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Di, 21. August 2007, 09:34

Software::Büro

Schweizer Internet User Group gegen OOXML

Nach Auffassung der SIUG (Swiss Internet User Group) wird auch in der Schweiz mit fragwürdigen Mitteln versucht, das proprietäre OOXML-Format zum Standard erklären zu lassen.

In einem Brief an die Schweizerische Normen-Vereinigung beschwert sich die SIUG (Swiss Internet User Group) über die Nichtzulassung ihrer Argumente im Standardisierungsgremium UK 14. Der Vorsitzende des übergeordneten Gremiums NK 149, Sebestyen, habe zugunsten von OOXML massiv Einfluss genommen. Sein Posten als Generalsekretär der Ecma stehe aber in Konflikt mit dem Vorsitz von NK 149.

Die SIUG hat im OOXML-Standardisierungsverfahren nach eigenen Angaben rechtzeitig einen Kommentar eingereicht, in dem sie fordert, OOXML »mit Kommentaren« abzulehnen. OOXML sei auf Kompatibilität mit dem Produkt einer einzelnen Firma ausgelegt, und das sei für einen internationalen Standard nicht akzeptabel. Es sei umso weniger akzeptabel, als OOXML absichtlich inkompatibel mit dem existierenden Standard ODF sei. Eine Annahme von OOXML würde Schweizer und internationales Recht verletzen. Die einzige Abhilfe sei, dass der OOXML-Standardvorschlag überarbeitet werde und eine Abbildung auf ODF angebe, in der jedes gültige ODF-Dokument in OOXML repräsentiert werden kann.

Der Vorsitzende des Komitees UK 14 zeigte sich zunächst den Kommentaren gegenüber aufgeschlossen, machte jedoch dann eine Kehrtwende, die laut SIUG nur durch die Intervention von Sebestyen erklärbar ist. Der Einspruch der SIUG enthält die Vorkommnisse im Detail. Das Hauptargument, OOXML solle ein Monopol zementieren und die Annahme als Standard wäre ein Verstoß gegen Schweizer und internationales Recht, wurde in der Beratung nicht zugelassen, der Sprecher des SIUG sei ungerechtfertigt unterbrochen worden. Überhaupt sei die ganze Sitzung laut SIUG sehr fragwürdig verlaufen. Bei der Abstimmung, wie die Schweiz im Standardisierungsverfahren stimmen solle, wurde die Option »Ablehnung mit Kommentaren« erst gar nicht zur Wahl gestellt, obwohl diese nach Ansicht der SIUG eine Mehrheit gefunden hätte.

Sebestyens Interesse als Generalsekretär der Ecma sei, OOXML im Rahmen eines »Fast Track«-Verfahrens (ca. sechs Monate Bearbeitungszeit) zum internationalen Standard zu machen - irgendwelche Bedenken zählen dabei nicht, ist es doch eines der Angebote der Ecma, ihre Standards in solchen »Fast Track«-Verfahren zum ISO-Standard zu machen. So soll Sebestyen selbst ausgesagt haben, dass er eine Anerkennung von OOXML wünsche. Er soll sich, wie auch die Ecma, für RAND-Standards ausgesprochen haben, Standards, die unter »vernünftigen und nicht diskriminierenden« Bedingungen verfügbar sind, was Patent- und andere Lizenzzahlungen nicht ausschließt. Im Gegensatz dazu sind die SNV, ISO und IEC in dieser Hinsicht zurückhaltender.

Die SIUG fordert nun von der Schweizerischen Normen-Vereinigung, ihre Kommentare zu prüfen. Sollten diese wenigstens teilweise für gültig befunden werden, solle die Schweiz mit »Ablehnung mit Kommentaren« in der ISO stimmen, bis eine Abbildung von ODF auf OOXML spezifiziert sei. Der Abstimmungsprozess von UK 14 soll korrekt zuende geführt werden, fordert die SIUG weiter.

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