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Mi, 20. Juni 2007, 13:15

Software::Video

Musik- und Videoverband verletzt angeblich Urheberrechte von Alladyn

Einer scharfen Kritik musste sich der polnische Verband der Audio- und Videohersteller stellen, wonach die Organisation die Urheberrechte an offenen Applikationen verletzte und den Vorfall bagatellisierte.

Die Musik- und Videoindustrie gehört, der eigenen Darstellung nach, zu den gesetzestreuesten Branchen überhaupt. Darf man den unzähligen Kampagnen der Industrie Glauben schenken, so sind alle Raubkopierer, Schwarzseher und Dritthörer Schwerverbrecher, die mit drakonischen Strafen zu rechnen haben. Nicht nur in Deutschland verfolgen deshalb Organisationen der Branche zahlreiche Anbieter und schütten Betreiber von Tauschbörsen mit Klagen zu.

Dass nicht nur das Verbreiten von Filmen eine strafbare Handlung darstelle, sondern auch das Übersetzen von Texten verfolgt wird, mussten im Mai zahlreiche Hobby-Übersetzer in Polen erfahren. Der polnische Verband zur Wahrung der Rechte der Audio- und Videohersteller ZPAV ließ gleich neun Übersetzer festnehmen, die nach Angaben der Polizei »illegale Übersetzungen« erstellten. Unter anderem verhafteten die Beamten auch den Betreiber der Plattform »napisy.org«, die Untertitel zu diversen Filmen zum kostenlosen Download anbot.

Nun müssen sich die Hüter des Urheberrechts selbst dem Vorwurf stellen, das Recht nicht ganz ernst zu nehmen. Bereits am ersten Juni berichtete die renommierte Gazeta Wyborcza unter dem Titel »Krieg der Untertitel« über Verletzungen des Urheberrechts auf Seiten des Verbandes. Laut Aussage der Zeitung nutzt die Präsenz quelloffene Software, die nicht nur modifiziert, sondern den Lizenzbestimmungen zuwider eingesetzt wurde.

Bei der monierten Applikation handelt es sich um die Alladyn-Bibliothek, die für nichtkommerzielle Zwecke kostenlos eingesetzt werden konnte, bei einer kommerziellen Nutzung aber Gebühren verlangte. Das Projekt schrieb zudem vor, dass bei einer Nutzung von Alladyn nicht nur im Quellcode, sondern auch im sichtbaren Teil der Seite ein Hinweis auf das Projekt gesetzt werden muss. Beide Forderungen wurden von den Betreibern nicht erfüllt.

Auf den Bericht der Zeitung reagierte der Verband gereizt. ZPAV erklärte in einem Kommentar, dass der Verband keine Urheberrechte verletze und nur legal lizenzierte Software nutze. Diese Auffassung teilen die Autoren von Alladyn allerdings nicht. In einem Blog meldete sich am Sonntag einer der Entwickler zu Wort und erklärte, dass ZPAV die bereits seit Jahren nicht mehr entwickelte Bibliothek in der Version 1.7 Lite nutze, die der Software Pajączek 5 Nxg PRO beigefügt ist. Eine Lizenz zur Nutzung der HTML-Bibliothek besitze demnach lediglich das Unternehmen, das Pajączek erstellt hat, und nicht ZPAV. Rechtlich müsste der Verband deshalb eine Lizenz zur kommerziellen Nutzung erwerben, was nach Angaben des Autors nicht geschehen ist. Zudem weist die Seite des Verbandes Änderungen an Alladyn auf, die ebenso nicht an die Autoren der Bibliothek zurückgegeben wurden.

In einer ersten Stellungsnahme zeigte sich der Verband zuerst kämpferisch und kündigte rechtliche Schritte gegen den Autor des Artikels an. Später relativierten Vertreter die Aussage. Der Schaden halte sich demnach wegen der »geringen Größe« von Alladyn in Grenzen. Zwischenzeitlich haben die Autoren allerdings Alladyn unter die Bedingungen der GPL/LGPL/MPL-Lizenzen gestellt. Wie einer Erklärung zu entnehmen ist, verstoße der Auftritt der Wächter des Urheberrechts nicht mehr gegen die Lizenzbestimmungen. Zugleich zeigten sich die Schöpfer allerdings über die Bagatellisierung des Vorfalls bestürzt. »Eine Entschuldigung ist das Mindeste«, schreiben die Autoren.

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