeugt sind, können die Anwender mit ihnen direkt interagieren. Dieser Interaktions-Mechanismus erlaubt viel besseres Testen und Experimentieren als konventionelle Umgebungen. BlueJ ist geeignet zum Lehren und Lernen von Objektorientierung und Java. Das von Sun unterstützte Projekt begann 1998 an den Universitäten von Kent und Deakin und steht unter einer freien Lizenz.

Wie Michael Kölling, einer der maßgeblichen Entwickler von BlueJ schreibt, hat Microsoft bereits im Jahr 2005 das wesentliche Feature von BlueJ, das Interagieren mit Objekten, unter dem Namen »Object Test Bench« in Visual Studio implementiert. Zu diesem Zeitpunkt unternahm das Projekt nichts weiter, da der Code offen ist und gegen ein Kopieren der Idee nichts einzuwenden war. Für Verärgerung sorgte allerdings, dass Microsoft das Feature als eigene Idee ausgab. Schon damals warnten Beobachter, dass Microsoft dieses Feature auch patentieren könnte, Kölling war jedoch der Ansicht, dass dies wegen der bereits vorliegenden Implementierung in BlueJ nicht passieren würde.

Die Befürchtungen wurden nun offenbar wahr, denn Microsoft hat im Jahr 2006 ein Patent beantragt, das die »Object Test Bench« beschreibt. Sollte das Patent erteilt werden, so befürchtet Kölling, dass Microsoft das BlueJ-Projekt stoppen würde. Denn BlueJ stellt eine Konkurrenz zu Visual Studio gerade im Bildungsbereich dar, in dem sich Microsoft derzeit mit Macht ausbreiten will. Im Gegensatz zu Visual Studio ist BlueJ jedoch frei, plattformunabhängig und vermeidet, von einem Hersteller abhängig zu werden. Genau diese Abhängigkeit von Hersteller und Plattform will Microsoft jedoch erzielen und bietet daher Visual Studio zusammen mit Schulungen für die Lehrer sehr günstig oder sogar kostenlos an.

Michael Kölling schreckt offenbar noch davor zurück, gegen den Patentantrag vorzugehen. Nach seiner Ansicht ist zwar klar, dass BlueJ die früheren Rechte an der Idee hat und das Patent zu Fall bringen könnte. Dazu müsste er jedoch in den USA aktiv werden, was weder ihm noch den beteiligten Universitäten angenehm wäre.

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